Das Schweinsteiger-Phänomen

WM-Helden

Das Schweinsteiger-Phänomen

15.07.2014 | 2:34 | Natalia

Sollte es auf dieser Welt tatsächlich noch jemanden geben, der etwas gegen unseren Schweini hat: Hier aufhören zu lesen und lieber den Rest unserer Seite anschauen. Seid ihr Klose-Fans? Dann klickt hier. Aber lest um Himmels Willen nicht weiter. Was jetzt kommt, ist ein Lobgesang auf Bastian Schweinsteiger, bei dem wir gelegentliche Verklärung gerne in Kauf nehmen.

Wir können uns noch gut daran erinnern, wie wir den Namen Schweinsteiger zum ersten Mal hörten. Wie heißt der Typ? Haha, was für ein beknackter Name. Und was waren das noch für Zeiten, als die Superkumpel Poldi und Schweini gemeinsam bei Wetten, dass..? zu Gast waren und eine Mischung zwischen Coolness und Verlegenheit ausstrahlten. Das ist sechs Jahre her und fühlt sich mindestens doppelt so lang an. Die Beiden sind immer noch unzertrennlich, aber vor allem Bastian Schweinsteiger hat sich stark verändert. Die weißen Zuhältertreter hat er inzwischen gegen stilsichereres Schuhwerk getauscht, und die Vokuhila-Frisur mit blondierten Spitzen ist einem praktischen Kurzhaarschnitt mit deutlich ergrauten Partien gewichen. Wir sagen: eine gute Entwicklung.

Und auf dem Platz? In der vergangenen Saison wurde der FC Bayern wieder einmal Deutscher Meister. Mit Schweini, versteht sich. Doch schon länger wird gemunkelt, der Mittelfeldstar passe nicht mehr so recht zur von Guardiola vorgegebenen Spielweise, fühle sich nicht mehr richtig wohl in München. Nach eigenen Angaben stand er bereits mehrfach kurz vor einem Wechsel. Nun ist Schweini mit 29 Jahren nicht mehr der Allerjüngste, aber die WM dürfte seinen Marktwert trotzdem gesteigert haben.

Was war denn da los? Nachdem er im Vorfeld der WM wochenlang an einer Sehnenreizung herumlaboriert hatte und nicht in Topform angereist war, gehörte er in den ersten Spielen nicht zur Startelf. Schweini! Später zeigte sich aber, dass sich die Schonung gelohnt hatte, denn er kämpfte sich zurück und spielte ein Finale, das ihn für immer unvergessen machen wird. Bastian Schweinsteiger wurde weggetreten, angerempelt, umgenietet, elfmeterreif gefoult. Das tat weh, das zehrte. Durch den Ausfall Khediras wurde er umso mehr in die Mangel genommen. Aber Schweini stand immer wieder auf, schließlich hatte er eine Mission. Krämpfe plagten ihn längst, aber er machte weiter, immer weiter. Spätestens als er in der Nachspielzeit von Sergio Agüero einen ordentlichen Schlag ins Gesicht abbekam, blutete und getackert werden musste, roch alles nach Auswechslung. Da konnte unmöglich noch etwas gehen. Nix da! Wir haben Pereira zu früh gelobt, denn gegen unseren Schweini ist er ein Anfänger, ein Waisenknabe, eine Memme. “Schweinsteiger verewigt sich als Ironman” titelte die Süddeutsche Zeitung. Zu Recht.
Als Lionel Messi in allerletzter Sekunde noch einen Freistoß auszuführen hatte, lag die sich krümmende deutsche Nummer 7 im Weg. Und musste sich woanders weiterkrümmen. Gute Güte, wie sehr kann man etwas wollen? Man kann kaum etwas mehr wollen als Bastian Schweinsteiger den Weltmeistertitel. Für diesen hat er noch das Allerallerletzte aus sich herausgeholt und ist so zum verdienten Sinnbild des unbändigen Siegeswillen geworden. Wir verneigen uns vor dir, Basti! Das WM-Finale 2014 hat dich zu einer lebenden Legende gemacht. Von dir, diesem Fußballabend und deinen Tränen der Erleichterung werden wir noch unseren Enkeln erzählen.

Foto: Robert Cianflone/Getty Images

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


4 × = dreißig sechs

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>