Galavorstellungen auf internationalem Parkett

Champions League

Galavorstellungen auf internationalem Parkett

23.10.2014 | 9:20 | Annette

Bayern München: Einer geht noch, einer geht noch rein …
Ja, bin ich denn hier wieder im Halbfinale gegen Brasilien gelandet? Ein bisschen WM-Stimmung kam bei der Partie zwischen dem FC Bayern München und dem AS Rom schon auf. Endergebnis: 7:1. Nochmals in Worten: siebenzueins. Und genauso wie das Wahnsinnspiel gegen die Brasilianer einen nur ungläubig den Kopf schütteln ließ, kniff man sich bei dieser CL-Partie in die Arme, rieb sich die Augen, um dann festzustellen: Es ist wirklich wahr! Die Bayern spielten den AS Rom vor, als ob da ein Kreisligist und nicht der Tabellenzweite der Serie A gegenüberstehen würde. Da wurde munter kombiniert, und die Italiener schauten nur zu. Dass Arjen Robben gerne von außen in die Mitte zieht, um den Ball dann auf seinen starken linken Fuß zu legen, schienen die Römer noch nicht gehört zu haben. 1:0. Was Robben kann, kann ich auch, dachte sich da Mario Götze. 2:0. Schon zog Robert Lewandowski nach. 3:0. Eine Toilettenpause war bei diesem Spiel nicht drin! Robben durfte nämlich nochmals. 4:0. Ach, und Thomas Müller schießt ja die Elfmeter. 5:0. Bemerkenswert: Wir befanden uns zu diesem Zeitpunkt immer noch in der ersten Halbzeit! Das war eine Demonstration. Eine Demütigung. Das war ganz großer Fußball.

Dass es die Münchner zu Beginn der zweiten Halbzeit ein bisschen ruhiger angingen, konnte man ihnen nicht verübeln. Der AS Rom kam endlich auch ins Spiel und prüfte das Team von Pep Guardiola. Aber der FCB hat immer noch Manuel Neuer im Tor stehen. Den Anschlusstreffer der Römer konnte er aber auch nicht verhindern. Ein Gegentor. Ein bisschen Balsam auf die geschundene italienische Seele. Mehr war es nicht, denn die Bayern-Joker schlugen noch zu. Zunächst Franck Ribéry, dann Xherdan Shaqiri. Nochmals der Endstand, weil es so schön ist: 7:1. Bayern München verließ mit dickem Grinsen das Stadion, absolvierte mit bester Laune (aber natürlich auch ganz viel Respekt und Hochachtung!) die Papstaudienz und kehrt nun mit einem immer noch strahlenden Gesicht an die Säbener Straße zurück. Bilanz in der Champions League: Drei Spiele, drei Siege, neun Punkte. Besser geht’s nicht.

Schalke 04: Ende gut, alles gut
Tore, Tore und nochmals Tore gab es auch in Gelsenkirchen. Allerdings nicht nur für ein Team, sondern für beide. Schalke konnte aus den bisherigen CL-Partien gegen Chelsea und Maribor jeweils einen Punkt mitnehmen. Das Ziel für das Spiel gegen Sporting Lissabon: Ganz klar, die ersten drei Zähler. Doch das Team von Trainer Roberto Di Matteo geriet sehr schnell durch Nani in Rückstand. Eine gelb-rote Karte für die Portugiesen brachte die Knappen aber zurück ins Spiel. Keine Minute nach dem Platzverweis gelang Obasi der Ausgleich. Nach der Pause traf Klaas-Jan Huntelaar – wiederum nach Vorarbeit vom starken Obasi – zur Führung, die Kapitän Benedikt Höwedes per Kopf erhöhte. Die Schalker hatten das Spiel gedreht, Di Matteo mit der Hereinnahme von Obasi alles richtig gemacht.

Und dann? Dann verkürzte Adrien Silva per Elfer für die in Unterzahl agierenden Lissabonner, bevor er sogar zum Unentschieden einnetzte. Wieder kein Dreier für Königsblau? In der dritten Minute der Nachspielzeit zeigte der Schiri nochmals auf den Punkt. Eric Maxim Choupo-Moting verwandelte. 4:3-Sieg für Schalke! War es ein Elfmeter? Eher nicht. Aber hey, am Ende sicherte sich Schalke die angepeilten drei Zähler. Di Matteo war nach dem nervenaufreibendem Spiel dennoch erst einmal platt: “Heute haben die Zuschauer mehr Spaß gehabt als die Trainer.” Bei so einem Endergebnis bereitet Achterbahnfahren doch Freude – am Ende für Verein, Coach, Spieler und Fans!

Borussia Dortmund: Warum nicht immer Champions League?
Wohlfühloase Champions League. So könnte man die internationalen Auftritte des BVB fast bezeichnen. Denn wie wir alle wissen, so gibt es ja das Champions-League-Gesicht der Dortmunder und diesen Bundesliga-Modus. Will heißen: Eine gute und eine wenige gute Leistung. Gegen Galatasaray Istanbul zeigten die Schwarz-Gelben wieder eine Smiley-Vorstellung. Jürgen Klopp verzichtete zunächst auf Immobile und Ramos als Mittelstürmer und setzte auf Pierre-Emerick Aubameyang. Ein goldenes Händchen von Kloppo, denn dieser Aubameyang traf in der ersten Halbzeit einmal und zweimal und fast ein drittes Mal (nur der Pfosten stand im Weg). Das 1:0 bereitete Marco Reus von links, und das 2:0 Lukasz Piszczek von rechts mustergültig vor. Das 3:0 schoss wiederum Reus mit einem Traumtor. Dass das Bundesliga-Gesicht nicht ganz verschwunden war, zeigten immer wieder Unsicherheiten in der Defensive – zum Beispiel unnötige Fehlpässe im Spielaufbau von Neven Subotic. Doch ansonsten zelebrierten die Dortmunder ein perfektes, schnelles Umschaltspiel, bei dem im Hexenkessel von Istanbul die Gastgeber das Nachsehen hatten.

In Hälfte zwei verlor der BVB zunächst Sven Bender, der mit einer Ellenbogen-Verletzung ausgewechselt werden musste, dann hatte unter anderem Reus noch das 4:0 auf dem Fuß, bevor den Treffer Adrian Ramos mit seiner vierten Ballberührung erzielte. Vorbereitet wurde das Tor von Ilkay Gündogan, der seinen ersten Champions-League-Auftritt nach dem Finale 2013 absolvierte. Die Bilanz auf internationalem Parkett in dieser Saison fällt für den BVB genauso aus wie für die Bayern: Drei Spiele, drei Siege, neun Punkte. Das sollte doch Auftrieb geben für die Aufgaben in der Bundesliga.

Bayer Leverkusen: Mit Geduld zum Erfolg
Die deutsche Galavorstellung in der Champions League komplettierte Bayer Leverkusen mit einem 2:0-Sieg gegen Zenit St. Petersburg. Mann des Spiels für die Werkself war Hakan Calhanoglu, der sowohl den ersten Treffer von Donati als auch das zweite Tor von Papadopoulos vorbereitete. Über 90 Minuten dominierte Bayer die Partie und den Gegner, bei dem sich nicht einmal der kräftige Hulk durchsetzen konnte. Die Mannschaft ließ sich auch durch die gelb-rote Karte für Wendell nicht mehr aus der Ruhe bringen. Sie zeigte nach dem frustrierenden Auftritt gegen den VfB Stuttgart in der Bundesliga: Sie kann auch eine Führung bis zum Schlusspfiff halten. Lars Bender wusste aber auch, dass das “ein hartes Stück Arbeit” gewesen sei.

Vier deutsche Spiele in der Champions League an diesem dritten Spieltag, vier deutsche Siege – Die Bundesliga präsentiert sich auf internationalem Parkett in überragender Form. So kann es weitergehen, oder?

Foto: picture alliance / dpa

 

 

 

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