Selfie-Könige & Freiheitsverluste 2.0

Kommentar

Selfie-Könige & Freiheitsverluste 2.0

31.03.2015 | 10:47 | Kerstin

Ende Oktober bekannte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff in einem Interview für die ‘Welt am Sonntag’: „Mir gehen diese Mitteilungen von Banalitäten und auch Selfies teilweise auf den Keks.“

Angesprochen dürften sich damit insbesondere all die Fußballspieler fühlen, welche neben Kabinenfotos auch mal gerne einen, mehrere oder vieeele Schnappschüsse aus dem privaten Urlaub posten – oder (immer hoch im Kurs!) Bilder von ihrem Essen, den Kindern oder stylischen It-Pieces. Gerne als Kanäle genutzt: Facebook, Twitter und Instagram, um ALL DAS mit den Fans zu teilen.
Bierhoff sagte damals, dass er sich der Bedeutung der sozialen Netzwerke bewusst sei und wisse, dass sich die Zeiten änderten und man manchen Entwicklungen eben auch nicht ausweichen könne. Erklärt das die Mitteilungsbedürftigkeit einiger Fußballer? Oder agieren diese aktiven Nutzer mit Fußballstatus so, um Sponsoren und Werbepartnern zu gefallen? Schließlich sehen diese einen regen Informations- und Bilderfluss ihrer Gesponserten in den sozialen Netzwerken gerne.

Ein kürzlich ausgestrahlter Beitrag in der ZDF Sportreportage drehte sich um die teils offensichtliche, teils wie zufällig wirkende Präsenz von Sponsoren in Fußballer-Accounts. Da halten Özil & Co. schon gerne mal ihre neuen adidas-Schuhe in die Kamera. Oder sie promoten ihren Ausrüster Nike mit einer fast schon zum Kopfschütteln animierenden Penetranz.
Dass solche Bilder nicht nur Werbewirkung, sondern auch handfesten Marktwert haben, versteht sich von selbst. Auch wenn seitens adidas zu Protokoll gegeben wurde, man bezahle die Spieler nicht gesondert für Werbeposts. Die aufgestellten exemplarischen Gegenwerte eines Posts sehen wir folgt aus (Quelle: ZDF):

zdfsport_socialmedia

Soll das etwa heißen, dass das ganze Gepose mit den freien Oberkörpern nur Füllmaterial für plumpe Werbebotschaften ist?

Nein, liebe Fans. Man darf schon davon ausgehen, dass sich unsere Kicker zum Teil unwiderstehlich finden. Dass sie ihre attraktiven Freundinnen und ihre Muskeln gerne mal der Öffentlichkeit präsentieren. Dabei sollte man aber nie vergessen, dass die große Mehrheit der Profi-Fußballer den eigenen Account nicht selbst pflegt. Wie soll das auch gehen?

Fakt ist: Wo kein Wasser, da auch keine Fische. Letzten Endes verantwortet jeder immer noch selbst seine Außendarstellung. Und sicher wird auch niemand mit vorgehaltener Waffe zu einem Selfie im Tanga gezwungen. Wir dürfen uns also getrost weiterhin über die Selbstbeweihräucherung und Schmerzfreiheit mancher Kicker wundern.

Es mag auch teilweise narzisstisch anmuten, was man da zu sehen bekommt, schließlich bieten die Social-Media-Kanäle DIE Plattform zur Selbstdarstellung. Aber: Niemand ist gezwungen, sich die Unterhosenkollektion von CR7 oder ihn persönlich und oberkörperfrei posierend auf Instagram anzuschauen, wenn er das nicht will. Das bestimmt der Nutzer selbst.

Genauso wie es nicht das Problem der Fans ist, wie viel Privates Fußballstars von sich preisgeben. Den Einschnitt in die Privatsphäre nimmt jeder, der etwas von sich postet (oder posten lässt), selbst in Kauf. Bierhoff meinte in seinem damaligen Interview: „Man sollte sich schon mal fragen, wie frei man sich eigentlich fühlt, wenn man jeden Tag aus seinem Urlaub etwas postet.“ Ja, es mag sich hier tatsächlich um Freiheitsverluste 2.0 handeln. Aber: Derjenige, der es postet, nimmt diese Freiheitsverluste in Kauf.

Was es also gegen diese Entwicklung des „Zu-viel-über-sich-Preisgebens“ einzuwenden gibt? Es ist wie mit so vielen Dingen: Leben und leben lassen. Wer will, soll posten was er mag, und so viel er mag. Lediglich ein gesundes Bewusstsein über die Eingriffe in ihre Privatsphäre ist diesen Herrschaften zu wünschen. Und den Konsumenten einen freien Blick auf die Realität. Diejenige, die sich außerhalb der sozialen Medien befindet. Ja, die gibt es nämlich auch noch!

Foto: https://twitter.com/Cristiano/status/570663992349356033 und https://twitter.com/MesutOzil1088/status/576329649996853248

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


acht × = 8

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>