Arsch auf Eimer

Matthias Sammer und der FCB

Arsch auf Eimer

07.12.2014 | 2:00 | Kerstin

Läuft bei ihm. Außenstehende würden ihm das vermutlich umgehend attestieren (klammern wir Aki Watzke aus). Rundum zufrieden muss dieser Typ doch sein: Als Spieler und Kurzzeit-Trainer gewann er die großen europäischen Titel und als Funktionär nimmt er beim FCB seit Juli 2012 zunehmend Fahrt auf.

Nun, gewissermaßen kann er aber als die personifizierte Grätsche der Fußball-Bundesliga gelten. Die Medien schreiben ihm einvernehmlich die Rolle des Mahners, des Moralapostels, des Dauerkritikers, des Motzers zu. Andere bescheinigen ihm gar dramaturgische Fähigkeiten. Er sei eine „Art Theaterdirektor Striese im Fußballformat“ und versuche „der Dauerinszenierung Bayern München noch zusätzliche Dramatik zu verschaffen.“ Ein Trommler soll er gar sein: „ohne das Schlagen der Trommel droht Bedeutungsverlust. Da bläst man Rauch wo kein Feuer.“

Die Rede ist von the one and only Matthias Sammer. Wer denn auch sonst. Erst kürzlich wurde sein 2015 auslaufender Vertrag beim FC Bayern München verlängert (bis 2018) und er prophezeite verheißungsvoll: „Ich verspreche, dass ich mit der gleichen Leidenschaft und Intensität, mit der ich diese Aufgabe bislang erfüllt habe, weiter machen werde.“ Diese Leidenschaft und Intensität kann für den Rest der Liga unangenehm werden. Der Chefkritiker verteilt gerne öffentlich Ratschläge an andere Vereine, wirft ihnen schon mal vor, dass sie falsch trainieren. Austeilen kann er. Nach Ende seines Engagements als Sportdirektor beim DFB ließ er beispielsweise auch verlauten, dass man für diesen Posten einen „guten Idioten” finden müsse. Der DFB zeigte sich not amused und Jogi Löw konterte nur mit einem Schmunzeln: „Dann kann er ja zurückkommen.“ Man mag Sammer in solchen Momenten fehlendes Taktgefühl bescheinigen und sich denken „kann man machen, muss man aber nicht“ – Sammer, die personifizierte Grätsche.
Vereinsintern lässt er die gleiche Philosophie walten. Nahezu jedes Training schaut er sich an, beobachtet alles genau – und ist der Erste, der mahnt, wenn er Schlendrian wittert, und fordert, dass die Mannschaft bei Verletzungssorgen nicht ins Weinerliche verfällt. Über seine Position sagt er: „In der Mannschaft wirken, den Trainer schützen, organisieren. Mehr ist nicht wichtig. Ich habe kein Machtbestreben. Ich will nur Titel holen.“ Dabei ist er sich seiner Ecken und Kanten bewusst, sagt aber auch: „Arroganz ist aber maximal die Wirkung.“

Nun scheint aber der halbe Fußball-Kosmos sein Wesen in die Schublade arrogant, unnahbar und aufgesetzt zu stecken. So wie der FCB nun auch mal gerne in diese Schublade gesteckt wird. Arsch auf Eimer mag man sich da denken. Dass Sammer durchaus menschliche Züge aufzeigt, beweist sein Verhältnis zu Udo Lattek, der für ihn wie eine Vaterfigur ist und welcher ihm gerade nach seinem jungen Karriereende zur Seite stand. Menschlichkeit offenbart auch eine Anekdote aus seiner Kindheit, als der in der DDR aufgewachsene Sammer, seine ersten adidas-Schuhe bekam und sie daraufhin zwei Wochen lang mit ins Bett nahm: „Nach zwei Jahren sahen die immer noch aus wie neu. Ich habe die drei Streifen jeden Tag poliert.“ Er kann eben auch als Vorreiter im deutschen Fußball gelten, den seine große Liebe zu diesem Sport auszeichnet. Und der eine gewisse Philosophie verfolgt. Das mag die Philosophie des Trommlers sein, aber auch seine Grundsätze, wie beispielsweise seine klaren Vorstellungen zur Kontinuität von Trainern.

Man mag ihm auf die Schulter klopfen und sagen, es schaut doch gut aus: In seinem ersten Jahr bei den Münchnern wurde er FCB Triple-Sieger, aktuell führt der Verein die Tabelle mit 36 Zählern an und konnte sich an diesem Spieltag auch gegen die Werkself behaupten. Auf der Jahreshauptversammlung konnten zudem jüngst Rekorde verkündet werden: Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden 528, 7 Millionen Euro umgesetzt und der Klub zählt nun 251.315 Mitglieder. Sammer will mehr. Der Verein auch. Arsch auf Eimer eben.

 

Foto: http://instagram.com/p/vlLHmSkqAD/?modal=true und http://instagram.com/p/vnpDGZEqJQ/?modal=true

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


1 × = neun

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>