Ginter: Immer dabei, aber (noch) außen vor

Star-Porträt

Ginter: Immer dabei, aber (noch) außen vor

14.11.2014 | 12:22 | Annette

Diesen Sommer wird Matthias Ginter nicht vergessen: Als jüngster Akteur der deutschen Nationalmannschaft wurde der Abwehrspieler in Brasilien Weltmeister. Eine Einsatzminute konnte der gebürtige Freiburger zwar nicht verzeichnen, aber damit hat er auch nicht gerechnet. “Ich wusste das schon vor dem Turnierstart richtig einzuordnen. Für mich war es eine Riesensache, überhaupt dabei gewesen zu sein”, freute er sich. Ginter verfügt eben über eine gesunde Selbsteinschätzung. Nur eine seiner vielen Stärken.

Das Sommermärchen endete für Ginter nicht mit dem Rückflug von Rio de Janeiro. Denn kaum war er gelandet, wurde sogleich ein zweiter Kindheitstraum des Kickers wahr: Er unterschrieb bei Borussia Dortmund und wechselte in den Pott. Sein Glück kann er noch fast nicht fassen: “Ich war immer ein großer BVB-Fan und darf nun das Trikot meines Lieblingsvereins tragen.” Die Konkurrenz ist groß: In der Innenverteidigung kämpft er mit den Nationalspielern Mats Hummels, Neven Subotic und Sokratis um einen Stammplatz. Kein leichtes Unterfangen, und bis jetzt zieht er den Kürzeren. Absolvierte er zu Beginn der Saison noch drei Spiele über 90 Minuten in der Mannschaft, sitzt er nun überwiegend auf der Bank. Und das, obwohl Hummels aufgrund einer Verletzung ausfällt und Subotic nach seinem Kreuzbandriss immer noch nicht zu alter Stärke zurückgefunden hat. Klopp schätzt zwar Ginters Spieleröffnung und -intelligenz, baut aber dennoch in der momentan schwierigen Phase des BVB auf seine erfahrenen Akteure. Für Ginter kein Problem: “Es war doch klar, dass es anfangs schwierig wird auf diesem Niveau. Die Umstellung ist groß”. Da wäre sie wieder, die Bescheidenheit und Bodenständigkeit, die den Freiburger auszeichnen.

Diese Eigenschaften paart er mit einer großen Portion Ehrgeiz. Nicht von ungefähr kommt es, dass er mit gerade einmal 18 Jahren sein Bundesliga-Debüt für den SC Freiburg gab, nach seiner Einwechslung direkt traf und damit zum jüngsten Torschützen der Vereinsgeschichte wurde. Nicht von ungefähr kommt es auch, dass er 2012 vom DFB mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold als Bester seines Jahrgangs ausgezeichnet wurde, nur ein Jahr später als bester U19-Spieler noch einmal. Und zu seinem Werdegang passt es auch, dass er nach der erfolgreichen Weltmeisterschaft frühzeitig zum Trainingslager seines neuen Clubs in die Schweiz anreiste. Da will es einer wissen.

Matthias Ginter wirkt unverkrampft und ist flexibel einsetzbar. Er kann sowohl in der Abwehr als auch im defensiven Mittelfeld auflaufen und hält damit einen großen Trumpf in seinen Händen. Macht er so weiter wie bisher, wird seine Zeit kommen. Beim BVB und in der Nationalelf. Beim EM-Quali-Spiel gegen Gibraltar steht er erneut im Aufgebot von Bundestrainer Jogi Löw. Nach dem Ausfall von Hummels und dem Rücktritt von Per Mertesacker hat er nun sogar Chancen, neben Jérôme Boateng von Beginn an aufzulaufen. Dann wäre er nicht nur dabei, sondern auch einmal mittendrin.

Foto: www.facebook.com/matthiasginter

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