Warum Weltmeister Spanien ausgeschieden ist

WM 2014

Warum Weltmeister Spanien ausgeschieden ist

19.06.2014 | 11:46 | Natalia

Aus, aus, das Spiel ist aus! Spanien ist ausgeschieden. Jene Mannschaft, welche sich 2008 und 2012 den Euromeistertitel sicherte und… amtierender Weltmeister ist, verabschiedet sich nach einer 0:2-Niederlage gegen Chile bereits nach der Vorrunde aus Brasilien. Schon am vergangenen Freitag (übrigens ein 13.) hatte es für die erfolgsverwöhnte Elf eine derbe 1:5-Klatsche durch die Niederlande gegeben. Die ganze Welt rätselte, ob die Mannschaft aus der Niederlage neue Stärke ziehen und noch einmal furios zurückschlage könne. Seit gestern kennen wir die Antwort. Wie konnte das passieren?

Bereits im Vorfeld der WM hatte es Stimmen gegeben, die den Spaniern diesmal nicht viel zutrauten. Zu alt seien sie, zu müde, zu satt. Angesichts der Namen auf dem Feld, auf der Bank und jener, die nicht einmal die Reise nach Brasilien antreten durften, fiel es schwer, das zu glauben. Zweifel am erneuten Weltmeistertitel – ok. Aber ein Ausscheiden in der Vorrunde? Undenkbar.
Das Auftaktspiel gegen die Niederlande offenbarte gravierende Schwächen. Die Elf von del Bosque konnte zu keiner Zeit ihr legendäres Kurzpass-Spiel aufnehmen, fand einfach nicht in die Partie. Robben und van Persie waren nicht zu stoppen, es folgte eine Demontage des Favoriten. So bemerkenswert das holländische Spiel war, so nachdenklich musste einen das Verhalten der Spanier stimmen. Wo war denn bloß der Kampfgeist geblieben? Wo war der Wille? Der Biss? Wie fortgeblasen.

Doch anstatt diesem Misserfolg eine Jetzt-erst-recht-Einstellung folgen zu lassen, durften wir gestern exakt das gleiche Muster wieder beobachten. Chile machte es den Spaniern extrem schwer, denn die quirligen Spieler schienen einfach überall zu sein. Sie störten früh, warfen sich in jeden Zweikampf und rückten bei Angriffen der amtierenden Weltmeister derart konsequent auf, dass man hin und wieder nicht wusste, ob gerade Fußball oder Handball gezeigt wurde. Dass sie auch offensiv stark sind, zeigen ihre zwei im Laufe der Partie erzielten Tore. Diese Mannschaft sollte man im weiteren Verlauf der WM definitiv auf der Rechnung haben. ABER beide Treffer wurden vor der Halbzeitpause erzielt. Da musste doch jetzt irgendetwas passieren! Die Götterdämmerung war greifbar, die spanische Elf hatte nun nichts mehr zu verlieren.

Und was macht eine Fußballmannschaft, wenn sie nichts mehr zu verlieren hat? Sie stellt alle Weichen auf Angriff, riskiert auch mal einen Gegenschlag. ALLES VORNE REIN. Nicht so Spanien. Der Großteil der Spieler schien förmlich an ihren Positionen zu kleben. Jahrelange Konditionierung? Totale Selbstaufgabe? Man weiß es nicht. Die Köpfe hingen jedenfalls schon seit geraumer Zeit, die Haltung sprach Bände. Da half es auch nicht, dass Sergio Ramos als einziger verstand, was die Uhr geschlagen hatte, und seine Zelte im gegnerischen Strafraum aufschlug. Hinzu kam, dass an diesem denkwürdigen Abend gefühlt mehr Bälle versprangen als in den letzten erfolgreichen spanischen Jahren zusammen.

Liebe Spanier, das war einfach zu wenig. Von einem Weltmeister erwarten wir zumindest ein Aufbäumen, und natürlich absoluten Siegeswillen. Der Generationswechsel, der schon vor der WM von einigen Beobachtern gefordert wurde, wird nun unumgänglich sein. Leider wird dies auch Vincente del Bosque betreffen. Eine Ära geht also zu Ende. Die Ära von Xavi, Iniesta, Casillas und all den Helden der vergangenen Jahre. Der Weg wird somit aber auch frei für Neues. Und um den spanischen Nachwuchs muss man sich nun wirklich keine Sorgen machen. Dass die alte Garde beim Spiel um die goldene Ananas gegen Australien am Montag noch einmal ran muss, erscheint aktuell wie eine Strafe. Wir können nur appellieren: Kämpft! Und rettet eure Ehre!

Foto: Jamie Squire/Getty Images

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