3, 2, 1 … verletzt

Die Pechvögel des Monats

3, 2, 1 … verletzt

19.09.2014 | 1:54 | Annette

War dieser Philipp Lahm eigentlich schon einmal verletzt? Ja, er hatte zum Auftakt der Heim-WM 2006 seinen Arm im Gips, konnte aber trotzdem mit dabei sein und schoss sogar das erste Tor des Turniers. Aber sonst? Lahms Körper ist eine Wucht – was die Anfälligkeit von Verletzungen angeht selbstverständlich. Andere Kicker haben da weniger Glück und melden sich oft in den Krankenstand. Jetzt hat es wieder drei deutsche Nationalspieler getroffen: Marco Reus, Sami Khedira und Holger Badstuber haben schon eine lange Leidenszeit hinter sich und müssen sich nun erneut zurückkämpfen.

Holger Badstuber
Fußball-Deutschland hielt in dieser 40. Minute der Partei zwischen dem FC Bayern München und dem VfB Stuttgart den Atem an, als Holger Badstuber mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Rasen lag. Die erste Reaktion? Nein, bitte nicht schon wieder. Nicht wieder Badstuber. Ganze 20 Monate war der Innenverteidiger außer Gefecht gesetzt. Er hatte sich im Dezember 2012 das Kreuzband des rechten Knies gerissen, begann im April darauf aber wieder mit dem Lauftraining und war guten Mutes, zum Trainingsauftakt des Neu-Trainers Pep Guardiola mit an Bord zu sein. Dann der Schock im Mai: Erneuter Kreuzbandriss, und wieder das rechte Knie.
Badstuber verpasste nicht nur die komplette erste Guardiola-Saison, sondern auch die WM in Brasilien. In dieser Spielzeit sollte alles anders werden. Badstuber feierte beim Traumspiel der Bayern in Memmingen sein umjubeltes Comeback und wurde von seinem Trainer in den höchsten Tönen gelobt. Gegen Stuttgart traf es den Leidensgeprüften nun erneut. Kein Kreuzbandriss und nicht das rechte Knie, aber ein Muskelsehnenriss im linken Oberschenkel. Nach der bitteren Diagnose zeigte sich Badstuber dennoch kämpferisch: “Ich werde zurückkommen.” Die Fans stärkten ihm den Rücken. Beim Heimspiel in der Allianz Arena sang das ganze Stadion seinen Namen. In drei Monaten möchte Badstuber die Sprechchöre nicht mehr auf der Tribüne mitverfolgen, sondern wieder auf dem Rasen stehen.

Sami Khedira
Als Sami Khedira beim Testspiel der Nationalmannschaft gegen Italien im November 2013 verletzt ausgewechselt werden musste und die Diagnose Kreuzbandriss lautete, glaubten alle Experten und Fans, dass es das gewesen sei mit der WM in Brasilien. Sechs Monate braucht ein Spieler ungefähr, um nach dieser schweren Verletzungen wieder mit dem Training zu beginnen. Zu knapp, zu unrealistisch für das Großereignis am Zuckerhut. Doch weit gefehlt. Khedira kämpfte sich zunächst ins Champions-League-Finale mit Real Madrid und wurde dann von Jogi Löw für den Kader der DFB-Elf nominiert.
Er hatte auf dieses Ziel hingearbeitet, er hatte es erreicht. Kurz vor dem Finale im Maracana kam allerdings dann die Meldung, dass Khedira nicht auflaufen könne. Wieder einmal streikte sein Körper. Khedira erlebte das Endspiel von der Bank aus. Die Leidenszeit geht auch in dieser Saison weiter. Im Moment laboriert Khedira an einem Muskelbündelriss und fällt einige Wochen aus. Wie man sich zurückkämpft und den Glauben nicht verliert, weiß er. Geduld braucht er. Und dann die Stärke, um wieder anzugreifen und seinen Stammplatz bei Real Madrid zurückzuerobern.

Marco Reus
Die Nationalmannschaft ist irgendwie kein gutes Pflaster für Marco Reus. In der vergangenen Bundesligasaison war er der überragende Spieler. Seine Form war ausgezeichnet, die Hoffnungen aller deutscher Fußballfans ruhten auf dem Flügelflitzer aus Dortmund. Kaum stand die Abreise nach Brasilien an, verletzte sich Reus. Beim letzten Test gegen Armenien. WM? Fiel aus für den BVBler. Weltmeister? Sind nun seine Kollegen; er erlebte den Triumph nur vor dem Fernseher. Und schuftete in der Reha für sein Comeback. Fragen nach seinen Gefühlen beantwortete er irgendwann nur noch mit “Jetzt ist auch mal wieder gut”.
Reus wollte nach vorne schauen. Die Verletzung war abgehakt, der Blick ging in die Zukunft. Bis das EM-Quali-Spiel gegen Schottland auf dem Programm stand, und Reus sich wiederum verletzte. Als er gestützt von Mannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt den Platz verließ, den Kopf hängen ließ und sich auch vom herannahenden und gut zuredenden Bundestrainer nicht trösten ließ, war klar: Das ist wieder etwas Ernstes. Kann jemand so viel Pech haben? Die Diagnose: Außenbandteilriss sowie eine Dehnung der Fußwurzelbänder. Vier Wochen Pause. Aber auch Reus ist ein Kämpfer. Auch er wird zurückkommen. Wieder einmal.

Foto: picture alliance / Sven Simon

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