Müller, Selfie, Herzlichkeit

Deutschland vs. Portugal

Müller, Selfie, Herzlichkeit

17.06.2014 | 11:45 | Annette

Oh wie ist das schön! Poldi bekam sein Selfie mit der Kanzlerin, die außerdem noch mit einem gelösten Grinsen inmitten ihrer Bubis in der Kabine posierte, die Autokorsos hupten sich durch die Städte der Republik, und ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer ragte gen Himmel. Deutschland 4, Portugal 0. Unglaublich! Was wurde vor der Partie nicht alles diskutiert über die Verfassung der DFB-Elf, seit gestern Abend ist all dieses Gerede nichtig. Nach dem starken Spiel der Holländer gegen Spanien unterstrichen Jogis Jungs: Auch wir sind gekommen, um zu bleiben. Und wir sind eine eingeschworene Truppe.

Die erste Überraschung gab es bereits bei der Aufstellung. Im Vorfeld wurde darüber spekuliert, ob Löw mit Schürrle und Podolski auf den Flügeln beginnt. Alles Quatsch! Der Bundestrainer setzte auf die zuletzt schwächelnden Götze und Özil und hatte damit den richtigen Riecher. Die beiden rackerten unermüdlich. Götze holte den Elfmeter raus, den Müller sicher verwandelte. Beide kreativen Köpfe hätten ihre sehr gute Leistung mit einem Tor krönen können. Dafür war aber jener Müller zuständig, der bereits bei der WM in Südafrika die Trefferliste anführte. Er müllerte sich in Salvador zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten. Dieser Münchner ist einfach ein Pfundskerl. Als “falsche Neun” beschäftigte er die portugiesische Abwehr nach Belieben. Und wie cool er den Elfer einlochte! Das wurde irgendwann auch seinem Gegenspieler Pepe zu bunt, der nach einem Kopfstoß gegen den quirligen Bayern mit Rot vom Platz flog.

Germany v Portugal: Group G - 2014 FIFA World Cup Brazil

Insgesamt wirkte Portugal hilflos ob des munteren Offensivdrangs der deutschen Mannschaft. Mit nur 10 Mann hatten sich Ronaldo und Co. bereits ihrem Schicksal ergeben. Apropos Ronaldo: Der ward sehr wenig bis gar nicht mehr gesehen, der Shitstorm im Netz folgte. Anders Mats Hummels, der sich auch in die Torschützenliste einreihte. Und man mag es kaum glauben: Der wuchtige Kopfball resultierte aus einem STANDARD. Richtig, aus einem STANDARD! Löw wurde oftmals kritisiert, da die Chancen seines Teams nach einem ruhenden Ball so gut wie nicht vorhanden waren. Hummels trat den Gegenbeweis an, die Kritiker verstummten.

Nach seinem Treffer rannte der Innenverteidiger vom BVB zu seinem Vereinskollegen Durm und herzte ihn, woraufhin Hummels von der gesamten Ersatzbank getätschelt wurde. Einen weiteren Ah-Moment lieferte Sami Khedira, als er bei Özils Auswechslung seinen Bro fest drückte und ihm zu sagen schien: Das hast du ganz toll gemacht, Mesut! Das tat dessen geschundener Seele sichtbar gut. Und in die Zuneigungsbekundungen reihte sich gleich auch noch Löw ein, als er seiner Acht anerkennend auf die Schultern klopfte. Man mag an den Reaktionen nur erahnen, welche Last auf unserem Spielmacher lag. Auf Löws Herzlichkeiten kann sich Özil auch wirklich was einbilden. Ronaldo erhielt “nur” einen Handshake von Jogi. Und zwar mit der Hand, die kurz zuvor noch gründlich die Nase gesäubert hatte.

In der Kabine wurde dann einmal um die Wette gelacht mit dem überragenden Kroos und Angie, die ihrem Selfie-Partner Poldi kurz vor ihrem Abgang noch ins Ohr flüsterte, dass sie wiederkommen werde. Zum Finale. Poldi will unbedingt dieses zweite Selfie. Wir alle wollen ins Finale. Der erste Schritt nach Rio ist gemacht. Der nächste soll am Samstag folgen. Der Gegner: Ghana. Macht es nochmal, Jungs!

Fotos: Phil Walter/Getty Images; Matthew Lewis/Getty Images; facebook.com/LukasPodolski

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


sieben − = 4

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>