Ein Heilsbringer, viele Fragezeichen

VfB Stuttgart

Ein Heilsbringer, viele Fragezeichen

17.08.2014 | 12:38 | Annette

“An diesem Kader werde ich mich messen lassen”, tönte Manager Fredi Bobic vor der vorangegangenen Saison. Große Worte. Große Erwartungen. Wie so oft beim VfB Stuttgart, wo Wunsch und Wirklichkeit nicht selten auseinanderklaffen. Deshalb schmerzte gerade Bobic die letzte Spielzeit so unglaublich. Am Ende Tabellenplatz 15. Beinahe-Abstieg. Er wollte sich an diesem Kader messen? Der Kader fiel durch. Auf ganzer Linie. Bobic tat gut daran, sich bei der Mitgliederversammlung vor zwei Wochen in Demut zu üben. Er entschuldigte sich, um den Druck rauszunehmen. Er entschuldigte sich, um seine Entscheidungen zu rechtfertigen.

Fakt ist, dass die Personalplanung beim VfB hinkt. Und das schon seit einigen Jahren. Spieler wie Abdellaoue, Macheda oder Audel – sie alle wurden geholt, sie alle blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Zu mehr als Ergänzungsoptionen taugten sie nicht. 2007 war das große Jahr des VfB Stuttgart, das mit dem Meistertitel gekrönt wurde. Stützen der Mannschaft wie Mario Gomez oder Sami Khedira wurden anschließend verkauft, mit dem Erlös die Schulden getilgt. Die wirtschaftliche Situation ist schwierig, trotzdem bleiben die Träume vom internationalen Geschäft bestehen. Da wären wir wieder beim Wunsch und bei der Wirklichkeit.

Bobic hat sein Lehrgeld bezahlt. Er musste von allen Seiten harte Kritik einstecken. Und das auch zu Recht. Gelernt hat der Verein daraus nicht. Präsident Bernd Wahler kündigte für die kommende Saison zwei bis drei Kracher an. Wie soll das funktionieren bei diesem runtergefahrenen Etat? Die Neuzugänge hören nun auf die Namen Adam Hlousek, Daniel Ginczek, Florian Klein, Filip Kostic und Oriol Romeu. Kracher? Naja. Wahler sprach sich außerdem für eine Rückkehr Kevin Kuranyis in der Winterpause aus. Bobic ist dagegen, ein Streit vorprogrammiert. Einigkeit sieht anders aus. Und auch eine wirkliche Vision für die Zukunft. “Furchtlos und treu” heißt der neue Slogan, der schon einige Kontroversen wegen seines nationalistischen Gehaltes auslöste. Doch mit einer Rückkehr von Stürmer Kuranyi trauert der Verein wohl eher einer glorreichen Vergangenheit nach. Damals, als der VfB noch in der Champions League kickte. Damals, vor etlichen Jahren.

Auch Neu-Alt-Trainer Armin Veh entstammt dieser positiven Erinnerung an eine Zeit, in der der VfB noch nicht im Niemandsland der Tabelle dümpelte. Veh gilt als Heilsbringer und setzte schon einmal richtige Zeichen. Entgegen dem ihm so üblichen Einjahresvertrag unterschrieb er für zwei Jahre. Dieser Mann scheint etwas vorzuhaben. Hoffentlich besinnt er sich auf die Stärken des VfB. Die lagen noch nie im Kauf von Stars, sondern in der Bildung eigener. Die Jugendabteilung ist das Herzstück des Vereins. Mit Rani Khedira wanderte ein Talent in Richtung Leipzig ab. Timo Werner konnte dagegen trotz Buhlens namhafter Vereine zunächst gehalten werden. Das Nachwuchszentrum wurde für einige Millionen Euro ausgebaut. Das ist mal eine gute Investition, so sollte die Zukunft des VfB aussehen. Und dann kommt auch wieder der Erfolg zurück, den der VfB so dringend braucht. Mit dem DFB-Pokal (0:2 Niederlage gegen Bochum) wird es ja nach dem gestrigen Samstag schon einmal nichts…

Foto: picture alliance/CITYPRESS 24

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