Umstrittene Sponsoren im Fußball

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Umstrittene Sponsoren im Fußball

18.03.2015 | 8:53 | Natalia

Ach, wie heil ist die Fußballwelt doch noch in der Kreisliga, wo der Verein vom Eiscafé Venezia oder dem Teppichhändler des Vertrauens unterstützt wird. Heikel wird es, wenn es nicht mehr um einen neuen Satz Trikots geht, sondern um die millionenfache Summe. Um Geld für Transfers, Gehälter und Lizenzen.
Nicht jeder Verein schaut sich die Hand, die ihn füttert, genauer an. Man möchte oft einfach nicht wissen, was alles daran kleben könnte. Hier kommen einige umstrittene Sponsoren im Fußball, die in politischer, moralischer oder einfach nur gesundheitlicher Hinsicht für Aufsehen gesorgt haben.

 

Federn gelassen: Werder Bremen & Wiesenhof

Seit August 2012 heißt der Hauptsponsor von Werder Bremen Wiesenhof. Bereits im Vorfeld der Vertragsunterzeichnung war der Protest von Seiten einiger Fans und Tierschutzorganisationen groß. Jürgen Trittin, bis dato Werder-Botschafter, trat von dieser Funktion zurück. Kein Wunder, waren doch mehrfach katastrophale Zustände und massive Fälle von Tierquälerei beim Geflügelfleisch-Marktführer festgestellt worden.
Die Werder-Geschäftsführung interessierte das eher wenig. Der Deal kam unbeeindruckt zustande und beschert den Bremern seither geschätzte fünf bis sechs Millionen Euro pro Jahr. Anfang 2014 wurde er sogar um weitere zwei Jahre verlängert. Dass Wiesenhof in der Zwischenzeit mächtig an seinem Image gefeilt hat, hilft da nur wenig. Pfui, Massentierhaltung. Pfui, Industriefleisch.

There will be haters: Leipzig & Red Bull

Die Geschichte hat einen Bart: 2009 ist Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz langweilig und er gründet einen Fußballverein. In Leipzig, wo sich bislang kein Top-Klub etabliert hatte. Für das Vereinslogo wird die Datei red_bull_logo.psd geöffnet und auf einen Wimpel geklatscht – fertig ist die Laube. Naja, das Logo musste noch einmal leicht modifiziert werden, aber die DFL gab sich mit ziemlich lachhaften – weil minimalen – Veränderungen zufrieden.
Klar, dass dieser gerne als “Retortenverein” bezeichnete Klub von den meisten Fans anderer Vereine gehasst wird. Zumal es die “Roten Bullen” auch noch gewagt haben, in die Zweite Bundesliga aufzusteigen. Öl ins Feuer ist der Transfer des Österreichers Marcel Sabitzer, der von Rapid Wien zu Red Bull Salzburg kommen sollte, jedoch nicht zu einem Ligakonkurrenten wechseln durfte. Was passierte? Er wurde von Red Bull Leipzig geholt und an Salzburg ausgeliehen. Feine Sache!
Die Leipzig-Anhänger können für all das recht wenig. Sie brennen für die Mannschaft, nicht für die Führungsetage. Bleibt der fade Nachgeschmack, dass fehlende Tradition einfach nicht durch Geld wettgemacht werden kann.

Sturzflug: FSV Frankfurt & Saudia

Die saudi-arabische Airline Saudia befördert grundsätzlich keine Fluggäste mit israelischem Pass. Trotzdem kam Ende 2013 ein Sponsorendeal mit dem Zweitligaverein FSV Frankfurt zustande. Skandal? Schon. Aber Geschäftsführer Clemens Krüger gab anschließend an, nichts von dieser plumpen Form der Diskriminierung gewusst zu haben und räumte eventuelle Versäumnisse bei der Prüfung des Sponsoren ein. Man forderte den umstrittenen Partner zu einer Stellungnahme auf. Diese blieb allerdings aus.
Die Reaktion in Frankfurt: Vertragsauflösung, fertig. Gerade noch einmal die Kurve gekriegt, bevor das Image der Airline das des Vereins umfassender schädigen konnte.

In trockenen Tüchern: Dynamo Dresden & Veolia

Seltsamerweise spielt Veolia offenbar kaum eine Rolle, wenn es um umstrittene Sponsoren im Fußball geht. Die Partnerschaft mit Dynamo Dresden hält nun schon seit 2008 (mit Unterbrechung wegen der Randale von Dresden-Fans).
Wir fragen uns: Wie kann man das Sponsoring von Red Bull und Saudia verwerflich, einen Deal mit Veolia aber okay finden? Wie die Dokumentation “Water Makes Money” zeigt, ist das Unternehmen maßgeblich an der weltweiten Trinkwasser-Privatisierung beteiligt. Eine riesige Sauerei. Und wollte den Filmemacher, übrigens einer ihrer Arbeitnehmer, bestechen, um die Ausstrahlung zu verhindern. Macht ja nix.

Druck auf dem Kessel: Schalke & Gazprom

Diese Kooperation war vielen Fans und Beobachtern von vornherein nicht geheuer. Der russische Staatskonzern und der Ruhrpottklub. Demokratische Werte und Menschenrechte spielten bei der Kritik eine entscheidende Rolle.
Dazu kommt, dass Clemes Tönnies, seines Zeichens Fleischfabrikant und Putin-Freund, mit Letzterem angeblich Großinvestitionen in Russland ausdealte. Und dass der Krieg mit der Ukraine den Pakt mit dem königsblauen Sponsor nicht gerade rühmlicher erscheinen lässt.
Geld stinkt bekanntlich nicht. Gas schon.

Bis einer platzt: Die FIFA und die bösen Kalorien

Hach, was sind die Fußballer alle schlank und durchtrainiert! So gesund und fit. Alles spricht dagegen, dass die Schäfchen der FIFA sich beim Essen an den Produkten ihrer Sponsoren vergreifen. Als da unter anderem wären: Ferrero (Nutella), Coca-Cola und McDonald’s. Viel zu viel Fett und Zucker, viel zu ungesund, schreien da die Ernährungswissenschaftler regelmäßig auf und erinnern an die Vorbildfunktion von Fußballern.
Zum Glück ist wenigstens der Pakt mit der Nuss-Nugat-Creme Schnee von gestern, denn lange Zeit ging beim DFB der Nutella-Fluch um: Jeder Nationalspieler, der in der Werbung auftauchte, tauchte kurze Zeit später in der Versenkung ab. Ihr wollt Beispiele? Kevin Kuranyi, Benny Lauth, Tim Borowski, Marcell Jansen, Jermaine Jones … Unglaublich, oder?
Dennoch denken wir: Wer nicht weiß, dass man von zu viel Cola, Schokocreme und Burgern fett wird, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen.

Das Kreuz mit den Arabern: Real Madrid & National Bank of Abu Dhabi

Was war das denn bitte? Real schließt im September 2014 eine Kooperation mit der arabischen Bank und verbannt dafür auf den ausgegebenen Kreditkarten das kleine Kreuz von seinem Logo, das eigentlich auf der Krone sitzt. Angeblich geschieht das, um muslimische Kunden nicht zu beleidigen. Für Geld das eigene Vereinswappen verändern? Mit Traditionen brechen? Fans und Beobachter empfinden das gleichermaßen als Skandal.
Passiert ist wie immer nichts. Dem Image des Vereins ist das Ganze aber schon ein wenig abträglich. Wen das allerdings wiederum interessiert? Die Verantwortlichen offenbar nicht.

Foto: Facebook / Werder Bremen

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