VfB Stuttgart: Rien ne va plus

Kommentar

VfB Stuttgart: Rien ne va plus

25.11.2014 | 9:04 | Annette

Armin Veh zog nach der 0:1-Niederlage gegen den FC Augsburg am Sonntag die Konsequenzen und trat mit sofortiger Wirkung vom Amt des Cheftrainers zurück. “Dieser Schritt ist mir sehr schwer gefallen, weil mir der Verein und die Mannschaft am Herzen liegen. Letztlich musste ich aber so handeln, weil ich von der Richtigkeit dieses Schritts überzeugt bin”, begründete Veh seine Entscheidung. Er fügte hinzu: “Die Mannschaft ist besser als der Tabellenplatz, neun Punkte aus zwölf Spielen sind einfach zu wenig. Dafür bin ich verantwortlich. Uns und mir fehlte einfach auch das notwendige Quäntchen Glück in vielen knappen Spielen. Ich bin mir sicher, dass die Mannschaft schon bald wieder punkten wird.” Doch ist die Mannschaft der Schwaben wirklich besser, als es ihr Tabellenplatz aussagt? Liegen die Gründe für die anhaltende Krise des VfB nicht doch in dem qualitativ zu schwachen und unausgewogenen Kader?

Die Situation beim Tabellenletzten der Bundesliga ist bedenklich, aber nicht nur seit dieser Saison. Bereits in der vergangenen Spielzeit dümpelten die Schwaben im Tabellenkeller, verbrauchten drei Trainer und konnten am Ende gerade noch die Klasse halten, was nicht zuletzt auch daran lag, dass die Mitkonkurrenten um den Abstieg einfach gar nicht mehr punkteten. Von Feuerlöscher Huub Stevens bedurfte es eines enormen Kraftaktes, um den Traditionsverein in der Ersten Liga zu halten. Im Sommer wurde mit der Verpflichtung des Heilsbringers Armin Veh die Hoffnung geschürt, dass es wieder aufwärts geht. Furchtlos und treu, wie das neue Motto des Clubs verkündet. Die Erwartungen waren enorm, schließlich führte Veh die Stuttgarter 2007 zum Meistertitel und ins Finale des DFB-Pokals. Glorreiche Zeiten. Vergangene Zeiten. Denn: Der Negativtrend der letzten Saison setzte sich nun fort. Nur neun Punkte aus den letzten zwölf Spielen, eine erneute Heimniederlage, und das gegen das auswärtsschwächste Team der Liga aus Augsburg – das ist zu wenig. Und nicht Erstliga-tauglich. Vom Erfolg vergangener Tage ist der VfB meilenweit entfernt.

Genauso wie Veh bei seiner Abschiedsrede, bekräftigte auch zuletzt VfB-Ehrenrat Guido Buchwald, dass die Mannschaft die Qualität für die Plätze neun bis zwölf habe, denn die anderen Teams seien auch nicht besser. Ist das wirklich so? Auch wenn die anderen Clubs scheinbar nicht besser sind, haben sie doch mehr Punkte auf dem Konto und stehen vor den Schwaben in der Tabelle. Und das ist es doch, was zählt. Vielleicht hat den Stuttgartern hin und wieder mal das Glück gefehlt und sie kassierten zum Ende der Partie noch ein Gegentor. Auch beim Spiel gegen den FC Augsburg war die Ausgangslage nach nur 30 Minuten denkbar schlecht: man musste in Unterzahl bestehen, und sowohl über den Platzverweis als auch über den Elfmeter für den FCA kann man diskutieren. Aber trotzdem: Es kann nicht sein, dass der VfB nun bereits eineinhalb Jahre eine Pechsträhne hat. Es kann nicht sein, dass einfach nur das Glück zum Erfolg fehlt. Glück muss erarbeitet werden. Glück muss man erzwingen. Doch was ist, wenn dazu die Mittel fehlen?

An Einstellung, Kampfgeist und Laufbereitschaft mangelt es der Mannschaft nicht. Diese Tugenden zeigt sie in jeder Partie. Und dennoch will es nicht klappen mit dem Punkten. Woran kann die Erfolgslosigkeit also dann liegen, wenn nicht an der Qualität des Kaders? Vehs und Buchwalds Worten zum Trotz. In den vergangenen Jahren schlugen die Neuzugänge in Stuttgart nicht mehr ein; das Gefüge ist nicht homogen. Zu viele Mitläufer, zu wenig Kicker, die in diesen schwierigen Zeiten auch Verantwortung auf dem Platz übernehmen wollen und können. Hinzu kommen immer wieder schwerwiegende individuelle Fehler. Das bittere Gesamtergebnis? Tabellenplatz 18.

Ob Schneider, Labbadia oder Keller – sie alle hatten Großes vor. Sie alle scheiterten. Nun also auch Veh. Er geht selbst, so wie er es schon in Rostock handhabte. Seine Entscheidung löste geteilte Reaktionen bei den Fans aus. Die einen sehen in ihm einen hervorragenden Coach, der als Einziger im Verein nun Verantwortung übernimmt. Die anderen vergleichen ihn dagegen mit einer Ratte, die das sinkende Schiff verlässt. Bei den Oberen des VfB sollte Vehs Rücktritt die Alarmglocken schrillen lassen. Wenn ein Trainer ehrlich zugibt, dass er keine Möglichkeit mehr sieht, die Mannschaft zum Erfolg zu führen, dann zeugt das einerseits von Charakterstärke und Selbstreflektion, andererseits jedoch auch von Ratlosigkeit und Resignation. Er habe die Mannschaft noch erreicht, sagte Veh weiter. Und trotzdem habe es nicht funktioniert. Ob die Probleme dann durch einen Trainerwechsel behoben werden können, wie es der nun Ex-Coach andeutet, ist mehr als fraglich. Der Verein sollte also schleunigst aufwachen und sich und seine Politik hinterfragen. Sonst ist es zu spät.

 

Foto: Facebook/VfB Stuttgart

Eine Antowort zum Thema: “VfB Stuttgart: Rien ne va plus

  1. Sebastian sagt:

    Das wird spannend. Die Tatsache, dass Huub Stevens diesmal mehr Zeit hat, kann ein Vorteil oder ein Nachteil sein. Denn diesmal reicht es nicht, die Mannschaft für 10 Spiele in Endspielstimmung zu versetzen. Er ist vor allem auch in Sachen Wintertransfers gefragt. Und seine Punktausbeute aus der letzten Saison dürfte diesmal nicht ausreichen, um den Abstieg zu vermeiden.

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