Murray zwitschert sich in Trouble

Tennis

Murray zwitschert sich in Trouble

26.09.2014 | 12:41 | Annette

Er hätte es eigentlich besser wissen müssen: Andy Murray hat mit einem Tweet zur Abstimmung über die Unabhängigkeit Schottlands einen wahren Shitstorm im Netz ausgelöst und sich den Zorn vieler Engländer zugezogen. Die Situation ist dem gebürtigen Schotten nicht neu. Schon einmal war der Tennisprofi das ungeliebte Kind der Insel. Seine Lehren hat er daraus gezogen – aber nun für kurze Zeit vergessen.

Andy Murray stammt aus Schottland und gehört zu den besten Tennisspielern der Welt. Klar, dass im Vorfeld der Wahl über die Unabhängigkeit Schottlands die Meinung des berühmten Sportlers heiß begehrt war. Doch Murray hielt sich zurück, sprach sich weder für die Separatisten noch für die Befürworter der Zugehörigkeit zur britischen Krone aus. Bis zum Tag der Abstimmung. Vergangene Woche überraschte Murray dann plötzlich seine Twitter-Follower mit einer klaren Stellungnahme pro Unabhängigkeit. Er schrieb: “Huge day for Scotland today! no campaign negativity last few days totally swayed my view on it. excited to see the outcome. lets do this!

Die Wahl fiel gegen eine Unabhängigkeit aus, und Andy Murray steht nun am Pranger. Können sich die Engländer vorstellen, dass Murray ihr Land weiter repräsentiert? Im Moment wohl eher nicht. Die Wut auf den Tennisspieler ist groß. Das Bittere für Murray: Er kennt die Situation! Als er 19 Jahre alt war, antwortete er einmal auf die Frage, welches Land er bei der Fußball-WM unterstützen werden, dass er für alle jubelt, die gegen England antreten. Damals war Murray noch jung, hatte eine schnelle Zunge und war überrascht über die heftigen Reaktionen. Er wurde in der Folge in England jahrelang negativ empfangen und konnte nicht mit der Anfeuerung seiner Landsleute rechnen.

Für Murray begann ein steiniger Weg zurück ins Herz der Engländer. Das gelang ihm schließlich 2012 in London, als er für Großbritannien die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen holte. Nach seinem Triumph feierte er stolz mit der Union-Jack-Flagge, und die skeptischen Engländer waren gnädig gestimmt. Da identifizierte sich ja doch einer mit der Nation, für die er spielt. Im Jahr darauf gewann Murray auch noch Wimbledon – den Traditions-Grand-Slam auf grünem Rasen.

Hat da etwa nun jemand den Twitter-Account von Andy Murray geknackt, um Unfrieden zu stiften? Nein, es war Murray selbst, der sich zum Statement hinreißen ließ, und jetzt hat sich der Tennisspieler erstmals zu seinen Beweggründen geäußert: “Was ich geschrieben habe, passt nicht wirklich zu meinen Charakter. Ich tue solche Dinge normalerweise nicht und würde es auch nicht mehr tun. Es war ein emotionaler Tag für die Schotten, das ganze Land, ganz Großbritannien. Ich kann es nicht mehr ändern, sondern mich nur auf mein Tennis konzentrieren. Ich werde nun nach vorne blicken, und ich hoffe, das können alle anderen auch.” Die erste Bewährungsprobe für Murray könnten die ATP Tour Finals im November sein, die traditionsgemäß jedes Jahr in London stattfinden. Hui oder pfui, nicht nur Murray ist gespannt, wie ihm die Zuschauer gesonnen sein werden.

Foto: picture alliance / Back Page Images

 

 

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