Mobbing im Fußball

Tabuthema

Mobbing im Fußball

03.05.2015 | 9:32 | Annette

„Wir sind ein Team!“ Der Sinn für Gemeinschaft und Zusammenhalt wird im Fußball zelebriert und als Schlüssel zum Erfolg betrachtet. Elf Freunde sollt ihr sein, heißt es da. Oder gute Freunde kann niemand trennen, wie der Kaiser schon wusste und lautstark intonierte. Vor wenigen Wochen trübte Heinz Müller, ehemaliger Torwart von Mainz 05, das Bild von Jubel, Trubel, Heiterkeit, indem er seinen Ex-Trainer Thomas Tuchel als Diktator bezeichnete und ihm Mobbing vorwarf. Handelt es sich dabei nur um die Schilderung persönlicher Enttäuschungen oder doch um Risse im Teamgeist-Kosmos?

The Special Mobber

Aus dem Ausland erreichen uns immer wieder Meldungen über gezieltes Mobbing. Berühmtester „Täter“ ist José Mourinho. „Du würdest im nächsten Spiel nicht mal dann spielen, wenn das Flugzeug von Real Madrid abstürzt und du als einziger zu Hause säßest“, soll er als Coach der Königlichen seinem Spieler Pedro Leon mit auf den Weg gegeben haben. Außerdem verweigerte er drei seiner Kicker die Mitwirkung am Training, indem er ihnen die Bälle abnahm. Die Betroffenen klagten vor dem Arbeitsgericht. Mourinho – the special Mobber? Psychotricks sind dem Portugiesen zumindest nicht fremd.

Mobbing ganz anderer Art erlebte Nikola Nikezic. Der mazedonische Profi schilderte der „11 Freunde“, wie er während seiner Zeit beim russischen Klub Kuban Krasnodar von Schlägern aufgesucht und verprügelt wurde, damit er seinen Vertrag auflöst und den Verein vorzeitig verlässt.

Mobbing in Deutschland – kein Einzelfall

Doch auch in Deutschland gibt es Mobbing im Profi-Fußball. Der Berater von Patrick Helmes klagte zum Beispiel einmal Felix Magath an. „Quälix“ habe dem Stürmer eine Geldstrafe von 10000 Euro aufgebrummt. Grund dafür sei „Nichteinhaltung der Taktik“ gewesen. Außerdem habe er ihn dann eine Woche alleine trainieren lassen. Mobbing existiert aber nicht nur zwischen Trainern und Spielern. Wenn Mario Gomez beim Einsatz in der Nationalelf vom deutschen Publikum bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen wird, dann handelt es sich ebenfalls um eine Form von Psychoterror. Wenn Kevin Pezzoni von Anhängern des 1. FC Köln angegangen und zum Hassobjekt degradiert wird, dann ist das sogar eine besonders schlimme Art von Mobbing. Und wenn der Verein daraufhin den Spieler aus seinem Vertrag entlässt – angeblich, um ihn zu schützen – dann kommt dies einer Kapitulation vor dem Problem gleich.

Gefahren in der Cyber-Welt

Mobbing ist immer noch eines der großen Tabuthemen im Profi-Sport. Und die dargelegten Fälle nur die bekannte Spitze des Eisbergs. Die Spielergewerkschaft VDV weiß um viele Profis, die sich über fehlenden Respekt und Ansätze von Mobbing beklagen. Gerade im Fußball ist allein durch die Ausgangsposition in den Vereinen der Nährboden gesät. Für einzelne Positionen werden mehrere Spieler verpflichtet, und der Konkurrenzkampf ist enorm. Es geht um den großen sportlichen Erfolg, es geht um die Karriere, es geht um das liebe Geld. Und wenn diese Entwicklung auch noch unter großer medialer Aufmerksamkeit stattfindet, birgt das Ganze Gefahren. Da wurde zum Beispiel Timo Hildebrand, damals Torhüter von Schalke 04, auf Facebook zum Suizid aufgefordert. Die Grenzen werden verschoben, die Hemmschwelle in der Anonymität des World Wide Web gesenkt. Und Mobbing wird unkontrollierbar.

Fußball als Abbild der Gesellschaft

Wie kann dem begegnet werden? Zunächst einmal dürfte es wichtig sein, das Problem als solches zu erkennen und zu thematisieren. Im Team müssen die Grundlagen für ein harmonisches Miteinander geschaffen werden. Dafür ist eine gewisse Hierarchie gefragt, die jeglicher Form von Fehlverhalten entgegenwirkt. Sympathie und Antipathie wird es in jeder Mannschaft geben, aber Mobbing darf weder einen Platz im Gefüge und im Umfeld von Fußballvereinen erhalten noch in unserer Gesellschaft akzeptiert werden. Der Fußball ist ein Abbild unseres Miteinanders und könnte gerade aus diesem Grund als gutes Beispiel im Kampf gegen Mobbing vorangehen.

#GibMobbingKeineChance #EsHatSichAusgemobbt #SayNoToMobbing

Foto: Ute Bibow / pixelio.de

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