Josephs schmutzige Glitzerwelt

Josephs schmutzige Glitzerwelt

21.11.2014 | 2:21 | Kerstin

Es war einmal ein Schweizer namens Joseph, der hörte auf den Nachnamen Blatter und war nicht sonderlich groß gewachsen (1,71 m). Das mag daran gelegen haben, dass Joseph nach nur sieben Monaten im Leib seiner Mutter das Licht dieser Welt erblickte. Schwach war er, doch eigenen Aussagen zufolge entwickelte er schon damals einen ungeheuren Kampfesgeist – gepaart mit dem Willen zum Leben und der Devise, sich in dieser großen Welt nicht unterkriegen zu lassen. Man könnte ihm unterstellen, dass ihm sein größter Wunsch schon in die Wiege gelegt wurde (gar in den Mutterleib!): Anführer einer großen, großen Bande namens FIFA wollte er werden. Er, der nach dem Aufstehen schon einmal gerne durch die Wohnung tanzt, weil er ein ganz rhythmischer Mensch ist. Er, der gerne knobelt und Sudoku und Kreuzworträtsel liebt. Er, der die Frauen liebt und sich dazu hinreißen ließ, drei Ehen einzugehen. Aber papperlapp! Zurück zum Geschehen: Sepps (sein süßer Kosename!) Wunsch, ja sein größter Wunsch, sollte in Erfüllung gehen! Er wurde Präsident der FIFA, welche sich um alle Belange des Ballsports Fußball kümmert.

All sein Herzblut steckte er in diesen Fußball-Weltverband. Doch sein Engagement für diese Organisation wurde oft nicht hinreichend zur Kenntnis genommen. Gesäumt mit stetigen Hindernissen war seine Arbeit. Mal warf man ihm intern finanzielles Missmanagement vor – und  immer wieder fielen in Zusammenhang mit seiner Arbeit böse Wörter wie Korruption und Schmiergeld. Doch Sepp war ein Kämpfer und alle, die seine Arbeit anzweifelten, sollten das auch zu spüren bekommen. Viele Mächtige kreuzten seinen Weg; Joseph aber hatte einen langen Atem und sollte der Mächtigste von allen bleiben. Gleichwenn er schon 1998 bezichtigt wurde, sich bei seiner Präsidentschaftswahl Stimmen gekauft zu haben, und er sich diesem Vorwurf auch bei seinen zahlreichen Wiederwahlen immer wieder stellen musste – es ging noch korrupter! Aber dazu später mehr. Mitleid könnte man gar mit ihm gehabt haben – so recht entwickeln konnten das seine Mitmenschen aber nur schwer. Vielleicht, weil er gerne in Fettnäpfchen trat und so beispielsweise über den Frauenfußball sagte, dass die Sportbekleidung der Frauen femininer sein solle. Auch sein unglaubliches Selbstbewusstsein wirkte nicht gerade sympathisch. Ein Witz, den man zum Beispiel immer wieder über ihn erzählte, war: „Der Unterschied zwischen Gott und Sepp Blatter? Gott hält sich nicht für Blatter.“ Frühere Herzdamen sollen gar über ihn gesagt haben, dass er nur nach Reichtum und Macht strebe und sein Leben neben der FIFA leer sei. Viele enge Freunde soll er nicht gehabt haben.

Nun ja, im Jahr 2014 trug es sich schließlich zu, dass eine Untersuchung der FIFA-Ethikkommission anberaumt wurde – geleitet von einem Juristen aus den südlichen Gefilden Deutschlands, der auf den Namen Hans-Joachim Eckert hört. Gegenstand war die Vergabe zweier großer Turniere, die sich Fußball-Weltmeisterschaft schimpfen. Für die Jahre 2018 und 2022 wurden diese nach Russland und Katar vergeben (beides nicht so astreine demokratische Staaten, aber nicht uninteressant zwecks Kapitalakkumulation). Bei ebendiesen Vergabeverfahren sollen Schmiergelder geflossen sein und es soll zu Korruption gekommen sein. Aber alles easy! Denn die Ethikkommission der FIFA untersuchte diese Vorwürfe und Blatter war sehr zufrieden mit deren Arbeit. Warum auch nicht! Der Richter aus Süddeutschland hielt die Vergabe der beiden WM-Endrunden für zulässig. Wäre da nicht ein Amerikaner namens Michael Garcia, ein Staatsanwalt, welcher  zum Bericht von Eckert seinen Report vorlegte, in dem er diesem Eckert die “unvollständige und fehlerhafte Darstellung von Fakten und Schlussfolgerungen” vorwarf und Einspruch gegen dessen Bericht einlegte. Garcia wies auf Verdachtsmomente hin, “dass in einzelnen Fällen internationale Verschiebungen von Vermögenswerten mit Berührungspunkten zur Schweiz stattgefunden haben”. Einfach wäre es gewesen, wenn man diesen Garcia-Bericht einfach mal hätte lesen können (er umfasst ganze 430 Seiten). Aber Sepp Blatter himself wurde nicht müde zu betonen, dass er diesen Punkt juristisch abgeklärt hätte und eine Veröffentlichung gegen das Verbandsrecht der FIFA und auch staatliches Recht verstoßen würde.

Nun war Joseph S. Blatter (das S steht für Sepp und er fügte es selbst seinem Namen hinzu!) ein schlauer Fuchs, der seine Umwelt mitsamt der Berichterstattung in den Medien sehr bewusst wahrnahm und in den letzten Tagen dieser Erzählung auf Empfehlung von Richter Hans-Joachim Eckert Strafanzeige bei der Schweizerischen Bundesanwaltschaft einreichte. Man hätte meinen sollen, dass seine FIFA selbst wegen der Vergabeverfahren nach Katar und Russland am Pranger stehen würde – doch der kleine Mann war weise und drehte den Spieß einfach mal um. Aber Gott bewahre, die Anzeige richtete sich natürlich gegen ein mögliches Fehlverhalten von Einzelpersonen. Nicht gegen die FIFA! Und schon gar nicht um den Seppel!
Doch niemand weiß, wie diese Geschichte letztlich ausging; Mythen und Legenden ranken sich darum. So sagt sich die Menschheit heute: Und wenn Eckert in diesem Leben noch glaubt, dass kein Schmiergeld geflossen ist, ist sich die Spielerfrau sicher, dass es das in rauen Mengen tat. Und so kam es, dass der kleine Mann glücklich und zufrieden in seiner Glitzerwelt weiterlebte – wohlwissend, als Einziger die ganze Wahrheit zu kennen.

 

Foto: picture alliance/Robert Schlesinger

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


+ sechs = 12

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>