Abschiede in der Bundesliga

Bundesliga-Spieltag

Abschiede in der Bundesliga

23.05.2015 | 12:56 | Natalia

Abschiede sind etwas Furchtbares. Etwas geht zu Ende, und das schmerzt. Dann auch noch dieser Kampf mit den Tränen, den man nicht immer gewinnen kann… In der Bundesliga ist das nicht anders als im normalen Leben, denn für ihre Vereine geben die Spieler alles, und da kann ein Abschied schon mal schwer fallen. Das trifft in besonderem Maße für diejenigen Kicker zu, die ihre Fußballschuhe nach dem heutigen Tag für immer an den Nagel hängen. Wir fassen noch einmal zusammen, welche Spieler ihrem Club bye bye sagen und wie es für sie weitergeht. Die Abschiede der Bundesliga, nicht in loser Reihenfolge, sondern mit nach unten zunehmender Wehmut. Schnief.

 

Max Kruse & Gonzalo Castro: Es bleibt in der Familie

In beiden Fällen lassen die Vereine Top-Spieler ziehen, aber in beiden Fällen freut sich auch ein anderer Bundesliga-Verein. Kruse wechselt nach Wolfsburg, Castros Transfer zum BVB gilt als sicher. Daher freuen wir uns einfach auf weitere spannende Spieltage mit den Beiden.

Kevin-Prince Boateng: Unrühmlicher Abgang

Noch immer scheiden sich die Geister, ob der Rauswurf des Mittelfeldspielers aus dem Schalker Team gerechtfertigt war oder nicht. Die Vorwürfe des Vereinsbosses Tönnies, Boateng habe die Mannschaft durch sein Verhalten permanent runtergezogen, weist dieser entschieden zurück. Klar ist doch: Die ganze Geschichte ist wie immer eine Frage der Perspektive. Der Hitzkopf Boateng hat offenbar nicht aufgehört, ständig den mangelnden Zusammenhalt zu kritisieren und auch sonst das Herz auf der Zunge getragen. Für den einen ist er damit der pessimistische Meckerfritze, für den anderen einer, der sich nicht zu schade ist, die Wahrheit immer wieder auszusprechen, und somit der wahre Kämpfer für das Team.
Wie dem auch sei – Kevin Prince Boateng ist raus und wird dadurch auch heute nicht auf dem Platz stehen. Es ist besonders für seine Fans schade, dass es keinen Abschied geben wird. Und eine Verpflichtung durch einen anderen Bundesligaverein gilt als sehr unwahrscheinlich. Bye bye Prince!

Rafael van der Vaart: Fluch oder Segen?

Van der Vaart ruft seit geraumer Zeit gemischte Gefühle bei Fans und Beobachtern gemischte Gefühle hervor. Der Niederländer konnte seine Leistungen einfach nicht mehr abrufen, wirkte desillusioniert und gebeutelt, musste viel Kritik aushalten. Ein Sinnbild seiner Situation ist die Tatsache, dass der Kapitän seiner Mannschaft im letzten Spiel der Saison gelbgesperrt fehlen wird. Und das, obwohl es um alles oder nichts geht und möglicherweise nicht einmal ein Sieg den Abstieg verhindern kann.
Fakt ist: Van der Vaart wird nicht beim HSV bleiben. Bitter ist: Sein angestrebter Vertrag mit Kansas City platzte, angeblich war er den Amerikanern dann doch zu teuer. Es bleibt zu wünschen, dass Anspruch und Wirklichkeit sowohl im Verein als auch bei Rafael van der Vaart bald wieder zueinander finden und wir kein Mitleid mehr mit ihm empfinden müssen.

Sebastian Prödl: Zeit für Neues

Machen wir uns nichts vor: Prödl ist eine Bank bei Werder. Der großgewachsene Innenverteidiger war bereits dabei, als die Mannschaft 2009 den DFB-Pokal gewann, damals noch unter Thomas Schaaf. Jetzt läuft sein Vertrag aus, er verlässt den Wiesenhof, macht die Flatter. Angeblich, um künftig bei Besiktas Istanbul seine Eier zu legen. Der 27-Jährige ist auf der Suche nach neuen Herausforderungen, und die gönnen wir ihm von Herzen. Dennoch enden damit für Prödl sieben Jahre Werder Bremen mit 148 Pflichtspiel-Einsätzen. Wir hoffen, dass für ihn damit ein neues erfolgreiches Kapitel beginnt. Und bekanntlich sieht man sich ja immer zweimal im Leben.

Claudio Pizarro: Einfach weggelächelt

Claudio Pizarro wird keinen neuen Vertrag beim FC Bayern erhalten. Aufgrund seines Alters (36) ist das nicht sehr verwunderlich, allerdings hätte er selbst laut “FOCUS” gerne noch ein weiteres Jahr an der Säbener verbracht. Die Lücke, die Pizarro hinterlassen wird, ist groß. Das betrifft weniger das Geschehen auf dem Platz als vielmehr die Verbindung zu den Fans. Kaum einer wird von den Anhängern derart gefeiert wie der peruanische Torjäger. Für seinen Verein handelte er sich sogar Ärger mit den Trainer der Nationalmannschaft ein, weil er ein Spiel absagte, um wieder rechtzeitig für die Bayern zur Verfügung zu stehen. Das hat man ihm wohl nie vergessen. Und dann ist da dieser Charme. Pizarro ist bekannt dafür, kein Kind von Traurigkeit zu sein. Vielleicht ist er durch seine Liebe zum Feiern, Leben, Spaß haben nie zu seiner maximale Form gelangt, aber er konnte es sich leisten und hat alle Zweifel weggelacht. Wie es für ihn weitergeht, ist bislang ungewiss. Man wird ihn an der Isar definitiv vermissen.

Pavel Krmas & Nikolce Noveski: Verdiente Rente

Acht Jahre und elf Jahre – diese beiden Spieler halten ihren Vereinen schon seit einer gefühlten Ewigkeit die Treue. Krmas kam 2007 nach Freiburg, Noveski kickt seit 2004 für den 1. FSV Mainz 05. Nun sind beide keine schillernden Figuren des Profifußballs, sondern eher fleißige Arbeitsbienchen, aber was sie für ihre Clubs geleistet haben, wird ihnen niemand je vergessen. Pavel Krmas erlebte mit dem SC den Aufstieg in die Erste Liga, Noveski hielt seinen Mainzern selbst 2007 nach dem Abstieg die Treue, und das obwohl sein Vertrag zu diesem Zeitpunkt auslief und durchaus Angebote anderer Vereine vorlagen. Prompt wurde er zum Mannschaftskapitän ernannt und wird von den Fans seither noch mehr geliebt.
Beide Spieler werden sich nach dem heutigen Spieltag in den verdienten Ruhestand verabschieden, aber wir sind sicher, dass sie auch nach ihrer aktiven Karriere noch viel für ihre Clubs zu leisten bereit sind und sagen: Bis dann.

Jürgen Klopp: Ende einer Ära

Es fällt schwer, für einen solchen Abschied die richtigen Worte zu finden. Jürgen Klopp hat beim BVB bekanntlich eine ganze Ära geprägt und maßgeblich am Erfolg und Image des Vereins in den vergangenen Jahren beigetragen. Jetzt geht er. Vielleicht ist es der passende Zeitpunkt, vielleicht war die Luft raus. Sicher ist aber: Dieser Abschied wird die Spieler, die Fans und sogar die Vereinsführung schmerzen. Es ist so verständlich wie schade, dass Kloppo vor dem heutigen Spiel keinen offiziellen Abschied möchte. Die Spieler sollen sich voll und ganz auf ihre Aufgabe konzentrieren, die da heißt: Europa.
Trotzdem würden wir gerne Mäuschen spielen im Westfalenstadion. Um zu erfahren, was nach dem Match los ist. Und wo der Coach in Zukunft seine Brötchen verdienen wird. #dankekloppo und mach es gut!

Sebastian Kehl: Letzter Vorhang für Mr. Dropkick

An Diego Contentos fast 20-jährige Bayerntreue kann Sebastian Kehl nicht heranreichen, aber den inzwischen 35-Jährigen hat es immerhin 13 Jahre bei Borussia Dortmund gehalten. Anders als sein Trainer wird er heute offiziell verabschiedet, und es darf mit Tränen gerechnet werden. Kehl hat trotz langer Verletzungshistorie und seinem Aus in der Nationalmannschaft nie aufgegeben und den Anschluss wieder gefunden. Immer positiv, immer freundlich stellte er sich ganz in den Dienst der Mannschaft – in guten wie in schlechten Zeiten. Obwohl seine Teamkollegen ihn bis zum Schluss überreden wollten, doch noch ein Jahr zu bleiben, hängt Kehl mit dem heutigen Tag seine Fußballschuhe an den Nagel. Was danach kommt? Sicher kann man es noch nicht sagen. Aber “Kehli” selbst hat in einem ungewöhnlichen Interview (wonach wir ihn noch mehr lieben) schon einen eindeutigen Hinweis gegeben.

Simon Rolfes: Der Kapitän geht von Bord

Da Leverkusen heute auswärts spielt, wurde Simon Rolfes bereits am vergangenen Wochenende “zuhause” verabschiedet – nach zehn Jahren im Club. Schrecklich schön war es. Als seine schönsten Szenen über die Leinwand flimmerten, wurden allen Anwesenden die Herzen schwer. Nur der Protagonist selbst blieb scheinbar gelassen und freute sich einfach über einen tollen Abschied und den Sieg gegen Hoffenheim. Anders sein Kumpel Stefan Kießling: Der hatte nicht nur einen Kuchen gebacken, wie es alte Freunde eben so machen, sondern kämpfte mit sichtlich feuchten Augen gegen seine Gefühle. Und da soll noch einer sagen, dass Freundschaften im Fußball nicht möglich sind! Weil das Ganze so schön menschlich ist und weil Rolfes nach dem Spiel so herrlich mit den Fans feierte, ist dies für uns der emotionalste Abschied aus der Bundesliga.

Foto: Facebook / Bayer 04 Leverkusen

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