Kann man einen Fußballverein kaufen?

Geld vermehren

Kann man einen Fußballverein kaufen?

26.07.2014 | 10:28 | Natalia

Bei uns Normalsterblichen endet ein Shoppingwahn in der Regel mit einem Berg Klamotten und mindestens einem Paar neuer Schuhe. Wenn allerdings die Superreichen dieser Welt in einen Kaufrausch geraten, liegt als Ergebnis hin und wieder ein Fußballklub im Einkaufsnetz.

Das wohl berühmteste Beispiel ist der Erwerb des Chelsea FC durch den russischen Oligarchen und Multimilliardär Roman Abramowitsch. 2003 legte er für den Klub 210 Millionen Euro auf den Tisch. Doch dabei blieb es nicht: Schätzungen zufolge hat der 47-Jährige bis heute weit über 700 Millionen Euro investiert, hauptsächlich für Transfers und Gehälter.
Angeblich werkelt David Beckham gerade gemeinsam mit alten Spielerkollegen und einem arabischen Öl-Magnaten an der Übernahme seines ehemaligen Vereins Manchester United. Und auch die Musik-Stars P. Diddy und Snoop Doggy Dog erwogen zeitweilig, ihr Blingbling-Aufgebot durch einen Fußballklub zu ergänzen. Ihr seht, wer das nötige Kleingeld hat, kann es in Form von Anteilen anlegen und sich auf diese Weise die Entscheidungsgewalt auf und neben dem Platz sichern. Online Fußball Manager goes real. Ein nettes Spielzeug, oder? Fragt sich nur, warum bislang noch kein deutscher Verein aufgekauft wurde.

Kann man einen deutschen Fußballverein kaufen?

Liebe milliardenschwere Fußballfans, ihr müsst jetzt ganz stark sein: In Deutschland geht das leider nicht. Zumindest die Übernahme der Entscheidungsgewalt ist bis heute ausgeschlossen. Ein Kauf könnte nur in Form von Aktien stattfinden, und Borussia Dortmund ist derzeit der einzige Klub an der Börse. Doch der eigentliche “Haken” liegt in der 50+1-Regel. Diese besagt, dass deutsche Fußballvereine, auch wenn ihre Führung als Kommanditgesellschaft auf Aktien (KgaA) organisiert ist, verpflichtet sind, mindestens 50 Prozent und eine Aktie zu halten.
Ergo: Aktuell kann man keinen deutschen Fußballverein kaufen. Wobei das Mäzenatentum des SAP-Gründers Dietmar Hopp bei der TSG Hoffenheim dem schon verdächtig nahe kommt. Vor diesem Hintergrund mutmaßte Thomas Hitzlsperger 2011 im Interview mit der “Zeit”, die 50+1-Regel werde seines Erachtens innerhalb der kommenden fünf bis zehn Jahre fallen. Warten wir es ab.

Ich bin nicht reich. Kann ich trotzdem ein bisschen shoppen?

Na klar doch, kein Problem. 2007 sorgte der erste per Crowdfunding aufgekaufte englische Fußballklub Ebbsfleet United FC für Furore. Er wird seitdem von seinen Mitgliedern geführt, die nicht nur über Transfers und Trikotwahl, sondern auch über die Aufstellung mitreden dürfen. Verrückt! Und irgendwie ein schönes Symbol gegen den Ausverkauf der großen Vereine an übermächtige Investoren.
Leider schrumpfte die Mitgliederzahl in den darauffolgenden Jahren stark, und inzwischen kann man nur noch schwerlich von einer Erfolgsgeschichte reden, aber daraus eine generelle Bewertung zu ziehen, wäre sicher vorschnell. Sollte die 50+1-Regel irgendwann kippen, könnte man auch hierzulande mit einer völlig harmlosen jährlichen Summe Anteil am Entscheidungskollektiv seines Lieblingsvereins nehmen. Wir fangen schon mal an zu sparen.

Fotos: Pixelio/BirgitH; flickr.com/cvrcak1

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