Gianluca Gaudino: Stern des Südens

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Gianluca Gaudino: Stern des Südens

23.08.2014 | 1:53 | Annette

Er tritt von einem Bein aufs andere, der Blick ist auf den Boden gerichtet, seine Antworten kurz und wenn er gar nicht mehr weiter weiß, dann packt er einfach ein unsicheres, unschuldiges Lächeln aus. Interviews sind (noch) nicht die Stärke von Gianluca Gaudino. Kein Wunder, der neue Mittelfeldakteur von Bayern München ist erst 17 Jahre alt. Und eigentlich würde er noch für die U19-Auswahl des Rekordmeisters spielen. Eigentlich. Denn: Diesen Sommer wird Gaudino niemals vergessen. Trainer Pep Guardiola stand vor der Herkulesaufgabe, die Vorbereitung ohne einen Großteil seines Kaders zu bestreiten – die WM-Fahrer befanden sich noch in ihrem wohlverdienten Urlaub. Dieses Dilemma entwickelte sich zum Glücksfall und führte dazu, dass Nachwuchstalente den Sprung in die erste Mannschaft schafften. Darunter dieser Gianluca Gaudino, dessen Nachname kein unbekannter ist.

Sein Vater Maurizio war ein äußerst erfolgreicher Bundesligakicker, wurde 1992 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister und nahm mit dem DFB-Team sogar an der WM 1994 in den USA teil. Ein schweres Erbe für Gianluca, der von allen nur “Gianni” genannt wird. Nur wenige Söhne erfolgreicher Spieler schaffen auch selbst den Sprung nach ganz oben. Gianluca ist nun auf dem besten Weg. Als Lückenfüller hat er die Vorbereitung in München begonnen – mit dem Gedanken, nach der Rückkehr unserer Weltmeister wieder zur U19 zu stoßen. Doch bei allen Testspielen überzeugte er auf ganzer Linie. Guardiola ist begeistert, adelte Gaudino schließlich, indem er betonte, dass man in so jungen Jahren kaum besser spielen könne. Im zentralen Mittelfeld – als Mischung aus einem 10er und einem 8er – glänzt er durch Ruhe am Ball, durch Übersicht, Spielintelligenz und vorzügliches Passspiel. Einzig physisch muss er sich noch steigern. Aber seine Statur wird sich noch ändern, schließlich – wir erinnern uns – ist dieser Junge erst 17!

Probleme mit seinem Namen und mit der damit verbundenen Erwartungshaltung hat er nicht. Er ist auf dem Boden geblieben, begab sich im Trainingslager eher in die Gesellschaft der anderen jungen Spieler. Von den Stars hielt er sich fern. Er will lernen. Dabei hilft ihm natürlich sein berühmter Vater, der auch als sein Berater agiert. Und Gaudinos bester Kumpel teilt sein Schicksal: Lucas Scholl, der Sohn von Mehmet, schaffte gleichzeig den Sprung ins Profiteam. Gianluca scheint aber die Nase vorn zu haben. So stand er beim Bundesligabeginn gegen Wolfsburg in der Startformation. “Lasst die Jungs sich in Ruhe entwickeln”, kommenteirte ARD-Experte Scholl, der sowohl seinen eigenen Sohnemann als auch Gianluca in der Jugend trainierte.

Gaudino scheint also in den besten Händen zu sein. Das Umfeld passt, und seine Leistungen auch. In Guardiola hat er einen Förderer gefunden. Der Spanier liebt es, junge Talente nach oben zu bringen. In seinem Debüt knüpfte Gaudino nahtlos an die guten Auftritte der Vorbereitung an. Er bewegte sich zwischen Lahm, Robben und Lewandowski, als ob er nie etwas anderes getan hätte. Es wird nicht mehr lange dauern und er wird sich auch bei Interviews wohler fühlen.

Foto: picture alliance / dpa

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