Peter Brugger: Ball, Bier und Busen

Interview

Peter Brugger: Ball, Bier und Busen

12.05.2014 | 6:53 | Annette

Bald rollt der Ball in Brasilien, die besten Kicker der Welt kämpfen um den Titel. In Deutschland wird die Euphorie ins Unermessliche steigen und Millionen von erwartungsfrohe Fußballanhänger auf die Fanmeilen locken. Neben Bier und einem schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer wird beim großen Happening auch die inoffizielle Nationalhymne “54, 74, 90, 2006 (2010)” nicht fehlen. Die Sportfreunde Stiller und der Fußball, der Fußball und die Sportis – das gehört einfach zusammen. Deshalb haben wir mit Sänger Peter Brugger über sabbernde Bandkollegen, krankhafte Fußballleidenschaft und natürlich das Turnier am Zuckerhut gesprochen.

Die Spielerfrau: Ihr seid bereits seit Monaten auf großer „New York, Rio, Rosenheim-Tour“. Was war dein persönliches Highlight?
Peter: Es ist immer schwer, ein Konzert rauszupicken, weil die ganze Tour gerade großen Spaß macht. Aber unseren Auftritt letzten Sommer beim Wiener Donauinselfest hab’ ich in sehr guter Erinnerung, weil da einfach alles gestimmt hat. Ein lauer, ja fast schon subtropischer Sommerabend, und wir spielten als Headliner vor 90 000 Menschen, die jeden Ton von uns gefeiert haben. Leicht debil grinsend vor ungläubiger Begeisterung standen wir drei auf der Bühne und genossen es einfach nur.

Die Spielerfrau: Was ist für dich die größte Herausforderung, wenn du „on the road“ bist?
Peter: Ich finde es extrem schwierig, den Tagen eine Struktur zu geben und sie schön und entspannt zu gestalten. Einerseits find’ ich es wichtig, mich aufs Konzert am Abend gut vorzubereiten und einzustimmen, und andererseits ist es gut, sich auch mal geistig mit anderen Dingen zu beschäftigen beziehungsweise die Birne freizukriegen. Das ist oft gar nicht so leicht. Und dann ist da auch noch das Platzproblem. Man hat selten einen Raum für sich, und selbst im Schlaf hört man noch die anderen schnarchen oder sabbern. Das stellt die Freundschaft und Toleranz auf jeden Fall auf eine große Probe.

Die Spielerfrau: Mal angenommen, eine andere Band würde dich für eine Ablösesumme von 10 Millionen Euro abwerben wollen. Würdest du Ja sagen?
Peter: Das kommt natürlich auf den Verein … äh, die Band an. Sagen wir mal, die “Foo Fighters” wollen mich oder “Muse”, das wäre für mich ungefähr so wie der FC Barcelona oder Real Madrid rufen an, dann könnte ich schwer nein sagen. Ich würde vorschlagen, ich nehm’ die Kohle und mach’ eine Platte mit denen und dann wieder mit den Sportfreunden. Geht doch, oder? Und in echt find’ ich es toll, dass es sowas wie “Ablösesummen” und übertrieben gesagt “Menschenhandel” in der Musik nicht gibt. Schön ist es, dass Musiker sich austauschen, und wenn das Gefühl füreinander stimmt und eine Idee im Raum steht man sich für ein Projekt zusammentut, was im optimalen Fall wieder die eigene Musik beeinflusst und inspiriert.

Die Spielerfrau: Du bist Musiker und gleichzeitig großer Fußballfan. Wer hat denn nun den härteren Job: Musiker oder Fußballer?
Peter: Das kann ich schwer beurteilen, da ich es leider aus unerfindlichen Gründen nie zum Fußballpro gebracht hab’. Ich kann mir vorstellen, dass wir Musiker ein freieres Leben haben. Wir können zum Beispiel feiern und trinken und das sogar während der Arbeit. Auf der anderen Seite ist es manchmal leichter, wenn dein gesamtes Leben durchgeplant ist und du dir keine Gedanken machen musst, woher die Inspiration für neue Lieder kommt. Allerdings muss der Druck der Fußballer immens sein, wenn sie jedes Wochenende Topleistung abrufen müssen. Trotzdem wär’ ich schon gerne die Nummer 10 beim FCB und würde den Druck mit einem fulminanten Seitfallzieher in den Winkel entladen. Peng!!

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Die Spielerfrau: Wie stark würdest du deine Fußballbegeisterung auf einer Skala von 1 (Gelegenheitsfan) bis 10 (totaler Freak) einordnen, und warum?
Peter: Ich steh’ ganz klar bei 11. Völlig kaputt! Krankhaft überbegeistert. Meine Stimmung steht und fällt mit der Tatsache, ob es am Tag ein tolles Spiel gibt oder nicht. Ist das Sucht? Nee, oder?! Einfach nur große, große, große Liebe, wie Pep es formulieren würde.

Die Spielerfrau: Peter, du bist Bayern-Fan, dein Kollege Flo ist 60er, wer von euch beiden ist der zufriedenere Anhänger?
Peter: Als noch amtierender Triplesieger bin ich natürlich rundum zufrieden, und Flo leidet gelegentlich schon sehr. Selbst ich wünsche den Löwen und Flo den Bundesligaaufstieg, aber so wie’s ausschaut dauert das noch ein wenig. Natürlich könnte ich jetzt anfangen mich zu ärgern und traurig zu sein über das Ausscheiden der Bayern in der Champions League, aber ich hab’ keinen Bock auf diese “immer mehr”- Einstellung. Meister, CL-Halbfinale und Pokalfinaleinzug ist aller Ehren wert, und ich danke den Bayernspielern für all die wunderbaren Momente in den letzten Jahren. Head up, Boys!

Die Spielerfrau: Im Sommer steht mit der WM in Brasilien das nächste Fußball-Großereignis vor der Tür. Wenn du Bundestrainer wärst, auf welche drei Spieler würdest du auf keinen Fall verzichten? Welche Überraschungen würden wir in deinem Aufgebot finden?
Peter: Neuer is ja eh klar, deswegen zählt der nicht. Lahm, Schweinsteiger und Müller sind für mich unverzichtbar und im Großen und Ganzen bin ich mit Jogi Löw als Bundestrainer schon sehr zufrieden. Meine Überraschung wäre die Nominierung von David Alaba, dessen bayerische Oma plötzlich aufgetaucht ist und er somit mit seiner “1/8- Deutschstaatsbürgerschaft” spielberechtigt wäre. Die Lösung der wohl einzigen Problemposition im Team.

Die Spielerfrau: 2006 legte DJ Asamoah überwiegend Xavier Naidoo in der Kabine auf, 2010 brachte DJ Khedira Bushido ins Spiel. Welche Songs kämen bei dir aus den Boxen?
Peter: “Sabotage” von den Beastie Boys, um den WM-Titelplan der Brasilianer, Italiener und Spanier zu durchkreuzen. “Always Love” von Nada Surf für den nötigen Teamgeist, und “Karma Police” von Radiohead, um all die höheren Mächte auf unsere Seite zu ziehen.

Die Spielerfrau: Welchen Spieler hälst du auf internationaler Ebene für überbewertet?
Peter: Ich finds irre, dass für Spieler wie Bale oder Neymar Summen bezahlt werden von ca. 100 Millionen. Ich frag’ mich, wie die “armen Schweine” mit dieser Bürde und Erwartungshaltung umgehen sollen. Und was könnte man stattdessen mit diesem fetten Batzen Geld für tolle soziale Projekte aufziehen. Nahrung, Fußballplätze und Bildung für alle!

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Die Spielerfrau: WM-Zeit ist Public-Viewing-Zeit. Und auf den Fanmeilen wird mit Sicherheit wieder “54, 74, 90, 2006 (2010)” rauf und runter laufen. Freust du dich noch, den Song zu hören, oder gehst du dann währenddessen doch lieber Bier holen?
Peter: Ich freu mich beim Bierholen. Ich werde das Lied immer mögen, da damit für mich und uns als Band unglaubliche Bilder, Erlebnisse und Erinnerungen verknüpft sind. Wieviele Menschen bei friedlicher und freudiger Atmosphäre mit unserem Lied gefeiert haben, ist einfach unvergesslich und wunderschön. Ich hoffe, diesmal gibts auch wieder viel zu feiern. Es wird halt einen kleinen rhythmischen Ruckler geben bei 2014. Viel Spaß beim Singen. Wir halten uns zurück, müssen ja schließlich Bier holen …

Die Spielerfrau: Apropos Bier. Was gehört für dich zum perfekten Fußballabend dazu?
Peter: BBB: Ball, Bier, Busen … harharhar! Ich mags am liebsten mit Freunden(-innen), Grill, Weißbier oder Spezi und einem fetten HD-Bildschirm unter freiem Sommerhimmel. Herrlich!

Die Spielerfrau: Mit „You have to win Zweikampf“ habt ihr 2006 ein reines Fußballalbum veröffentlicht. Wird es einen Nachfolger geben?
Peter: Nee. Das war damals im wahrsten Sinne eine Schnapsidee und wir hatten größte Freude daran, elf Lieder rund ums Thema “das runde Leder” zu schreiben. Eine Wiederholung stell’ ich mir anstrengend vor und kann nur ein fader Abklatsch werden. Wobei, wir könnten ja die Seite der Spielerfrau beleuchten …

Die Spielerfrau: Zum Abschluss, Hand aufs Herz: Wer wird Weltmeister?
Peter: Mit dem Herz in der Hand und der Leidenschaft im Bein werden wir …

Mehr zu den Sportfreunden und ihren Festivalterminen findet ihr auf www.sportfreunde-stiller.de!

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