Next! Alles wie immer beim HSV

Kommentar

Next! Alles wie immer beim HSV

17.09.2014 | 12:06 | Annette

Der Hamburger SV hat seinen Trainer Mirko Slomka entlassen. Drei Spiele, ein Punkt, kein Tor – das ist Slomkas mickrige Bilanz. Nicht berauschend, vor allem mit Bayern München und Borussia Mönchengladbach vor der Brust. Doch wieder einmal den Trainer zu entlassen, zeugt von wenig Vertrauen, gehört aber wohl beim HSV dazu. Der Trainerposten gleicht einem Schleudersitz. Martin Jol, Bruno Labbadia, Ricardo Monic, Armin Veh, Michael Oenning, Rodolfo Esteban Cardoso, Frank Arnesen, Thorsten Fink, Bert van Marwijk – zehn Trainer in sechs Jahren. Was für eine Bilanz. Konstanz sieht anders aus. Eine Struktur und ein wirklicher Plan auch.
Albert Einstein sagte einmal: “Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.” Der HSV scheint dies aber nicht zu berücksichtigen. Den Trainer zu entlassen, ist natürlich die einfachste Konsequenz, die nach einem verkorksten Bundesligastart gezogen werden kann. Doch ist es auch die effektivste?

Zehn Trainer versuchten in den letzten Jahren, den HSV zum Erfolg zu führen. Manch einem war es durchaus zuzutrauen. Der Erfolg blieb dennoch aus. Der Grund für die schwachen Leistungen kann also wahrlich nicht beim Mann an der Seitenlinie liegen. Zumindest nicht vorwiegend. Der HSV trauert immer noch seinen glorreichen Zeiten nach. Diese sind aber vorbei. In dieser Situation die Ansprüche nicht zurückzuschrauben, zeugt von Selbstüberschätzung. Und von fehlendem Realitätsbezug.

Neuanfänge wurden beim HSV bereits sehr viele versucht. Und dafür Personalien ausgetauscht, der Verein umstrukturiert und die Profiabteilung ausgegliedert. Dietmar Beiersdorfer will die Hamburger wieder in eine goldene Zukunft führen – zu alter Stärke, und den Club wieder zu dem Traditionsverein machen, der er mal war. Das bedarf aber Zeit, und ein klares Bekenntnis zum eingeschlagenen Weg. Wenn aber Investor und Milliardär Klaus-Michael Kühne öffentlich über den Trainer spricht und in sportliche Belange eingreift, dann untergräbt das sowohl die Führung des Vereins als auch den Trainer – wie in diesem Fall Mirko Slomka. Der steht vor der Mannschaft gar wie eine Marionette da und verliert an Glaubwürdigkeit.

Fakt ist doch, dass das Potenzial der Hamburger deutlich über dem liegt, was sie gerade zeigen. Ob da ein neuer Trainer – nun übergangsweise U23-Coach Zinnbauer – hilft? Kurzfristig: ja, vielleicht. Trainerwechsel bringen immer eine gewisse Dynamik mit sich. Langfristig? Auf keinen Fall. Der HSV sollte sich endlich von innen heraus reinigen, dann mit neuem Elan starten. Er sollte eine Marschrichtung vorgeben, die gewünschten und passenden Personalien dafür verpflichten und dann Geduld haben. Rückhalt geben. Und nicht durch den Vertrauensentzug dem Trainer gegenüber allen restlichen Beteiligten ein leichtes Alibi verschaffen. Der HSV – jeder einzelne Mitarbeiter - muss endlich Verantwortung übernehmen.

Foto: picture alliance / nordphoto

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


eins × = 7

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>