Mesut Özil: Das Genie am Pranger

Kommentar

Mesut Özil: Das Genie am Pranger

07.07.2014 | 4:33 | Annette

Mesut Özil wird sehr gerne kritisiert. Dafür, dass er die Hymne nicht mitsingt. Dafür, dass er seine Schultern zu oft hängen lässt. Dafür, dass er zu wenig redet. Von Mesut Özil wird sehr gerne sehr viel erwartet. Dass er den Ball im Netz versenkt. Dass er die Pässe in die Tiefe spielt. Dass er die Stürmer mit Flanken versorgt.

Das klappt bei dieser WM noch nicht wie gewünscht: Erwartungen nicht erfüllt = die Kritiker fühlen sich bestätigt. Wenn man Mesut Özil in diesen Tagen in Brasilien so sieht, dann möchte man ihm am liebsten zuflüstern: Kopf hoch, Junge! Er ist einer, der den Unterschied ausmachen kann. Der geniale Ideen hat und diese dann auch umsetzt. Er ist der kreative Kopf in der Mannschaft. Durch den Einsatz von Toni Kroos in der Mitte muss Özil nun aber von außen agieren. Das liegt ihm nicht wirklich. Da wird das Genie der Wirkungskraft beraubt, Räume zu öffnen.

Nach dem Spiel interessiert das aber niemanden mehr. Es interessiert auch nicht, dass er durchaus gute Szenen in diesem Turnier hatte. Zum Beispiel sein Hackentrick, der zum Elfmeter und damit zur Vorentscheidung gegen Portugal führte. Was Mesut Özil macht, ist nie genug. Weil man weiß, dass da noch so viel mehr in ihm schlummert. Diese Wertung ist ungerecht, aber wohl die Krux eines außergewöhnlichen Spielers. Fest steht: Ein genialer Moment gegen Brasilien kann die Tür zum Finale ganz weit öffnen. Mehr ist nicht nötig. Auch nicht für Mesut Özil.

Fotocredit: Getty Images Sport – Matthias Hangst

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