Tabu-Thema: Warum so homophob?

Ein Plädoyer

Tabu-Thema: Warum so homophob?

22.12.2014 | 4:11 | Kerstin

Führt man sich vor Augen, dass die Menschheit inzwischen im 21. Jahrhundert lebt, dann sollte man glauben, dass Gleichberechtigung – und das ganz egal um welchen Lebensbereich es sich handelt – großgeschrieben wird. Dass dem traurigerweise nicht so ist, steht außer Frage – und geht man nun vom Allgemeinen zum Besonderen und nennt die Kinder beim Namen, nämlich sexuelle Gesinnung und Profifußball, steht man im Handumdrehen vor einem Tabu-Thema unserer Gesellschaft, welches seinen Höhepunkt in der Homophobie im Fußball – ja, der regelrechten Ablehnung und Abwertung von Homosexualität in diesem Sport findet. Viel wurde in den letzten Jahren gesagt, der Kampf gegen Homophobie im Fußballstadion aufgenommen und trotzdem stellt der Fall Thomas Hitzelsperger und sein Outing am Anfang dieses Jahres eine Ausnahme dar. Er ist einer der wenigen Persönlichkeiten im Profifußball, welcher sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekennt. Das aber auch erst nach seiner aktiven Karriere.

„Du Schwuchtel“ ist ein beliebtes Schimpfwort auf und neben dem Rasen. Schwulsein dient häufig als Synonym für Schwäche und soll Unmännlichkeit suggerieren. Fußballer? –Sie müssen stark, kampfeslustig und hart sein, sich gegen andere durchsetzen. Nun schreibt man diese Fähigkeit gerne exklusiv den heterosexuellen Spielern zu. Ernsthaft? Passend dazu verkündete die FIFA 1981, das in einigen Ländern verbreitete Küssen der Spieler während des Spiels sei „unmännlich, übertrieben gefühlsbetont und deshalb unangebracht.“
Nun, das ist lange her,  die FIFA fährt inzwischen einen anderen Kurs und hat sich dem Kampf gegen jede Art der Diskriminierung verschrieben. Aber diese Anekdote zeigt einmal mehr, dass es hier um Stereotypen und Vorurteile geht, welche das Denken vieler, vielleicht auch unbewusst, beeinflusst.

Andere homophobe Äußerungen zeugen einfach nur von Dummheit: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schwule Fußball spielen können“, fasste der ehemalige Spieler des 1. FC Köln Paul Steiner einst bei einer Fernsehdiskussion die verbreitete Meinung über Schwule in den 80er-Jahren zusammen. Oder: „Man würde gegen so einen nicht richtig rangehen, weil die gewisse Furcht vor Aids da wäre“, ließ der frühere Spieler von Fortuna Düsseldorf Michael Schütz in einem Interview verlauten.
Höhepunkt der Dummheit in puncto Homophobie wohl 2004, Protagonist der ehemalige Trainer der österreichischen Fußballnationalmannschaft Otto Barić: “Meine Spieler müssen echte Kerle sein. Also können Homosexuelle bei mir nicht spielen, höchstens gegen mich.“ Und: „Ich weiß, dass es in meiner Mannschaft keine Homosexuellen gibt. Ich erkenne einen Schwulen innerhalb von zehn Minuten, und ich möchte sie nicht in meinem Team haben.“

Alles klar. Fassen wir diese homophoben Entgleisungen zusammen, dann ist nicht nur fragwürdig, ob Schwule überhaupt Fußball spielen können, sondern von ihnen geht – wenn sie denn schon spielen – eine besondere Ansteckungsgefahr von Aids aus. On top, sind sie keine echten Kerle, schwach und viel zu weiblich. Hallo?
Wie erklärt man sich nun, dass solch absurde Kommentare wie diese von Fans und Funktionären zustande kommen? Dass sich Schwulenfeindlichkeit hartnäckig hält? Dass Homosexualität im Profifußball ein Tabu-Thema ist? Die Antwort: Intoleranz und mangelndes aufgeklärtes Denken.

Es gibt sie, die schwulen aktiven Profifußballer in der Bundesliga. Statistiken machen das klar. Damit müssen sich Fans und Funktionäre anfreunden und sich wie aufgeklärte Menschen des 21. Jahrhunderts verhalten und die Absurdität ihrer ablehnenden Haltung begreifen. Homosexuelle können genauso gut Fußball spielen wie Heterosexuelle. Es darf nicht sein, dass sich kein aktiver Fußballer in der Bundesliga an ein Outing wagt. Sie sind Menschen wie du und ich. Sie haben ein Recht auf einen Platz im Fußball, auf Akzeptanz in der Gesellschaft, auf ihre freie Entfaltung. Das alles einmal bitte fürs neue Jahr!

 

Foto: manwalk  / pixelio.de

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