Höggschden Respekt, Herr Löw

Kommentar

Höggschden Respekt, Herr Löw

15.07.2014 | 4:53 | Annette

Die Kritiker sind verstummt. Endlich. Joachim Löw hat seine hervorragende Leistung beim DFB nach zehn Jahren gekrönt. Weltmeister! Der Titel ist da. Der vierte Stern glänzt auf dem Trikot. Die Lobeshymnen finden kein Ende. Der Triumph macht die talentierte Generation um Schweinsteiger, Lahm und Co. zu einer goldenen. Und Löw zu ihrem Architekten und Mastermind. Dabei musste sich der Schwarzwälder gerade im Vorfeld der WM viele negative Schlagzeilen gefallen lassen. Er sei zu stur und ihm fehle in den entscheidenden Momenten – siehe EM-Halbfinale 2012 – der richtige Riecher. Dass die deutsche Nationalmannschaft unter seiner Regie tollen, mitreißenden Kombinationsfußball zeigte, zweimal WM-Dritter und einmal EM-Zweiter wurde, zählte plötzlich nicht mehr. Sein Ansehen litt, und man fragte sich bei dieser Erfolgsbilanz eigentlich schon, warum. Ein Titelgewinn musste her, alles andere wurde in Fußballdeutschland als Niederlage gewertet.

Löw hat sich, vielleicht auch aufgrund der ganzen Zweifler und Nörgler, gerade bei dieser WM verändert. Er hat sich der Öffentlichkeit mehr entzogen denn je, wirkte aber ansonsten vollkommen entspannt und in sich ruhend. Unvergessen bleiben die Bilder des joggenden Bundestrainer am Strand und seine Kickpausen mit brasilianischen Kindern. Den Glauben an den Erfolg der Mannschaft strahlte Löw immer aus und gab das auch an sein Team weiter. Er hat alles richtig gemacht. Mit Lahm startete er auf der Sechser-Position, weil Khedira und Schweinsteiger noch nicht zu 100 Prozent fit waren. Hätte Letzterer so ein grandioses Finale spielen können, wenn er bereits in den ersten Gruppenspielen Körner gelassen hätte? Löw setzte außerdem Per Mertesacker auf die Bank und agierte nach Lahms Rückkehr in die Viererkette mit Hummels und Boateng als Innenverteidiger. Beide spielten eine überragende WM.
Löw zeigte, dass er nicht an einem Konzept klebt, sondern sich den Gegebenheiten und Entwicklungen des Turnierverlaufs anpassen kann. Im Finale wechselte er kurz vor Ende der regulären Spielzeit Mario Götze ein, der bei diesem Wettbewerb bislang nicht hatte überzeugen konnte. “Zeig ihnen, dass du besser bist als Messi”, gab er dem Jungen mit. Und der zahlte ihm das Vertrauen zurück. Beratungsresistent? Dickköpfig? Ein fehlendes Händchen für die richtigen Entscheidungen? Fehlanzeige.

Löw hat diesen Titel verdient, weil er sich immer auch selbst hinterfragt hat. Seine jahrelange akribische Arbeit hat sich ausgezahlt, auch Deutschland ist jetzt wieder Jogi-Land. Auf der Berliner Fanmeile wurde der Weltmeister-Macher nach der Rückkehr aus Brasilien mit Sprechchören empfangen. Die Herzen flogen dem Schwarzwälder nur so zu. Der Gefeierte genoss die Zuneigung sichtlich. Schade, dass dafür erst ein Titel nötig ist.

Foto: CLEMENS BILAN/AFP/Getty Images

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