Servus, Philipp Lahm

Nationalmannschaft

Servus, Philipp Lahm

19.07.2014 | 9:30 | Annette

Es war die Hammermeldung dieser Woche: Philipp Lahm beendet seine Nationalelf-Karriere. Was? Das kann doch nicht sein. Das ist doch viel zu früh. Der Rücktritt des Kapitäns kam für alle vollkommen überraschend. Und macht den Umgang mit der Situation nicht einfacher.

Philipp Lahm startete seine DFB-Karriere zusammen mit Jogi Löw 2004 und wurde mit Bastian Schweinsteiger zum Gesicht des Aufbruchs. Zum Sinnbild eines neuen Fußball-Deutschlands, das in den folgenden Jahren die ganze Welt begeisterte – nicht nur sportlich, sondern auch menschlich.

Unvergessen bleibt sein Armbruch kurz vor der Heim-WM 2006 sowie seine phänomenale Rückkehr zum Eröffnungsspiel gegen Costa Rica. Mit dem Arm in der Schlinge gab er Vollgas und erzielte das erste Tor des Turniers. Oder die EM 2008, das Halbfinale gegen die Türkei. Damals verschuldete Lahm erst den Gegentreffer, bevor er sein Herz in die Hand nahm und selbst das 3:2 schoss. So kennen wir Lahm, der immer alles gibt, der präsent ist, sich nie versteckt, seine Abwehrseite zumacht und Impulse nach vorn setzt. Er ist der beste Außenverteidiger der Welt. Und gerade deshalb wird uns sein DFB-Ende so schmerzen. Die Alternativen sind rar gesät, das hat man bei dieser WM wieder einmal gesehen.

Dass er nun nach 10 Jahren Nationalmannschaft seine Karriere beendet, ist auf der einen Seite verständlich. Mit dem WM-Titel in Brasilien ging für den Münchner ein Kindheitstraum in Erfüllung. Dieser grandiose 13. Juli im Maracana-Stadion ging in die Geschichte ein, als er als Kapitän den Pokal gen Himmel recken durfte. Nach 24 titellosen Jahren. Als erster Europäer in Südamerika. Er hat alles erreicht. Alles? Naja, Europameister ist er noch nicht. Und die Chancen stehen gar nicht mal so schlecht, dass die Nationalelf 2016 in Frankreich um den Titel mitspielt. Ohne Lahm wird es definitiv schwieriger. Viel schwieriger.

Dieser Allrounder ist zwar nicht gerade groß gewachsen, aber er wusste schon immer, was er wollte. Auch 2010, als er nach Ballacks Ausfall die Kapitäns-Binde übernahm und diese auch behielt, als Ballack wieder genesen war. Der emotionale Leader, der, der an die Mannschaft im Mittelkreis appelliert, war schon immer Bastian Schweinsteiger. Aber Lahm war der Taktgeber. Derjenige, der mit rotem Kopf voran marschierte und auch mit der Presse keine Konfrontation scheute. Gerade deshalb wird er uns fehlen, dieser Philipp Lahm. Weil er ein Baustein der goldenen Generation war, deren Weg doch noch nicht zu Ende ist. Lahm ist gerade einmal 30 Jahre alt. Sein Entschluss sei während des vergangenen Jahres gereift, verriet Lahm, der vergangenen Montag Bundestrainer Jogi Löw über seine Pläne in Kenntnis gesetzt hatte. DFB-Präsident Niersbach sah keine Möglichkeit mehr, Lahm umzustimmen. Er habe sich das sehr gut überlegt.

Was nun? Um es mit Xavier Naidoos Worten zu sagen: Uns bleibt nichts zu tun außer Danke zu sagen. Und weiter: Philipp, dich spielen zu sehen war ‘ne Offenbarung, nie vergessen wir deinen Namen.

Foto: EPA/FERNANDO BIZERRA JR.

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