Wunder-Werder und der Skripnik-Effekt

Wunder-Werder und der Skripnik-Effekt

24.02.2015 | 1:51 | Kerstin

Fünf Siege, ein Unentschieden. Werders Bilanz aus den vergangenen sechs Spielen lässt sich sehen. Ganze 16 Zähler wanderten auf das Konto der Bremer. Zum Vergleich: Das sind nur zwei Punkte weniger als Liga-Schlusslicht Stuttgart nach ganzen 22 Spieltagen sammeln konnte. Die Hanseaten stehen aktuell mit insgesamt 30 Punkten auf Rang 8 der Tabelle und kratzen an den Euro-Plätzen. Beeindruckend ist das vor allem angesichts des holprigen Starts in die Saison (ja, Werder hielt tatsächlich die rote Laterne) und den vorherigen, eher unglücklichen Spielzeiten. Und wer hat’s gerichtet? – Ein Ukrainer, Viktor Skripnik. Er kam, sah und brachte die Spielfreude zurück an die Weser.

Die Standards
Klar, einen kleinen Dämpfer gab es am Wochenende. Auf Schalke holten die Bremer ein Unentschieden (1:1) und es wurde eben nicht der sechste Sieg in Folge. Aber: Auch hier zeigte sich eine Werder-Waffe unter Skripnik: die Standards. Schalke hätte gewarnt sein sollen, als beim 0:1-Rückstand kurz vor Schluss Sebastian Prödl ins Spiel kam und nach einem langen Freistoß von Junuzovic den Ball über Schalkes Torwart tatsächlich zum Ausgleich ins Netz köpfte. Das Tor war wieder einmal aus einem Standard hervorgegangen. Lange Zeit galten sie als verpönt, ja, man warf ihnen vor, sie würden nicht zum modernen Fußball passen. Seit geraumer Zeit erleben die Standardsituationen nun eine Renaissance, das DFB-Team lebt es nicht zuletzt vor. Skripnik nimmt den Trend auf und wird belohnt: In der Liga ist Werder momentan am erfolgreichsten am ruhenden Ball.

Defensiv stabil, offensiv kreativ
22 Gegentore unter Skripnik klingen viel, verkennen aber die doch stabile Abwehr. Die Zahl ergibt sich vor allem aus drei Partien: Die gegen Gladbach, Frankfurt und Hannover – das waren zwei derbe Klatschen und ein famoses Unentschieden. Obendrein traut sich Werder was in der Offensive: Mit Mittelfeldraute kommen die Hanseaten seit Skripnik daher, stehen für ein schnelles Kurzpassspiel und starke Kombinationen im Mittelfeld. Schlüsselspieler ist dabei der Österreicher Zlatko Junuzovic, welcher andere Spieler wie Fin Bartels und Felix Kroos mitzieht und aufblühen lässt. Das macht Mut. Werder ist mittlerweile in der Breite gut aufgestellt, kann mit Ausfällen umgehen und ist in der Lage sie zu kompensieren.

Die Stimmung im Team
Der erstarkte Kader ist nicht zuletzt auf Motivator Skripnik und seinen Co-Trainer Torsten Frings zurückzuführen. Die beiden ergänzen sich hervorragend. Frings kickt gerne mal selbst beim Training mit – die Nähe zu den Spielern ist quasi vorprogrammiert. Über Skripnik sagt Sportchef Thomas Eichin zudem: “Viktor hat die Gabe, den richtigen Ton bei den Spielern zu treffen.” Er gilt als ruhig, umsichtig und motivierend. Die Spieler bestätigen das allemal und sie berichten, dass die Trainer viel mit ihnen reden und die richtigen Worte finden. Dass das Gesamtpaket aktuell passt, beweist auch die Vertragsverlängerung von Zlatko Junuzovic, der den Hanseaten bis 2018 erhalten bleibt.
On top tut eine Portion Realismus dem Team gut. Sie wissen um ihre komfortable Situation, sind sich aber auch darüber bewusst, dass man ganz schnell wieder im Keller landen kann, gerade wenn man sich vor Augen führt, dass DIE schweren Gegner wie Wolfsburg und Bayern auf sie warten. Aber: Optimismus und Zuversicht sind erlaubt. Unter Skripnik fand Werder den Weg zurück auf die Erfolgsspur und er verpasste der Mannschaft eine neue Handschrift. Diese Handschrift vermag nachhaltig zu sein.

Foto: www.facebook.com/WerderBremen

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