Fußball in Zeiten des Krieges

Schachtjor Donezk

Fußball in Zeiten des Krieges

17.12.2014 | 10:30 | Annette

Es ist gerade einmal zweieinhalb Jahre her, da kämpften in Donezk Spanien und Portugal um den Einzug ins EM-Finale. Erst im Frühjahr 2013 spielte Borussia Dortmund im Champions-League-Viertelfinale in der Ostukraine. Wenn Bayern München nun im nächsten Februar in der Königsklasse auf Donezk trifft, dann wird alles anders sein. Den Fußballverein Schachtjor gibt es natürlich immer noch, doch in Donezk werden schon lange keine Partien mehr ausgetragen.

Seitdem in der Ukraine Regierungstruppen und prorussische Separatisten aneinandergeraten, ist an einen normalen Spielbetrieb nicht mehr zu denken. Während früher 16 Clubs in der ersten Liga kickten, sind es jetzt nur noch 14 – die beiden Krim-Vereine Tawrija Simferopol und FK Dewastopol gehören seit dieser Saison zum russischen Verband. In Donezk rollt der Ball gar nicht mehr – viel zu gefährlich ist die Region. Unweit der Stadt stürzte im Juli ein Flugzeug der Malaysia Airlines ab. Es wurde von einer Rakete getroffen, alle Insassen starben. Unter Beschuss geriet auch die Donbass Arena, die Heimat von Schachtjor Donezk. Der Verein verlegte deshalb seine Zentrale nach Kiew – andernfalls hätte er seine Profis auch gar nicht halten können. Kicker aus Brasilien und Argentinien weigerten sich im Sommer nach einem Testspiel in Frankreich, ins Krisengebiet zurückzufahren. “Wir fürchten bei einer Rückkehr um unser Leben”, ließen sie mitteilen.

Während die Mannschaft also nun in der Hauptstadt trainiert, trägt sie ihre Heimspiele in Lwiw (Lemberg) aus – über 1000 Kilometer von Donezk entfernt. Jubelten in der Donbass Arena noch 53 000 Zuschauer ihrem Team zu, sind es in Lwiw deutlich weniger. Nicht selten hagelt es sogar Pfiffe für den ostukrainischen Club. Fußball hat keine Priorität mehr, vor allem nicht der von Vereinen, die von Oligarchen gesponsert werden – wie Schachtjor von Rinat Achmetow. Die Rolle des Kohle- und Stahlmagnaten im Konflikt ist undurchsichtig. Fußball als Machtinstrument? Der zwölf Milliarden schwere Mann lässt auf jeden Fall Unmengen von Geld in seinen Club fließen. Und machte ihn zum Vorzeigeverein der Ukraine.

Der Krieg hat vieles verändert. Und die Politik spielt mit. Es ist daher keine leichte Ausgangsposition für die Kicker von Schachtjor. Irgendwie sind sie Fremde in ihrem eigenen Stadion geworden. Der Serienmeister und UEFA-Cup-Sieger von 2009 ist entwurzelt. Leistung zeigt die Mannschaft dennoch. Deshalb darf Bayern München den Gegner nicht unterschätzen. Und muss sich auf ein Spiel unter besonderen Umständen einstellen. Pep Guardiolas Truppe gilt natürlich als Favorit. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Ukrainer bis Februar in ihrer Liga Winterpause haben und die Champions-League-Partie gegen die Bayern ihr erstes Pflichtspiel im neuen Jahr sein wird. Aber Donezk hat gute Kicker in ihren Reihen. Luiz Adriano zum Beispiel ist bester Torschütze der CL-Vorrunde – noch vor Lionel Messi. Donezk wird gegen die Bayern also alles sind Waagschale werfen, denn wer weiß schon, wie es mit dem Verein weitergehen wird? Die Schatten des Krieges sind allgegenwärtig.

Foto: www.twitter.com/FCShakhtar_eng/media

Eine Antowort zum Thema: “Fußball in Zeiten des Krieges

  1. Ja, eine sehr traurige Geschichte. Aber Donezk ist nicht der einzige Verein der “umziehen” musste. Der FC Zorya aus dem schwer kriegsgeschädigten
    Luhansk spielt seine Heimspiele derzeit in Zaporozh’ye. Momentan befindet man sich auf einen Euro League Platz. Da fragt man sich natürlich schon wie das so ein Verein überhaupt finanziell verkraften kann.

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