SC Paderborn im Fußballhimmel

Bundesliga-Aufsteiger

SC Paderborn im Fußballhimmel

29.07.2014 | 11:10 | Natalia

Paderborn. Uff. Kommt da nicht Rüdiger Hoffmann her? Darüber hinaus fällt dem Nicht-Paderborner zu Paderborn in der Regel wenig ein. Wo liegt das eigentlich? Aha, bei Detmold. Südlich von Bielefeld. Spannend. Und was gibt es so in Paderborn? Einen Dom. Und sonst so? Wikipedia sagt unter anderem: ” Im Sinne einer autogerechten Innenstadt entstand eine durch das Material Beton geprägte Baugruppe am Königsplatz, die nach damaligen Ansichten extrem fortschrittlich war, heute jedoch eher negativ beurteilt wird.” Ok. Liebe Paderborner, nichts für ungut, aber das reicht.
Das reicht, um den Eindruck zu festigen, dass der SC Paderborn spätestens seit der vergangenen Spielzeit die größte Sehenswürdigkeit der Stadt ist. Der Verein hat den Aufstieg in die 1. Bundesliga geschafft und eine ganze Region tagelang in Ekstase versetzt. Grund genug, sich den neuen Bundesligazwerg einmal genauer anzuschauen.

P wie Party
Für gewöhnlich sagt man den Ostwestfalen ein eher zurüchhaltendes Gemüt nach. Doch als der Aufstieg perfekt war, gab es kein Halten mehr. Fans und Mannschaft waren tagelang außer Rand und Band, man konnte diese Fußballwunder kaum glauben. Die Vorgabe zum Ausrasten kam von niemand anderem als dem Trainer. Der hatte gesagt: “Die Jungs sollen feiern, bis der Arzt kommt.” Die Jungs hörten aufs Wort.

A wie André
Als Spieler absolvierte André Breitenreiter insgesamt 144 Bundesligaspiele, unter anderem für den HSV und Wolfsburg. Bevor er als Trainer zum SC Paderborn kam, vollbrachte er bereits andererorts ein kleines Wunder, das logischerweise bislang wenig mediale Beachtung fand. Denn es handelt sich um den Klassenerhalt, die Erringung einer Spitzenposition in der Tabelle und die DFB-Pokal-Teilnahme des Regionalligisten TSV Havelse. In dieser Reihefolge. Was für ein Trainer! Und nun die Erstklassigkeit des SC Paderborn. Kein Wunder, dass sich bereits einige große Klubs nach dem Erfolgstrainer die Finger lecken. Der Vertrag des 40-Jährigen geht aber noch bis Juni 2016.

D wie Dreiundfünfzig
Der SC Paderborn ist der 53. Fußballverein in der 1. Liga. Bleibt zu hoffen, dass es für die Mannschaft nicht auf eine bloße Stippvisite hinausläuft.

E wie Etat
Selbst unter den Zweitligisten gehört der SC Paderborn zu den etatschwachen Vereinen. Förderer und Mäzen Wilhelm Finke investiert mit Bedacht. Mit einem Etat von gerade einmal 6,2 Millionen Euro geht es jetzt in Liga 1. Das entspricht etwa einem halben Ribéry. Mitaufsteiger Köln hat fast drei Mal so viel Kapital zur Verfügung. Der SCP ist die neue Definition von “arm, aber sexy”.

R wie Relegation
Zum Glück ging es für die Paderborner auch ohne Relegation in den deutschen Fußball-Olymp. Wäre es dazu gekommen, hätten einige Fans passen müssen. Beim Spiel gegen Sandhausen hatten Anhänger ein Plakat mit der Aufschrift “Bitte keine Relegation – wir haben Schützenfest” hochgehalten und damit bundesweit für Amüsement gesorgt.

B wie “Bayern statt Bielefeld”
So die Ansage des Stadionsprechers zur Stunde des Aufstiegs. Noch Worte?

O wie Ohren
Die Ohren der Anwohner rund um die Benteler-Arena, das neue Heimstadion der Paderborner, sind empfindlich. Die Bauarbeiten am Stadion wurden aus diesem Grund zwischenzeitlich für zwei Jahre gestoppt. Außerdem verpflichtete sich der Verein, in der Ersten Liga keine Freitagsspiele auszutragen, weil ab 22 Uhr Ruhe im Karton herrschen muss. So ein Stadtstadion hat eben auch Nachteile.

R wie Richter
Dieser hatte den bei Babelsberg spielenden Süleyman Koç wegen gewalttätiger Raubüberfälle zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Unter anderem mit von der Partie: Fußballprofi Guido Koçer. Koç und Koçer, das neue Gangstergespann. Als Freigänger bekam er im März 2013 eine zweite Chance bei Babelsberg und wurde als solcher auch beim SC Paderborn unter Vertrag genommen, wo er seit Januar dieses Jahres spielt.

N wie Niederlagen
In der Zweiten Liga hatte der SC Paderborn zuletzt in zehn Spielen nur eine Niederlage kassiert. Eine Demonstration. Medien berichten bereits, die Bundesliga erzittere vor diesem Verein. Lassen wir die Kirche mal besser im Dorf und freuen uns einfach auf eine aufregende Spielzeit mit einem sympathischen, motivierten Aufsteiger.

Foto: dpa/MiS

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