90 Minuten. Plus Nachspielzeit.

Aus dem Erfahrungsschatz

90 Minuten. Plus Nachspielzeit.

24.04.2015 | 1:57 | Kerstin

Ein Spiel dauert 90 Minuten. Plus Nachspielzeit. Und manchmal auch plus Verlängerung. Genauso lange kann Spielentscheidendes passieren, so einfach ist die Formel, ganz simpel und klar. Trotzdem erwische ich mich immer wieder dabei zu denken „es passiert ja eh noch nix“ und schalte zu spät ein – oder umgekehrt „es passiert ja doch nix mehr“ und schalte zu früh aus. Fälschlicherweise. Die Erfahrung lehrte mich inzwischen, dass ein jedes Fußballspiel pünktlich von Anpfiff bis Abpfiff zu verfolgen ist. Es sind zwei krasse Partien des deutschen Rekordmeisters, welche sich in mein Hirn einbrannten und mich künftig dazu zwingen sollten, meine Trugschlüsse nicht mehr zu zulassen. Meine lehrreichen Abende:

  • CL-Viertelfinal-Rückspiel FCB vs. FCP:
    Aktueller könnte es nicht sein, das war erst vergangenen Dienstag. Nach der Arbeit ging es für mich direkt zum Unisport. Eine Stunde Kurs, danach noch 45 Minuten Laufen. Wohlwissend, dass die Partie in nicht allzu langer Zeit angepfiffen wird, schwang ich mich aufs Fahrrad, um schleunigst nachhause zu kommen. Dort gab es zwei Optionen: a) Laptop und Livestream direkt an oder b) Kochen und dann erst Laptop an – „Da passiert eh noch nix“. Das Loch im Bauch war einfach zu groß, um fünf weitere Minuten verstreichen zu lassen und ich entschied mich für letztere Option. Verheerend. Mit meinem Teller platzierte ich mich an meinem Schreibtisch, startete den Livestream nach 23 Minuten und – – – 2:0. Hä was? Vom Erstschock kaum erholt, ging das fröhliche Schützenfest weiter. Der Stand nach 45 Minuten: 5:0. Trösten konnte mich nach den zwei verpassten Toren an diesem Abend nur die Tatsache: Zur zweiten Halbzeit einschalten wäre noch fataler gewesen.
  • Der Nervenkrieg von Getafe:
    Das war 2008. Es ging um das Weiterkommen der Bayern in der Euro League. Ebenfalls um den Halbfinaleinzug. Gegner war der spanische FC Getafe. Das Hinspiel in München endete 1:1. Am Abend des Rückspiels war ich außergewöhnlich müde, wollte die Partie aber unbedingt sehen. Die Begegnung verlief seltsam, Getafe ging in Führung, agierte in Unterzahl und die Bayern kamen gegen diese Spanier nur schlecht an. Zum wahnsinnigen Krimi entwickelte sich das Spiel in der 89. Minute, als Ribéry mit seinem 1:1 die Verlängerung klarmachte. Puh, da war noch einmal Hoffnung. Kurz. Denn: Die Verlängerung war angepfiffen, und in der 94. Minute stand es plötzlich 3:1 für die Spanier. Das war’s für mich. Zu müde, fassungslos und mental bei einem „da geht eh nix mehr“, entschied ich mich für das Bett. Der Krimi endete ohne mich. Es musste also so kommen, dass ich am nächsten Morgen von meinem Vater hören musste, wie diese Partie mit einem späten Doppelschlag von Luca Toni (115. und 120. Minute) in der allerletzten Minute noch gedreht worden war und die Bayern tatsächlich das Weiterkommen verbuchen konnten. Ich schluckte. Die Jahrhundert-Müdigkeit hätte ich bei dieser Spielentwicklung für die entscheidende halbe Stunde der Verlängerung überwinden können, müssen! Fataler Trugschluss: “Da geht eh nix mehr…”

Foto: Karl-Heinz Laube  / pixelio.de

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