Der Arzt, dem die Stars vertrauen

Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt

Der Arzt, dem die Stars vertrauen

30.09.2014 | 12:12 | Annette

Er ist der Doc, dem die Stars vertrauen und wahrscheinlich der berühmteste Sportmediziner der Welt: Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. In der Praxis des Mannschaftsarztes des FC Bayern und der Nationalelf geben sich die Promis die Klinke in die Hand, weil sie an die mitunter auch unkonventionellen Heilmethoden des gebürtigen Ostfriesen glauben. Dennoch ist Müller-Wohlfahrt nicht frei von Kritik.

Als Usain Bolt 2012 in London die olympische Goldmedaille über 100 Meter ersprintete, galt sein erster Gruß Müller-Wohlfahrt. Der Jamaikaner dankte “dem besten Arzt der Welt”, der ihn fit machte und deshalb großen Anteil an seinem Triumph habe. Müller-Wohlfahrt hatte sie alle schon im Behandlungszimmer: Neben Bolt fanden auch Bono, Cristiano Ronaldo, Steven Gerrard oder Andy Murray den Weg in die bayerische Hauptstadt, um sich von der Koryphäe untersuchen zu lassen. Das Geheimnis von Müller-Wohlfahrt? Er braucht keine Maschinen oder technische Mittel, um Diagnosen zu stellen. Er verlässt sich ganz auf seine Hände. Ich sehe und höre nichts, und konzentriere mich ganz auf die Fingerkuppen. Ich vertraue meinen Händen mehr als dem Kernspin oder dem Ultraschall”, sagt er über sich selbst. Das bietet ihm natürlich erhebliche Vorteile auf dem Spielfeld, wenn der Arzt Urteile über eine Verletzung fällen soll, ohne jegliche Hilfsmittel zur Verfügung zu haben. Seine Diagnosen sorgen jedoch bei seinen Kollegen immer wieder für Ärger, weil sie mit medizinischen Geräten nicht nachweisbar sind. “Ich habe schon Dinge gefunden, die im Röntgen, Kernspin und Ultraschall nicht zu sehen sind”, so Müller-Wohlfahrt weiter.

“Mull”, wie der Doc in seinem Umfeld genannt wird, promovierte an der Universität in Kiel und arbeitete zunächst an der Charité in Berlin. Gleichzeitig fungierte er als Mannschaftsarzt von Hertha BSC. Als Mitte der 70er-Jahre dann ein Angebot aus München hereinflatterte, konnte Müller-Wohlfahrt nicht widerstehen - er zog an die Isar. Seitdem ist “Mull” beim FC Bayern tätig (mit Unterbrechung zu Zeiten, als Jürgen Klinsmann Trainer an der Säbender Straße war) und betreibt seine eigene Praxis in der Münchner Innenstadt. Wie ein griechischer Gott sieht er aus, wenn er mit seiner wallenden Mähne über den Rasen rennt, um erste Hilfe zu leisten. Müller-Wohlfahrt schreckt nicht davor zurück, umstrittene Heilmethoden anzuwenden – zum Beispiel Actovegin, das aus Kälberblut gewonnen wird und bereits mit Doping in Verbindung gebracht wurde. Müller-Wohlfahrt versichert jedoch, dass er seine Medikamente und seine Behandlungen mit der Anti-Dopingagentur NADA abspreche.

Müller-Wohlfahrt muss sich immer wieder Kritikern stellen, und die meisten kommen aus anderen europäischen Fußballverbänden. 2010 legte er sich mit den Ärzten der holländischen Nationalmannschaft an. Der Streitpunkt war Arjen Robben. Müller-Wohlfahrt beschuldigte die Docs, dass sie Robben trotz erheblichen gesundheitlichen Problemen fitspritzten und ihn im WM-Finale gegen Spanien auflaufen ließen. Das sei unverantwortlich gewesen. Andersherum lief es in diesem Jahr mit dem französischen Verband, der Müller-Wohlfahrt vorwarf, Franck Ribéry fürs DFB-Pokalfinale fitgespritzt zu haben und deshalb Mitschuld trage am WM-Aus des Franzosen. Müller-Wohlfahrt konterte, dass Ribéry mit seinen Behandlungsmethoden mit nach Brasilien hätte reisen können. Die Kicker selbst schwören auf “Mull”. Ribéry bescheinigte zum Beispiel: “Auf den Doc lasse ich nichts kommen”.

Im Moment schlägt sich Müller-Wohlfahrt mit internen Problemen beim FC Bayern herum. Pep Guardiola ist skeptisch, was den Ostfriesen betrifft. 2013 ließ der Trainer Thiago nach seiner Verletzung zu einem Arzt nach Barcelona fliegen. Der gab ihm Kortison, Thiago konnte wieder spielen, verletzte sich aber kurz darauf erneut. Müller-Wohlfahrt musste mit seiner Behandlung warten, bis das Kortison Thiagos Körper verlassen hatte. Vor wenigen Tagen beschwerte sich Guardiola über den Gesundheitszustand von Jérôme Boateng, der einfach nicht fit für 90 Minuten sei. Fragen zu Verletzungen beantwortet der Spanier schon lange nicht mehr. “Da fragt doch die Ärzte”, gibt er verbissen zu Protokoll.

Gegenwind kennt er also, dieser Müller-Wohlfahrt. Mit seinen 72 Jahren weiß er aber damit sehr gut umzugehen. Er ist und bleibt der Arzt, dem die Stars vertrauen. Zumindest fast alle.

Foto: picture alliance / dpa

 

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