VfB Stuttgart: Der Letzte macht das Licht aus

Kommentar

VfB Stuttgart: Der Letzte macht das Licht aus

23.02.2015 | 11:30 | Annette

Die Hinrunde läuft schlecht, im Herbst/Winter wird der Trainer gewechselt, und siehe da: Ein Aufschwung ist in Sicht! Die Negativserie wird gestoppt, und am Ende der Saison bleibt das Fazit: Satz mit X, das war wohl nix. Die Klasse konnte zwar gehalten werden, aber der Anspruch liegt natürlich höher. Die Betonung liegt auf natürlich. In der kommenden Saison wird alles besser werden – keine Sorge. So lief das beim VfB Stuttgart in den vergangenen Jahren. Geändert hat sich aber schlichtweg nichts – und die Sorgenfalten werden deshalb immer tiefer. Dass das auf Dauer nicht funktionieren kann und ein Drahtseilakt ist, war vorherzusehen. Wie desaströs die Talfahrt der Schwaben aber enden würde, das war dem größten Bruddler wohl nicht bewusst.

Die Saison 2014/15 kehrte erstmals bereits nach dem 12. Spieltag vom üblichen VfB-Weg ab, als nach einem miserablen Start nicht der Trainer beurlaubt wurde, sondern dieser selbst das Handtuch warf. Armin Veh betonte zwar, dass die Mannschaft die Qualität habe, auf anderem Niveau zu spielen, aber das im Moment nicht abrufen könne. Das hören sie oft und gerne in Stuttgart. Die Namen im Kader versprechen bessere Leistungen auf dem Platz. Diesen Erwartungen wird jedoch nicht entsprochen – und das schon seit Jahren nicht mehr. Wie groß die Verzweiflung seitens des Vereins ist, zeigt die Verpflichtung von Huub Stevens. Dieser hatte in der vorherigen Achterbahn-Saison den VfB als Feuerwehrmann vor dem Abstieg bewahrt. Warum sollte er es nicht ein zweites Mal tun?

Weil er zwar im Trainingslager schon einmal hart durchgreifen und seinen Kicker Moritz Leitner frühmorgens zum Straftraining einbestellen kann, weil er aber über keine Struktur verfügt, die dem Team die Richtung vorgibt. Bestes Beispiel war die Partie gegen Borussia Dortmund am vergangenen Freitag. Unterirdisches Zweikampfverhalten und eine Spielanlage, die den Namen nicht verdient. Da verbarrikadierten sich alle 11 Mann in der eigenen Hälfte in Erwartung des BVB, ließen alle Angriffswellen über sich ergehen, ohne selbst auch nur im Ansatz auf Balleroberung und Umschaltspiel nach vorn aus zu sein. So wird es schwer, offensive Akzente zu setzen. So wird es schwer, aus dem Spiel heraus Tore zu erzielen. So wird es schwer, erfolgreich zu sein. Doch was soll auch von einem Coach erwartet werden, der vor einer Woche noch seine eigene Ratlosigkeit zugab? Wie soll dieser Trainer noch glaubwürdig zu seiner Mannschaft sprechen?

Der VfB Stuttgart hat keines seiner letzten acht Heimspiele mehr gewonnen. Und er wird auch in den kommenden Wochen keine Partien für sich entscheiden, wenn er nicht den Abstiegskampf annimmt und sich gegen den Untergang wehrt. Das Team hat in der Tat Spieler in den Reihen, die Potenzial haben: Unglücksrabe Timo Baumgartl ist erst 18 Jahre alt, genauso Mittelfeldmann Timo Werner. Doch das sind nicht diejenigen, die den VfB vor der 2. Liga bewahren können und müssen. Dafür sollten andere zuständig sein: Niedermeier, Harnik, Gentner und Ibisevic zum Beispiel – die vermeintlichen Führungsspieler und Leistungsträger sind jedoch form- und ideenlos wie ihr Trainer.

Die Fans beweisen, dass sie den Ernst der Lage erkannt haben und forderten ihr Team mit dem Banner „Wadenkrampf und Bluterguss statt Selfie-Scheiß im Mannschaftsbus“ zum Handeln auf. Gleichzeitig zeigten sie aber auch sensibles Gespür für das richtige Verhalten, als der bitter enttäuschte Baumgartl nach dem Schlusspfiff von einem Fan in der Kurve umarmt und getröstet wurde. Die Schockstarre sollte in Stuttgart so schnell wie möglich gelöst werden, und das gilt für alle Beteiligten. Selbst die Ordner handelten nicht, als ein Krawallmacher auf den Rasen stürmte. Gibt es ein deutlicheres Sinnbild für die Situation im Schwabenländle? Es sieht düster aus für den VfB. Sollte er so weiterspielen, steigt er nur dann nicht ab, wenn es zwei andere Vereine gibt, die NOCH schlechter agieren. Nach der Partie gegen den BVB ist das – zumindest im Moment – nur schwer vorstellbar.

Foto: Twitter / VfB Stuttgart

Eine Antowort zum Thema: “VfB Stuttgart: Der Letzte macht das Licht aus

  1. abiszet sagt:

    Toller Text! Alles auf dem Punkt! Aber es sieht nach einem unlösbaren Problem aus, wenn Spieler und Trainer offensichtlich nicht das Format für den Abstiegskampf haben. Noch ist es jedoch nicht vorbei, noch 12 Spieltage, direkte Konkurrenten kommen noch, da könnte (irgendwie) noch was gehen, wie wir hier schreiben: http://vertikalpass.de/vfb-alles-drin/ Aber es ist mehr Galgenhumor & Verzweiflung statt berechtigter Hoffnung.

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