FC St. Pauli: Der etwas andere Verein

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FC St. Pauli: Der etwas andere Verein

28.10.2014 | 2:14 | Annette

Der FC St. Pauli ist mehr als nur ein Fußballclub. Er ist Kult. Ein Symbol gegen Rechts mit einem Stadion, dessen Atmosphäre deutschlandweit legendär ist. Den Hamburger Stadtteil-Verein umschwebt ein gewisser Mythos, dessen Sternstunde in den 1980er-Jahren begann und in ganz Europa für Furore sorgte. Wenn die Mannschaft unter den Klängen von AC/DCs „Hells Bells“ am Millerntor einmarschiert, dann verwandelt sich der Kiez wieder in eine große Familie, in der Toleranz und Respekt großgeschrieben werden. Der FC St. Pauli ist anders und deshalb ein Unikum in der deutschen Fußballlandschaft.

Mitte der 1980er-Jahre, nach erneutem Abstieg und Finanzproblemen, wird dem Verein neues Leben eingehaucht. Die linksalternative Szene, die mitten im Straßenkampf steckt und Häuser besetzt, strömt in Massen ins Stadion und formt nicht nur eine neue Fankultur, sondern schafft auch einen Gegenentwurf zum Millionengeschäft Fußball. Die Paulianer sprechen sich gegen die rechtsradikalen Tendenzen im Profisport und die Kommerzialisierung des Fußballs aus. Der Totenkopf etabliert sich als Symbol gegen die Obrigkeit und steht für Rebellion gegen das Establishment. Die Revolution auf der Hamburger Hafenstraße wird einfach im Stadion weitergeführt.

Nach dem Aufstieg in die Erste Liga entbrennt ein wahrer Klassenkampf mit dem Erzfeind – dem FC Bayern München. Underdog trifft auf scheinbare Überheblichkeit und Arroganz. Die Spieler der Münchner werden mit Münzen beworfen, stehen sie doch für genau das, wogegen der FC St. Pauli kämpft. Bei den Paulianern geht es weniger um Geld, Erfolg und Titel, es geht um Spaß und den Fußball. Da macht es auch nichts, dass sich der Club zu einer Fahrstuhlmannschaft entwickelt, die aufsteigt und wieder absteigt, um dann schlussendlich wieder aufzusteigen.

Ein Höhepunkt ist 2002 das Spiel gegen den frisch gekürten Weltpokalsieger Bayern München, das die Hamburger für sich entscheiden und sich als Weltpokalsiegerbesieger feiern lassen. Zu Lachen gibt es ansonsten nicht viel: Das Team findet sich nur eineinhalb Jahre nach dem Triumph in der Dritten Liga wieder. Und ist mal wieder pleite.

Die größte Rettungsaktion der deutschen Fußballgeschichte kommt in Gang. Corny Littmann, Theaterschauspieler und bekennender Schwuler, wird zum Präsidenten des Clubs gewählt, verkauft 100.000 der berühmten „Retter“-Shirts und gewinnt Uli Hoeneß für ein Retterspiel zwischen dem FC Bayern München und dem FC St. Pauli. Vom Buhmann zum Helden: Hoeneß wird bei der Partie mit frenetischem Applaus empfangen, die Münzen wandern diesmal in die Tasche der Hamburger, und der Verein ist gerettet.

Sportlich bleibt die Leistung des FC St. Pauli in der Folge durchwachsen. Es geht rauf, es geht runter. Die Fans halten trotzdem die Treue. Auch wenn sich der Verein dem Lauf der Zeit anpassen muss: 2009 wird die Haupttribüne des Stadions abgerissen, es entstehen Logen und ein Businessbereich. Eigentlich undenkbar beim FC St. Pauli, doch wer überleben will, muss Kompromisse eingehen. Ob die Fans das wollen oder nicht. Die Parole ist immer noch dieselbe: Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus, nie wieder Zweite Liga. Naja, der letzte Punkt trifft im Moment nicht zu, aber das tut der Faszination St. Pauli keinen Abbruch. So läuft Axel Prahl als Münsteraner Tatort-Kommissar gerne im Pauli-Fanshirt herum, und Bela B. von den Ärzten ist stolzer Besitzer einer Dauerkarte auf Lebenszeit. Der FC St. Pauli ist Punkrock, sagt er. Ein Gefühl. Eine Gesinnung. Der Mythos lebt weiter.

Foto: Bernd Sterzl / pixelio.de 

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