Das doppelte Benderchen

Ziemlich beste Freunde

Das doppelte Benderchen

25.07.2014 | 9:04 | Natalia

Wir schreiben das Jahr 1989, genauer gesagt den 27. April. Im beschaulichen Rosenheim erblickt ein Zwillingspaar im Abstand von zwölf Minuten die Welt. “Herzlichen Glückwunsch, Sie haben zwei pumperlg’sunde Fußballprofis geboren!” sagt die Hebamme und begibt sich nach dem mühseligen Waschen und Wickeln der kaum zu trennenden Säuglinge schnurstracks zu 1860 München, um schon mal die Verträge klarzumachen und sich eine klitzekleine Provision abzuzwacken. So oder so ähnlich muss es gewesen sein, als Lars und Sven Bender geboren wurden.

Von diesem Tag an waren die Brüder unzertrennlich. Und ihrer beider Herzen schlugen nicht nur im gleichen Takt, sondern auch für den Fußball. Gemeinsam kickten die Bender-Zwillinge in der Jugend beim oberbayerischen TSV Brannenburg und anschließend für Unterhaching. Wen wird es wundern, dass Lars & Sven beide Kaufmannslehren anfingen und zugunsten des Fußballs abbrachen? Und wen wird es wundern, dass sie im Jahr 2002 gleichzeitig den Aufstieg in den Profifußball schafften und fortan bei 1860 München spielten? Es kommt noch besser: Die Bender-Zwillinge sind auch noch beide im defensiven Mittelfeld zuhause. Im Grunde wäre niemand erstaunt, wenn sie Händchen haltend über den Platz spurten würden.
Doch dazu hat sich seit 2009 leider keine Gelegenheit mehr ergeben, denn die Unzertrennlichen wurden tatsächlich getrennt. Nachdem der Wechsel von Sven zum BVB feststand, nahm Lars ein Angebot von Leverkusen an, sodass seitdem wenigstens nur 80 Kilometer zwischen den Brüdern liegen. Puh, Glück gehabt.

Auf Vereinsebene sind die Benders inzwischen auf sich gestellt, aber im internationalen Fußball durften sie sich noch ein Weilchen parallel entwickeln und nahmen gemeinsam an der U-17-EM 2006 teil. Dass sie eines Tages aufgrund der gleichen Spielposition einmal in Konkurrenz geraten würden, war abzusehen. 2012 war es dann so weit. Beide Bender-Zwillinge wurden von Jogi Löw im Verlauf der EM-Vorbereitung eingesetzt, aber allen war klar: Es kann nur Einen geben.
Am Ende entschied sich der Bundertrainer für Lars, der bei Leverkusen flexibler eingesetzt worden war. Eifersucht, Streit, Frust bei Sven? Im Gegenteil. Es gebe keinen Neid zwischen den Brüdern, geben sie zu verstehen. Der eine könne sich für den anderen freuen.

Beinahe wäre die Bruderliebe bei der WM wieder auf die Probe gestellt worden, denn erneut war ein Einsatz beider Benders unwahrscheinlich. Doch bereits vor der Bekanntgabe des Kaders plagte sich Sven mit einer hartnäckigen Schambeinentzündung und kam somit für Brasilien gar nicht erst in Frage. Lars hingegen hatte sich erneut im Stillen das Vertrauen des Bundestrainers erkämpft und fuhr mit ins Trainingslager nach Südtirol. Dort zog er sich während einer Trainingseinheit eine Verletzung im Oberschenkel zu und folgte seinem Bruder in den Krankenstand. So eine Eineiigkeit ist ja ganz nett. In diesem Fall finden wir allerdings: Man muss es dem anderen nicht IMMER gleichtun.
Bleiben beide in der Bundesliga-Saison fit, könnte es wieder zum Brüderduell kommen. Bender vs. Bender. Und auch dann wird wieder niemand die Keule schwingen, auch dann werden sie sich gegenseitig alles gönnen. Diese Bender-Zwillinge! Sie sind eben eher Hanni und Nanni als Thelma und Louise.

Foto: dpa/Laci Perenyi

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