Traumspiel? Ein enttäuschter Fan berichtet

Bayern München zu Gast im Allgäu

Traumspiel? Ein enttäuschter Fan berichtet

21.07.2014 | 5:20 | Annette

Als der Bayern-München-Fanclub „Red Baroons“ aus Dietmannsried im Allgäu den Zuschlag für das Traumspiel 2014 erhielt, war bei mir die Vorfreude groß. Das fußballbegeisterte Herz schlug schneller, das Grinsen wollte gar nicht mehr verschwinden. Wann bekommt man schon einmal die Möglichkeit, den großen FCB hautnah zu erleben? Die Kicker aus nächster Nähe zu sehen? Einmal unmittelbar Pep Guardiola am Spielfeldrand zu beobachten? Der Rekordmeister veranstaltet genau aus diesem Grund jedes Jahr ein Spiel gegen einen treuen Fanclub und sagt damit Dankeschön für die Unterstützung der vielen frenetischen Anhänger. Und dieses Mal würde ich mit dabei sein. Wahnsinn!

Durch die Weltmeisterschaft in Brasilien und die verlängerten Pausen der WM-Fahrer war schnell klar, dass viele Stars nicht den Weg nach Memmingen finden würden, wo die Partie im Stadion des dort ansässigen Regionalligisten stattfinden sollte. Aber der Kader des FC Bayern München hielt dennoch viele große Namen bereit. Alaba, Pizarro, Badstuber, Thiago, Contento und dazu noch das Debüt des Neuzugangs aus Dortmund, Robert Lewandowski – was will man mehr? Kurz vor dem Traumspiel stieg zudem Franck Ribéry wieder ins Training an der Säbener Straße ein. Würde er vielleicht auch ins Allgäu kommen?

Voller Energie und mit großen Erwartungen fuhr ich dann an diesem 18. Juli ins Stadion. Das angekündigte Traumspiel erfreute sich an Traumwetter. Und die Kulisse, die der Fanclub „Red Baroons“ geschaffen hatte, war ebenfalls traumhaft. Zusatztribünen wurden unter großem Einsatz von freiwilligen Helfern aufgebaut, das Rahmenprogramm gewährte einen Streifzug durch die Allgäuer Kultur. Da merkte man: Da hat sich jemand richtig viel Mühe gegeben, Zeit und Kraft investiert, damit sich nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Besucher aus München wohlfühlen. Vor den Toren der Arena machte ich die Bekanntschaft  vieler polnischer Fans. Sie waren extra mit einem Reisebus aus der Heimat angereist, um ihren Helden Lewandowski zum ersten Mal im Trikot der Bayern auflaufen zu sehen. Sie sollten bitter enttäuscht werden. Denn die Mannschaft aus München kam nicht nur aufgrund eines Staus zu spät (außer Stefan Lehmann, Stadionsprecher in der Allianz Arena, hielt es niemand der Bayern-Verantwortlich für nötig, sich dafür zu entschuldigen), sondern beim Aufwärmen des Teams hielt ich lange Zeit auch nach dem Stürmer vom BVB Ausschau. Vergeblich. Den Zuschauern wurde dann mitgeteilt, dass sich Lewandowski beim morgendlichen Training in München verletzt habe und deshalb nicht mitkommen konnte. Auch nicht zum Autogramme schreiben, schließlich müsse er ärztlich behandelt werden. Aha. Die Enttäuschung war nicht nur bei mir riesengroß, auch die restlichen Besucher der Arena konnten ihre Missbilligung nicht zurückhalten, leise Pfiffe ertönten. Denn auch Pizarro, Thiago, Contento und Ribéry waren nicht dabei. Alle verletzt, alle wieder im Aufbautraining. Alle scheinbar nicht in der Lage, mit dem Bus eine Stunde von München nach Memmingen zu fahren und ihre Fans mit Autogrammen glücklich zu machen.

Da saß ich nun auf dieser Tribüne, hatte 35 Euro für die Karte bezahlt und bekam eine aufgefüllte A-Jugendmannschaft des Rekordmeisters präsentiert. Na toll. Traumspiel? Wirklich? Nur Alaba, Badstuber, Hojbjerg, Starke und Rafinha konnten in mir das Gefühl erwecken, den FC Bayern vor mir zu sehen. Das war eindeutig zu wenig. Da fühlte man sich doch ein wenig veräppelt. Und wo war eigentlich Pep? Etwa auch nicht mitgekommen? Erst als die Partie mit einer halben Stunde Verspätung angepfiffen wurde, kam der Trainer aus der Kabine – zusammen mit Sportdirektor Matthias Sammer. Ein Blick auf die erwartungsfrohen 11.000 Fans? Fehlanzeige. Ein Winken für die vielen Kinder, deren Augen leuchteten? Fehlanzeige. Der FCB präsentierte sich so, wie man es immer wieder hört. Unnahbar. Arrogant. Nicht von dieser Welt. Das mit eigenen Augen zu sehen, tat weh. Da kommt dieser Verein, der bereits seit Jahren so Großes für den deutschen Fußball leistet und nicht nur national, sondern auch international den Sport prägt, zu Besuch und schafft es nicht, eine Verbindung mit seiner Basis – den Fans – aufzubauen. Auch nicht bei diesem Traumspiel, das der Verein selbst als genau diese Möglichkeit für die Anhänger vermarktet. Stattdessen brachten die Münchner eigene Security-Kräfte mit, die den Gegner daran hinderten, den gleichen Kabinengang wie die Bayern-Spieler zu nutzen. Der FC Memmingen und die Teilnehmer des Fanclubs mussten um die Tribüne herumgehen, sich einen Weg durch die Stehplätze erkämpfen, um so auf den Rasen zu gelangen.

Warum? Diese Frage stellte ich mir an diesem denkwürdigen Abend mehrfach. Vor allem: Warum trägt Bayern München so ein Spiel überhaupt aus, wenn doch der gesamte FCB-Tross das Gefühl vermittelt, nicht dabei sein zu wollen? Frei nach dem Motto „Mia san mia“, aber ihr gehört nicht dazu. Das ist schade. Das ist der großartigen Fans der Mannschaft nicht würdig. Das ist nicht des FC Bayern München würdig. Das Traumspiel an sich ist ja eine schöne Idee, doch dahinter sollten dann auch alle Verantwortlichen des Vereins stehen. Vorstand, Manager, Trainer und Spieler. Wenn das nicht der Fall ist, dann lasst es doch lieber bleiben. Denn ein Dankeschön an die Fans war dieser Auftritt mit Sicherheit nicht.

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