Mit Fragezeichen in die nächste Runde

Deutschland - Algerien

Mit Fragezeichen in die nächste Runde

01.07.2014 | 1:11 | Annette

Ist das die deutsche Nationalelf, die da auf dem Platz steht? Bei der gestrigen Achtelfinalpartie gegen Algerien war man sich nicht sicher. Kombiniert wurde BraYMoUIIAAsSS-nur nach hinten (waren Rückpässe vor noch nicht allzu langer Zeit nicht verpöhnt?) und selbst diese Zuspiele fanden oftmals nicht den Kollegen. Unseren Edeltechnikern sprang der Ball vom Fuß, als ob da irgendeine negative Energie zwischen Kicker und Spielgerät wirkte. Bei dessen Verlust funktionierte das defensive Umschalten nicht schnell genug und offenbarte große Lücken, in die die flinken und aufopferungsvoll kämpfenden Algerier stießen und für Unruhe sorgten. Gut, dass wir mit Manuel Neuer nicht nur einen Torwart, sondern auch einen Libero in unseren Reihen hatten. The Wall of Mexiko war gestern,  jetzt kommt der deutsche Spiderman!

Die eigenen Angriffsbemühungen waren träge. Ohne Tempo. Und ohne Zug zum Tor. Wo ist das begeisternde und schnelle Spiel nach vorn geblieben, das wir bei der WM 2010 so liebten? Konsequenz: 120 Minuten voller Anspannung, Erstaunen und dann doch noch Jubel und vor allem Erleichterung. Der knappe 2:1-Sieg war ein Zeichen des Willens und der Kraft. Eine Kraft, die den Nordafrikanern mit Dauer des Matches abhanden kam.

Überzeugend war die Leistung der DFB-Elf ganz und gar nicht. Mit Frankreich vor der Brust sollte der Bundestrainer auf jeden Fall seine Außenverteidiger FBL-WC-2014-MATCH54-GER-ALGüberdenken. Shkodran Mustafis WM ist aufgrund eines Muskelfaserrisses sowieso beendet. Warum Jogi Löw allerdings so lange an dem nur für Marco Reus nachnominierten gelernten Innenverteidiger festhielt, bleibt ein Rätsel. Sind Erik Durm und Kevin Großkreutz eine Option für den wirkungslosen Benedikt Höwedes? Philipp Lahm konnte gestern rechts hinten mehr glänzen als in den vielen Minuten, die er auf der Sechs agierte. Das ist definitiv eine Option.

Das behäbige Geschiebe in den Vorderreihen konnte André Schürrle nach seiner Einwechslung eindrucksvoll durchbrechen und nach Vorarbeit vom sonst glücklosen Thomas Müller mit einem Hackenstreich-Treffer krönen. So wollen wir das sehen. Vielleicht ist nach seinem 2:0 nun auch der Knoten bei Mesut Özil geplatzt. In der zweiten Halbzeit meist nur durch hängende Schultern auffallend, zeigte er nach seinem Tor Emotionen pur und verdeutlichte damit auch die Last, die auf seiner Person liegt. Er hämmerte mit der Hand auf den Bundesadler auf der Brust, als wolle er sagen: Ich gebe alles, Leute, ich gebe hier alles.

Nach 120 Minuten war der Fight aber noch nicht zu Ende. Per Mertesacker lieferte sich in der Mixed-Zone einen weiteren Zweikampf mit einem ZDF-Reporter. Und zeigte dabei ungewohnte Stärken im Konterspiel: “Sollen wir lieber Ausscheiden?” war sein Kommentar auf die Frage nach dem fehlenden spielerischen Element. Was würden wir nur ohne die aussagekräftigen Interviews direkt nach Spielschluss machen? Fazit: Mund abwischen, weiter geht’s. Freitag. Viertelfinale. Rio de Janeiro. Maracaná.

Fotocredits: AFP – GABRIEL BOUYS / AFP – Patrik Stollarz / Twitter Sabine Lisicki

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