Ex-Schalke-Trainer im Gespräch

Satire-Alarm!

Ex-Schalke-Trainer im Gespräch

17.10.2014 | 11:59 | Annette

An einem Montag in einer Eckkneipe irgendwo im Pott. An einem runden Tisch sitzen Jens Keller, Ralf Ragnick, Huub Stevens, Mirko Slomka, Felix Magath und Seppo Eichkorn – jeder hat ein Bierchen vor sich stehen. Die Diskussion der Ex-Schalke-Trainer ist in vollem Gange.

Keller: Es tut schon weh, so abserviert zu werden. Damit muss man erst einmal fertig werden. Ich meine, klar, es ist nur ein Job. Aber man ist ja auch Mensch. Und so möchte wohl niemand behandelt werden.

Ragnick (klopft Keller aufmunternd auf die Schultern): Ach Jens, das Geschäft zehrt einfach an den Nerven. Beeinträchtigt den gesamten Körper. Dieser Druck. Jeden Tag. Jede Nacht. Sei froh, dass du erst einmal raus bist. Erhole dich, denk mal an etwas anderes als Fußball. Lass alles hinter dir.

Stevens: Naja, also ich hätte schon Lust, mal wieder zu arbeiten. Aber die Trainerposten sind ja auch rar gesät. Die Schwaben waren mir ehrlich gesagt ein bisschen suspekt, aber Schalke. Schalke wird immer einen Platz in meinem Herzen haben – trotz meines Rauswurfs.

Keller: Kein Wunder, Huub. Dich haben sie auch alle akzeptiert – die Fans, die Vereinsführung. Ich hatte dagegen von Anfang absolut keine Rückendeckung.

Ragnick: Einfach mal durchatmen, Jens. Das bewirkt wahre Wunder.

Keller (ist in seinem Element und ignoriert Ragnicks Einwurf): Und dann der indirekte Vorwurf, ich könnte nicht mit Stars. Pff, ich meine, ganz ehrlich: Wer kann schon mit Kevin-Prince Boateng? Selbst der ghanaische Nationaltrainer hat ihn von der WM heimgeschickt.

Slomka (wacht erst bei dem Wort „Stars“ aus seinem Tagtraum auf): Apropos Stars: Wisst ihr eigentlich, dass ich Manuel Neuer entdeckt habe. Manuel Neuer, Leute! Ganz Deutschland kann mir dankbar sein.

Slomka wird von der Gruppe ignoriert und taucht wieder in seinen Tagtraum ein.

Eichkorn (knüpft an Kellers Aussagen über Schalke an): Ich verstehe nicht, warum manche hier so nachtreten. Der Verein steht über allem und jedem. Ich hatte kein Problem damit, zweimal auszuhelfen, als Not am Mann war. Und dann wieder zurück ins zweite Glied. Runter in den Stollen und wieder hoch. Dat is Schalke!

Ragnick (nickt Eichkorn zustimmend zu): Richtig. Ich kann mich auch nicht beklagen und hätte dort gerne weitergearbeitet, wenn ich nicht einmal eine Auszeit gebraucht hätte. Übrigens habe ich gerade erst 100.000 Euro an „Schalke hilft“ gespendet. Tolle Aktion.

Slomka (kehrt beim Klang der Euros in die Wirklichkeit zurück): Also das könnte ich mir wirklich nur leisten, wenn meiner Klage gegen den HSV stattgegeben wird. Oder, wenn mich Red Bull auch sponsern würde. Könnte man da was machen, Ralf? Du weißt doch: Wir Trainer sind ansonsten schon arme Schlucker. Ich meine, was willst du mit den Peanuts anfangen?

Magath (hat bisher das Gespräch schweigend verfolgt): Dass die meisten von euch Schalke immer noch in Schutz nehmen – also wirklich. Horst Heldt sagt jetzt, dass sie unseren Jens rausschmeißen mussten, um mehr Stabilität und Konstanz reinzubekommen. Das ist nicht lache, mit diesem Schmarrn bin ich durch. Stabilität erhält doch kein Verein, indem er seine Trainer wechselt wie Unterhosen.

Keller: Danke Felix, du sprichst mir aus der Seele. Da wird einfach nur ein Sündenbock gesucht. Und dass ich das jetzt bin …

Magath: Der Mannschaft müsste man mal Beine machen: Medizinballübungen den ganzen langen Tag lang. Leiden müssten die Spieler mal. Richtig leiden …

Ragnick: Vorsicht, Felix. Du darfst deinen Hass auf den Verein und die Welt nicht an den Spielern auslassen. Das ist der falsche Weg.

Slomka: Ähm, mal was anderes: Wisst ihr eigentlich, dass ich von 2006 bis 2008 mit 1,8 Punkten geholten Punkten pro Spiel nach Ottmar Hitzfeld statistisch der erfolgreichste Trainer war?

Die Tür der Kneipe öffnet sich und Roberto Di Matteo tritt ein. Er lacht laut über einen Witz seines unbekannten Begleiters.

Magath (zischend): Dem wird das Lachen schon noch vergehen.

Slomka (mit zusammengekniffenen Augen): Ich gebe ihm höchstens diese Saison. Danach werden auch bei ihm die Tumulte losgehen. Hoffentlich hat er sich einen guten Vertrag ausgehandelt …

Keller: Also den kann ich nun wirklich nicht ertragen. Er hat mich nicht mal kontaktiert, um über die Mannschaft zu sprechen. Lasst uns bitte gehen.

Die Gruppe erhebt sich und schreitet zum Ausgang, als Di Matteo die Ex-Trainer-Runde sieht.

Di Matteo: Buonasera! Buonasera a tutti. Eusch ich doch kenne!

Stevens (lächelt dem Italiener freundlich zu): Glück auf, Roberto!

Ragnick (flüstert Di Matteo beim Vorbeigehen ins Ohr): Und sollte das Glück nicht mit dir sein, dann bist du herzlich in unsere Runde eingeladen. Einfach mal quatschen. Einfach mal seinem Ärger Luft machen. Wir treffen uns jeden ersten Montag im Monat hier.

Keller: Tsssss. Ich sage nur bis bald. Bis ganz, ganz bald …

-The End-

Foto: picture alliance / augenklick/firo Sportphoto

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