Tradition schießt keine Tore

Bundesliga

Tradition schießt keine Tore

04.11.2014 | 2:01 | Kerstin

Die Liga schreibt wieder einmal die wildesten, abenteuerlichsten, absurdesten, dramatischsten, traurigsten und schönsten Geschichten. Doch was lehren uns die vergangenen Spieltage der aktuellen Saison? Und warum ist die Liga trotz Bayern-Dominanz noch immer spannend?

Die Bayern sind nicht zu stoppen. Das ist sicherlich die erste Lehre, die sich schon früh abzuzeichnen begann. Zwar stahl dem Riesen aus dem Süden unter anderem ausgerechnet der erschöpfte Dino aus Hamburg zwei Punkte, doch geschlagen hat sie noch niemand. Weder was das Sportliche, noch was die eher unsportlichen öffentlichen Äußerungen eines gewissen Herrn Rummenigge angeht, sind die Münchner aufzuhalten. Letzteres ist übrigens auch etwas, das wir in dieser Saison bereits lernten: Kommunikation funktioniert nicht immer so wie sie sollte – ob das Thema nun Reus oder Calhanoglu oder wie auch immer heißt! Und was das betrifft, wurde auch aus der vergangenen Saison nicht unbedingt dazugelernt. Das hat der BVB durch Abgang des Personals zu spüren bekommen. Und der HSV, der zwar den Trainer wechselte, aber dennoch ebenso verzweifelt an den Klippen des Liga-Abgrunds hangelt.

Dort befinden sich die Hamburger neben dem VfB Stuttgart, dem BVB und dem SC Freiburg gemeinsam mit den benachbarten Nordlichtern des SV Werder Bremen. Und was lernen wir daraus? Nun, Tradition ist nicht unbedingt mit Erfolg gleichzusetzen und schießt keine Tore! Oder sie schießt Tore, aber nicht so viele, wie sie hinten reinbekommt. Das mag in diesem Fall Negatives bedeuten, kann im umgekehrten Fall aber auch zu unerwartetem Erfolg führen. Wer hätte schließlich noch vor ein paar Wochen mit dem SC Paderborn gerechnet? Die Aufsteiger aus Nordrhein-Westfalen hätten wohl selbst kaum erwartet, dass sie für wenige, aber kostbare Stunden die Tabellenführung übernehmen und nun an den internationalen Rängen kratzen würden! Auch der FSV Mainz 05 kann ein Lied davon singen, dass eine üble Ausgangssituation nicht unbedingt eine üble Saison einleitet.

Genauso wenig verspricht jedoch auch eine gute Ausgangslage eine gute Saison! So wurde Borussia Dortmund von einer aggressiven Art von Verletzungsplage heimgesucht und leidet auch nach der Rückkehr vieler Angeschlagener noch unter einer seltenen Krankheit – dem Alles-oder-nichts-Syndrom. Bekanntlich hat ja der DFB-Pokal seine eigenen Gesetze – das wurde allzu oft wiederholt – doch der BVB hat am eigenen Leib zu spüren bekommen, dass so etwas Ähnliches auch in der Champions League der Fall sein kann. Doch Dortmund, Stuttgart, Bremen, oder Hamburg sind nicht die einzigen Leidtragenden; getrost können wohl die meisten Vereine als Leidensgenossen bezeichnet werden – denn in der Liga heißt es momentan mehr oder weniger Einer gegen alle, alle gegen Einen!

Und damit wären wir wieder bei der Übermacht der Bayern, auf die letztendlich alles zurückläuft und an der es zurzeit keinen Weg vorbei gibt. Vielleicht beginnt die untere Tabellenhälfte tatsächlich schon bei Platz zwei! Lediglich die finanzstarken Clubs und die Schützlinge des Zauberkünstlers Lucien Favre können derzeit mithalten und laufen sich gegenseitig den Rang ab. Und so könnte in dieser Saison wohl weniger die Meisterschaft als der Abstieg besonders nervenaufreibend werden. Zumindest zeichnet sich dieser Trend ab. Oder wird es noch jemand schaffen, die Bayern zu überholen?

Letztendlich ist ja nur ein Drittel der Saison vergangen. Und daraus lernen wir? Geld schießt doch Tore, Tradition kassiert eher welche, nicht jeder lernt aus einer Krise und keine Mannschaft ist unschlagbar – außer den Bayern vermutlich. Hoffnungen werden enttäuscht, Enttäuschte werden überrascht, Überraschungen werden zur Gewohnheit und Gewohntes wird zu schwachen Hoffnungsfunken. Doch so viel sei gesagt: Es bleibt trotz Überbayern mächtig aufregend in der Liga!

Ein herzliches Dankeschön an unsere Gastautorin Lea Sophie Birke für diesen schönen Beitrag!

 

Foto: Dieter Schütz  / pixelio.de

Eine Antowort zum Thema: “Tradition schießt keine Tore

  1. abiszet sagt:

    Aber hallo: Der VfB Stuttgart – ein Traditionsverein, oder? – schießt doch jede Menge Tore, spielt Spektakel-Fussball.
    http://vertikalpass.de/danke-armin-veh/

    Aber wenn man Stuttgart, Bremen, Berlin und Frankfurt anschaut, kann auch sagen “Tradition kassiert viele Tore!”

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