Pokalfinale: Freudentaumel und Frustsaufen

Kommentar

Pokalfinale: Freudentaumel und Frustsaufen

31.05.2015 | 12:07 | Natalia

Warf man vor dem Pokalfinale einen Blick nach Berlin, hätte man meinen können, das Spiel sei bereits entschieden. Die Stadt war fest in schwarz-gelber Hand, die Party war bereits in vollem Gange. Wolfsburg-Fans wurden traditionsgemäß aufgrund ihrer geringen Anzahl verhöhnt, aufblasbare Pokale wurden in die Luft gereckt.

Bekanntermaßen kam alles anders. 3:1 für das Team von Dieter Hecking – seither Hec-KING. Man kann zwar keinesfalls von einer Klatsche sprechen, denn mehrere Phasen Dortmunder Dominanz und gefühlte zehn hundertprozentige Torchancen stehen dagegen. Aber am Ende ging das Ding für den BVB eben verloren.

Hand aufs Herz: Irgendwie hätte man es ihnen ein bisschen mehr gegönnt. Das letzte Spiel für Klopp und Kehl hätte ein ruhmreicher Abgang werden können, eine letzte große Sause. Jürgen Klopp hatte sich lange im Griff, zum Schluss konnte er aber nur noch unter Tränen hervorbringen: “Ich kann nicht annähernd in Worte fassen, was mir durch den Kopf geht.” Alle haben daran geglaubt, auch nach dieser zwar noch glimpflich beendeten, aber unter dem Strich verkorksten Saison. Da waren einfach so viele Emotionen, so viel Wille, so viel Optimismus.

Aber bei aller Sympathie: Wenn selbst eine Wagenladung an Emotionen und Motivationen im Hintergrund nicht ausreichen, um ein Pokalfinale zu gewinnen, dann muss man der Realität ins Auge sehen. Es hat eben einfach nicht gereicht. Wie auch Mats Hummels nach der Partie zu Protokoll gab, war dieses Match ein Spiegelbild der Saison. Und man darf nicht vergessen: Auch bei Kevin de Bruyne und seinen Teamkollegen spielte das Herz mit. Genau genommen ein grünes Herz mit der Nummer 19, der Rückennummer von Junior Malanda. Sie möchten ihn dort einfach nicht vergessen, und das ist eine extrem schöne Geste.

Kloppo kündigte an, einen Abschied bis zum Verlust der Muttersprache feiern zu wollen. So ähnlich zumindest. Als er aber nach dem verlorenen Pokalfinale zum letzten Mal im Mannschaftsbus saß, wirkte er nachdenklich. Mein Gott, der Mann tat mir leid! Aber irgendwie war das auch gut so, eine kleine Hoffnung liegt in dieser Nachdenklichkeit. Ich sage mir einfach: Seine Mission ist nicht erfüllt. Das Scheitern arbeitet in ihm, wird ihn nicht loslassen. Und eines Tages… ach, wäre das schön.

Fotos: Facebook / BVB; VfL Wolfsburg

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