Ich bin Weltmeister, holt mich hier raus!

Post-WM-Tristesse

Ich bin Weltmeister, holt mich hier raus!

11.12.2014 | 10:50 | Annette

Fünf Monate sind seit dem Erfolg vom Maracanã vergangen. Fünf Monate seit dem Gewinn des vierten Sterns. Wir sind Weltmeister! Und werden im Moment durch die Jahresrückblicke wieder an die unglaublichen Szenen dieser WM in Brasilien erinnert. Ein Hoch auf uns! Während für Spieler wie Toni Kroos oder Mario Götze der Triumphzug in der neuen Saison so weiterging, wie er in Rio endete, folgte für die Kicker des BVB auf Jubel, Trubel, Heiterkeit die totale Tristesse. Dann gibt es da aber auch Weltmeister, die in ihren Vereinen gar nicht mehr zum Zug kommen und unzufrieden sind. Was ist passiert?

Zugegeben: Lukas Podolskis Beitrag zum WM-Titel war nicht unbedingt spielerischer Natur. Seine Leistung auf dem Platz konnte er nicht zeigen, und Spieler wie André Schürrle liefen ihm als Joker den Rang ab. Viel wichtiger war jedoch seine Präsenz am Rande des Spielfeldes. Er verkörpert den Teamgedanken wie kaum ein anderer Kicker in der Nationalmannschaft. One Nation. One Team. One Dream. Lukas Podolski ist ein Aushängeschild dieses Mottos. Und deshalb zu Recht Weltmeister. Doch auch bei Arsenal London spielt er in den Planungen keine Rolle mehr. Bankdrücker in Brasilien? Okay. Bankdrücker im Liga-Alltag? Damit kann und darf sich Podolski nicht zufrieden geben. “Ich bin kein Hanswurst”, bewertete er seine schwierige Situation. Den Vertrag, der noch bis 2016 läuft, auf der Tribüne abzusitzen, kommt für den Kölsche Jung’ nicht infrage. Doch Spielpraxis darf er nur noch selten sammeln. Trotz einiger Verletzter ist Podolski für Arsène Wenger scheinbar keine Alternative mehr für den Angriff (bei der Champions-League-Partie gegen Istanbul am vergangenen Dienstag durfte er mal wieder ran und erzielte zwei Treffer). Poldi muss wechseln, wenn er bei der EM 2016 eine Chance auf eine Nominierung haben möchte. Angeblich buhlt Inter Mailand um die Gunst des Stürmers. Bis jetzt sträubt sich Wenger noch gegen einen Verkauf. Er sagte: “Ein Wechsel ist keine Option”.  Sobald das Transferfenster im Winter wieder geöffnet ist, wird es bei Podolski um seine Zukunft gehen.

Nur noch eine Joker-Rolle hat auch Miroslav Klose bei Lazio Rom inne. Der WM-Rekordtorschütze, der nach dem Triumph von Rio schweren Herzens seine Karriere im DFB-Trikot beendete, ist zwar schon 36 Jahre alt, so hat er sich die Saison allerdings nicht vorgestellt. Er kommt nur noch zu Kurzeinsätzen. Von einem Wechsel möchten die Verantwortlichen des Vereins nichts hören, doch auch Klose ist unzufrieden. Wenn er fit ist, möchte er spielen. Sollte das bei Lazio nicht mehr möglich sein, wird auch er sich Gedanken machen. Ein Weltmeister sitzt nicht gerne auf der Bank.

Dieses Schicksal hat nun ebenfalls Roman Weidenfeller getroffen. Dass er beim Turnier am Zuckerhut keine Einsatzminute bekommen würde, war dem Torhüter bewusst. Dass es ihn nun in Dortmund trifft, hätte die ursprüngliche Nummer eins nicht für möglich gehalten. Die unglaubliche Krise der Borussia führte zu unvorhersehbaren Entscheidungen von Jürgen Klopp. Sein Bauchgefühl hat den Trainer nicht im Stich gelassen. Kaum stand Mitch Langerak zwischen den Pfosten, konnte der BVB wieder gewinnen. Das lag nicht unbedingt am Torwart, aber seinen Platz hat der Australier wohl erst einmal sicher. Weidenfeller hat seine Reservistenrolle – für den Moment – akzeptiert. Der Verlauf der Saison wird auch ihm zeigen, ob er in Dortmund noch eine Zukunft hat. Sonst heißt es sicherlich auch für Weidenfeller nur wenige Monate nach dem Wahnsinns-Finale gegen Argentinien: Ich bin Weltmeister, holt mich hier raus!

Foto: www.twitter.com/RNBVB

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