WM-Helden … und jetzt?

Ochoa, Griezmann & Co.

WM-Helden … und jetzt?

26.01.2015 | 6:53 | Natalia

Was waren das herrliche Spiele bei der WM in Brasilien! So eine Weltmeisterschaft beflügelt, motiviert und verzaubert. Das sind die Stunden, in denen Helden gemacht werden. Kein Wunder, dass der eine oder andere von ihnen im Lichtkegel diese großen Turniers einen richtig dicken Fisch an Land gezogen hat und von einem Weltklasse-Verein verpflichtet wurde. Das ist sehr angenehm: mehr Geld, mehr Ruhm, mehr Erfolge – meistens jedenfalls. Aber nicht immer. Was aus unseren WM-Helden anderer Nationen wurde:

Guillermo Ochoa

Jeder weiß: Als Torwart ist man auch ganz schnell mal der Buhmann. Dass man aber ebenso mit ein paar Knaller-Aktionen über Nacht zum Nationalhelden werden kann, zeigte das Beispiel Guillermo Ochoas. Der mexikanische Nationaltorhüter ließ Gastgeber Brasilien mit gleich mehreren überirdischen Paraden verzweifeln und lieferte die laut Olli Kahn “beste Torwartleistung der WM” ab. Sein Kasten war wie zugemauert, entsprechend drückte sich die Verehrung des Keepers im Netz aus. Mal war er in Gestalt einer Mauer zu sehen, mal mit einem überdimensionalen Sombrero oder sechs Fingern.
Und jetzt?
Durch den Abstieg seines französischen Teams war Ochoa im Sommer ablösefrei zu haben. Der FC Málaga sicherte sich seine Dienste, aber seitdem ist “die Wand” nur zweite Wahl. Kein einziger Einsatz in der Primera División! In der Copa del Rey waren es immerhin fünf, aber das hatte sich Ochoa sicher anders vorgestellt. Zumal den Vorzug aktuell der Kameruner Carlos Kameni erhält, der NICHT mit zur WM durfte und somit auch NICHT auf der internationalen Bühne glänzen konnte.

Ganz ähnlich ergeht es übrigens dem Keeper Keylor Navas aus Costa Rica. Sein Stern war ebenfalls bei der WM aufgegangen, daraufhin wechselte er für angeblich zehn Millionen Euro zu Real Madrid und versauert seitdem meistens auf der Bank. Und das, obwohl Iker Casillas gelegentlich ausgepfiffen und Navas’ Einsatz von den Fans gefordert wird. Schade schade, sagen wir. Sowohl Navas als auch Ochoa hätten mehr verdient. Zumindest mehr Ruhm und mehr Erfolge. Ochoa liebäugelt angeblich schon mit einem erneuten Wechsel, es bleibt also spannend.

James Rodriguez

Der 23-Jährige lieferte DAS Tor der WM ab. Annahme mit der Brust, voll durchgezogener Volley – fertig war der Traumtreffer. Für Gänsehaut sorgte nicht nur diese Aktion des Torschützenkönigs, sondern auch seine tränengetränkte Verzweiflung nach dem Ausscheiden seines Nationalteams. Das ist Herzbut, das ist Ehrgeiz.
Und jetzt?
Nach seinem überzeugenden Auftreten bei der WM hatten gleich mehrere Clubs Interesse an James. Bekommen hat ihn Real Madrid und ihn auch teuer bezahlt: Mit 80 Millionen war der junge Kolumbianer einer der teuersten Transfers aller Zeiten. Aber die Rechnung scheint aufzugehen. James gehört absolut zur Stammelf der Königlichen und darf neben ein paar eigenen Toren auch einige Zungenschnalz-Assists in sein Tagebuch eintragen. Wenn man dann noch bedenkt, dass er nach anfänglichen Platzhirsch-Allüren von Cristiano Ronaldo inzwischen als Unterwäschemodel in dessen Fußstapfen getreten ist … aber genug davon.
Insgesamt definitiv ein gelungener Transfer und ein kluger Schachzug von Real. Wir sagen: Weiter so! Falls doch mal wieder Tränen fließen sollten … wir sind da.

Luis Suarez

Suarez ist die vielleicht kontroverseste Figur der WM, wenn man einmal von Dilma Rousseff absieht. Mit seinen 27 Jahren und Erfahrungen in der englischen Liga hätte er sich anders zu helfen wissen müssen als durch einen hässlichen Biss in des Gegners Schulter. Und die anschließende Leugnung einer Absicht. Fakt ist: Ohne ihn lief danach nur noch ziemlich wenig für Uruguay. Er war es, den die Mitspieler suchten, der vorne für Furore sorgte, den Zug zum Tor hatte.
Und jetzt?
Trotz viermonatiger Sperre wegen des Bisses legte der FC Barcelona 81 Millionen Euro für Suarez auf den Tisch. Aber irgendwie klemmt es seitdem. Suarez wird meist als Flügelspieler eingesetzt, wo er sich nicht so recht zu entfalten weiß. Drei Tore in zwölf Spielen sprechen zwar keine allzu desolate Sprache, aber man hattte sich mehr von ihm erhofft. Zuletzt vergab er gegen Atlético Madrid selbst eine 100-prozentige Chance. Spanische Medien bezeichneten den einstigen Beißer bereits als “zahnlos”, über eine Rückkehr nach England wird bereits gemunkelt. Trainer Luis Enrique sieht’s entspannt und will Suarez Zeit geben. Wie lange das allerdings noch gut geht, weiß man nicht. Vielleicht ist die derart astronomische Ablösesumme zu einem Hemmschuh für den eigentlichen Torjäger geworden. Jetzt ist eins gefragt: Zähne zeigen!

Antoine Griezmann

Süße 23 Jahre ist unser nächster und letzter WM-Held alt. Anders als die drei anderen Kandidaten gibt es zu Griezmann und der WM keine Story, keinen Magic Moment, keinen medienwirksamen Coup. Dennoch fiel allen auf: Der Junge hat Potenzial, und das nicht zu knapp. Flink, dynamisch und intelligent agierte er für die französische Nationalmannschaft und wurde nach seinem überzeugenden Auftreten als “neuer Franck Ribéry” bezeichnet. Smart und sympathisch ist er obendrein. Da hat offenbar einer aus seinen Fehlern gelernt, denn Griezmann wurde 2012 vorübergehend vom französischen Fußballverband suspendiert, nachdem er mit einem U21-Teamkollegen ein Trainingslager in Le Havre unerlaubt verlassen und in Paris einen Nachtklub besucht hatte. Seine neuerliche Chance hat er bestmöglich genutzt.
Und jetzt?
Antoine Griezmann wechselte nach der WM für 30 Millionen Euro von seinem Heimatverein Real Sociedad zu Atlético Madrid. Dort trifft er etwa in jedem zweiten Spiel und ärgert mit seiner agilen, umtriebigen Spielweise Ronaldo & Co. Temporeicher, schnörkelloser, unbequemer Fußball – das ist es, was Griezmann für Atlético so wertvoll macht. Der junge Franzose ist ein weiterer Dartpfeil im Köcher der Rot-Weiß-Gestreiften gegen die ewige Dominanz des Stadtrivalen Real. Daumen hoch!

Foto: facebook.com/antoine.griezmann

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