Laufen am Morgen

Spielerfrau vs Spielerfrau

Laufen am Morgen

25.07.2014 | 9:00 | Natalia

Natalia sagt:

Jeder Mensch hat ja morgens seine Rituale. Der eine taumelt auf direktem Weg zur Kaffeemaschine, der andere springt aus dem Bett in die Dusche, der nächste kann stundenlang weder sprechen noch essen. Bei mir sieht das so aus: drei Minuten vor dem Wecker aufwachen, triumphale Freude (dem Gerät zuvorgekommen), aufstehen, Müsli essen (!), ab ins Bad, dann kann der Tag beginnen. Morgens laufen würde das vorherige Frühstück ausschließen … keine Chance! Mein Körper braucht Energie. Viel Energie. Ich kann Torten essen, ohne zuzunehmen.
Und das Laufen? Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde es immer mit einer Stunde Abstand nach dem obligatorischen Müsli stattfinden. Dann bin ich fit, wach und satt, aber nicht zu voll. Leider geht das nur am Wochenende. Natürlich habe ich schon versucht, das Joggen wochentags vor die Arbeit zu verlegen. Das sah dann ungefähr so aus:
KM 0,5: Ich will wieder ins Bett.
KM 1: Na ja, die Ruhe und die kühle Luft haben ja auch etwas für sich.
KM 3: Mein Magen fühlt sich so leer an. Ein Müsli wäre jetzt schön.
KM 6: HUNGER!!! Das kommt davon. Und meine Beine baumeln an mir wie zwei Gartenschläuche.
KM 7,5: Ich kann nicht mehr. Ich bin fix und alle. Wie soll ich denn heute noch arbeiten? Magen: KNURR!
KM 9: Das war das LETZTE Mal!!! So eine Quälerei. Ich möchte sofort eine Schweinehälfte verdrücken und anschließend zwei Tage durchschlafen.
Es ist tatsächlich so. Abends kann ich Kilometer abreißen, wie eine Gazelle durch die Wälder springen, aber am frühen Morgen geht rein gar nichts. Obwohl ich gestehen muss: Ein bisschen schade finde ich das schon, denn in meiner Fantasie ist es eigentlich ganz dufte. Ich beneide jene Läufer, die vom Earlybird-Run mit einem Grinsen und der Brötchentüte zurückkommen. “Du gewöhnst dich dran, dann macht es Spaß”, haben Freunde zu mir gesagt. Schon klar. An die tägliche Hausarbeit, die monatliche Menstruation und die jährliche Steuererklärung habe ich mich auch gewöhnt, aber macht es mir deswegen Spaß? Morgendliches Müsli, abendliche Läufe. Das ist der Rhythmus, den mein Körper mir vorgibt. Und ich folge ihm artig.

Annette sagt:

Es ist eine Frage der Überwindung. Ganz sicher. Wenn ich mir am Abend vornehme, am nächsten Morgen joggen zu gehen, dann denke ich an dieses erhabene Gefühl, das mir das Laufen vor der Arbeit gibt. An den Elan. An die Energie, die ich dann durch den gesamten Tag erhalten kann. Also stelle ich mir den Wecker ein gutes Stück früher, als wenn ich mich nicht sportlich betätigen würde. Ich fühle mich gut dabei – am Abend vorher. Wenn der Wecker dann wirklich klingelt, zweifle ich an mir selbst. Warum? Jetzt noch einmal umdrehen, die Augen schließen und das warme Bett genießen. Nochmals in Träume versinken. Verlockend wäre das. Aber dann erinnere ich mich wieder an dieses tolle Gefühl. Und stehe auf. Am einfachsten ist es, sich mit einer Freundin oder einem Freund zu verabreden. Das erhöht den Druck, das gibt zusätzlich Motivation. Wie dem auch sei: Sportklamotten und Turnschuhe an, los geht’s.
KM 0,5: Ich will wieder ins Bett.
KM 1: Was habe ich mir nur dabei gedacht? Ich fühle mich schlapp, müde und ja, ich möchte immer noch ins Bett zurück.
KM 3: Wenn ich sehe, dass die Fensterläden der vorbeiziehenden Häuser noch geschlossen sind, dann motiviert mich das. Ihr schlaft noch, ich bin sowas von fit. Ätsch!
KM 6: Meine Müdigkeit ist wie verflogen. Ich atme tief ein, die frische Luft belebt meine Geister, ich fühle mich energiegeladen.
KM 7,5: Was immer heute noch vor mir liegt: Ich bin bereit. Ich bin stark. Ich kann es mit allem aufnehmen. Arbeitstag, ich komme!
KM 9: Die Beine werden schwerer, die Zufriedenheit tritt ein. Ich bin stolz auf mich und könnte die ganze Welt umarmen. Und das Frühstück ist nicht mehr weit entfernt. Das habe ich mir nun auch wirklich verdient.
Ich kann auch abends laufen gehen, aber morgens bringt es mir mehr. Dadurch bin ich aufnahmefähiger, leistungsstärker und einfach gut drauf. Es ist ein Gefühl des Schwebens. Vergessen sind die Strapazen beim Aufstehen. Vergessen die ersten Kilometer, die zugegebenermaßen hart sind. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass ich mir am Abend wieder den Wecker stellen werde. Für den nächsten Morgen. Für den nächsten Lauf in einer noch verschlafenen Welt. Denn ich weiß, dass es für mich der perfekte Start in den Tag ist.

Foto: Julien Christ /pixelio.de

Eine Antowort zum Thema: “Laufen am Morgen

  1. Tobi sagt sagt:

    Eigentlich halte ich es wie Annette, nur dass mit dem Frühstück danach fällt bei mir weg. Die Disziplin fehlt mir aber auf jeden Fall, denn das mindestens eine Stunde früher Aufstehen ist echt hart. Vielleicht muss sich da einfach mal ein Rhythmus entwickeln, weil es sich im Nachhinein einfach top anfühlt, per Lauf in den Tag zu starten. So hab ich es zumindest erlebt.

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