Wiesn-Rausch und Post-WM-Tristesse

Spieltagsanalyse

Wiesn-Rausch und Post-WM-Tristesse

06.10.2014 | 10:22 | Annette

Es war ein ganz besonderes Siegerfoto, das Robert Lewandowski nach dem 4:0-Sieg der Bayern gegen Hannover machte. Der Stürmer, der seinen ersten Doppelpack für die Münchner erzielte, begab sich nach dem Schlusspfiff zu seiner Familie und zu seinen Freunden und schoss mit breitem Grinsen ein Selfie. Es läuft bei den Bayern. Sie marschieren und marschieren. Und haben den etwas holprigen Start in die Saison nach der WM in Brasilien erfolgreich überstanden. So konnte es sich Pep Guardiola leisten, die Weltmeister Boateng, Götze und Müller erst einmal auf der Bank zu lassen. Lewandowski richtete die frühe Führung (6. Minute). Und dann glänzte da noch Arjen Robben, kombinierte nach Belieben und freute sich über zwei Tore. Da konnte der traditionelle Wiesn-Besuch am Sonntag kommen. Und Manuel Neuer hatte dort wahrscheinlich mehr mit Maß und Breze zu tun, als am Tag zuvor in der Allianz Arena.

Tristesse herrscht dagegen in Dortmund. Zu Hause verlor Klopps Team gegen den HSV mit 0:1. In der Abwehr machen die Schwarz-Gelben zu viele Fehler. Nach vorn fehlt die Durchschlagskraft. Zu allem Übel verletzte sich nun auch noch Marcel Schmelzer und fällt vier Wochen aus. Ein weiteres Mitglied in der langen Liste der angeschlagenen Kicker. Langsam gehen Klopp die Spieler aus. Und die, die noch auf dem Platz stehen, sind müde und nicht in Topform. Der Trainer weiß genau: „Es ist keine Einstellungssache. Es ist keine Qualitätsfrage.“ Der BVB geht am Stock. Der Hamburger SV feierte dagegen seinen ersten Sieg in dieser Saison. Lasogga erzielte den Treffer und konterte damit die Kritik von Ex-HSVler Uli Stein, der den Stürmer noch unter der Woche hart anging. Vorbereitet wurde der Treffer vom überragenden Nicolai Müller. Bringt der Triumph Hamburg auf die Erfolgsspur zurück?

Wie euphorisiert waren die Schalker Spieler nach dem Derbysieg am vergangenen Wochenende! Den ersten Dämpfer gab es bereits unter der Woche, als die Knappen in der Champions League nicht über ein Unentschieden gegen Maribor  hinauskamen. Am Samstag gab es nun eine 2:1-Niederlage gegen Hoffenheim. Das Schalker Problem? Zu viele Fehler, zu große Lücken, und ein zu körperloses Spiel. So verteidigt keine Spitzenmannschaft. Dazu flog Matip auch noch mit einer gelb-roten Karte vom Platz. Die Hoffenheimer präsentierten sich dagegen stark und bleiben mit dem 2:0-Sieg ungeschlagen.

Schönen Offensivfußball gab es in der Partie zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Köln zu sehen. Am Ende durften die Zuschauer fünf Tore bestaunen, die Eintracht gewann mit 3:2. Den besseren Start erwischten die Kölner, die munter nach vorn marschierten und die Hessen damit überraschten. Marcel Risse erzielte das 1:0. In der zweiten Halbzeit fanden die Frankfurter dann besser ins Spiel. Der Lohn? Alexander Maier traf zunächst zum Ausgleich, bevor er zum 2:1 einnetzte. Köln bäumte sich noch einmal auf, schaffte das 2:2, doch die Hessen schlugen nach einer Standardsituation zurück und markierten den Siegtreffer. Thomas Schaaf war zufrieden: „Es war sehr unterhaltsam und zu keiner Sekunde langweilig.“

Es war ein besonderes Spiel für Roger Schmidt. Mit Bayer Leverkusen traf er auf Paderborn, für die er früher aktiv war. Bayer trat mit Rückenwind aus dem Benfica-Spiel an, doch ein kapitaler Fehler von Leno ermöglichte Paderborn die 1:0-Führung. Nach dem Rückstand übte Leverkusen jedoch Druck aus. Kießling hatte vor der Pause eine Großchance, bevor Lars Bender mit einem Abstauber nach einem Schuss von Neu-Nationalspieler Karim Bellarabi zum Ausgleich traf. Obwohl Paderborn 20 Minuten vor Schluss Marvin Bakalorz verlor, der nach einem harten Einsteigen von hinten die rote Karte sah, versteckte sich das Team von André Breitenreiter nicht und schaffte in der 87. Minute sensationell den Führungstreffer. Leverkusen schlug zurück und egalisierte durch Bellarabi. Endstand? 2:2. Paderborn meldete sich nach zwei Niederlagen eindrucksvoll zurück. Breitenreiter sagte nach dem Spiel: „Wir können stolz sein auf diese Leistung.“

Die Bilanz von Robin Dutt und Werder Bremen war bereits vor diesem Spieltag schlecht. Sechs Spiele, drei Punkte, kein Sieg. Das änderte sich auch nicht wesentlich nach dem Spiel gegen den SC Freiburg, das mit einem 1:1-Unentschieden endete. Nun blickt Dutt auf sieben Spiele, vier Punkte und immer noch keinen Sieg zurück. Werder Bremen rutscht damit auf den letzten Tabellenplatz ab. War das Spiel gegen seinen Ex-Club sein letztes an der Weser? Die Zukunft von Dutt in Bremen scheint unsicherer denn je. Thomas Eichin betonte zwar: „Ich glaube fest daran, dass wir das Ding umbiegen können.“ Aber Vertrauensbekundungen im Fußballgeschäft haben oftmals wenig Bestand.

Nicht besser läuft es beim VfB Stuttgart. Nach dem Unentschieden gegen Dortmund und dem Sieg gegen Hannover gingen die Schwaben mit ordentlich Selbstbewusstsein ins Spiel gegen Berlin. Doch in der Hauptstadt scheiterte das Team von Armin Veh nicht nur an Salomon Kalou, sondern auch an sich selbst. Der VfB-Trainer sagte nach dem Spiel: „Man kann ein Spiel nicht gewinnen, wenn man solche Fehler macht.” Denn während das Team in der ersten Halbzeit nach dem frühen Führungstreffer zu harmlos auftrat und zu keiner weiteren nennenswerten Torszene kam, vergab es im zweiten Durchgang einige gute Möglichkeiten.

Beim Spiel zwischen Gladbach und Mainz ging es um den zweiten Tabellenplatz. Dementsprechend stürmten die Fohlen voran und erzielten durch Nationalspieler Max Kruse in der 15. Minute den Führungstreffer. Jonas Hofmann schaffte jedoch durch einen äußerst umstrittenen Handelfmeter den 1:1-Ausgleich. In der zweiten Halbzeit flachte die Partie ein wenig ab. Man merkte den Gladbachern die Doppelbelastung mit der Euro League durchaus an. Trotzdem hatte zum einen Hazard kurz vor Schluss noch die große Möglichkeit zum Siegtor, und zum anderen scheiterte Raffael fünf Meter vor dem leeren Tor.

Ein zähes Spiel gab es zwischen dem VfL Wolfsburg und dem FC Augsburg. Fazit für die Wolfsburger nach der Partie? Hauptsache drei Punkte. Das Tor des Tages erzielte Innenverteidiger Naldo in der 58. Minute. Die Augsburger konnten mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein, hatten sie doch einige Großchancen liegengelassen. Dementsprechend bilanzierte FCA-Coach Weinzierl nach dem Spiel: „Wir sind sehr enttäuscht.“ Dieter Hecking hat dagegen mit seiner Mannschaft die Champions-League-Plätze im Visier.

Alle Ergebnisse des 7. Spieltag findet ihr hier.
Die aktuelle Tabelle gibt es hier.

Foto: picture alliance / AP Photo

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