Ein ganz neuer Neuer

WM-Momente

Ein ganz neuer Neuer

01.07.2014 | 4:55 | Natalia

Dass Manuel Neuer häufig als aktuell bester Torhüter der Welt bezeichnet wird, sind wir bereits gewöhnt. Und nehmen diese Lorbeeren nicht ganz ohne Stolz zur Kenntnis. Hach, UNSER Manuel. Aber was da im Achtelfinale gegen Algerien im und um den deutschen Sechzehner los war, hat uns glatt die Schuhe ausgezogen.

Obwohl Jogi Löw immer wieder davor gewarnt hatte, das Spiel gegen Algerien auf die leichte Schulter zu nehmen, müssen wir zugeben: Dass es derart zäh und nervenaufreibend werden würde, hätten wir nicht erwartet (Klick zum Spielbericht). Abgesehen davon, dass unsere Jungs sich erstmal wieder daran erinnern mussten, wo eigentlich das gegnerische Tor steht, waren es immer die gleichen Szenen, die uns nach Luft schnappen ließen. Deutschland mit Ballverlust, schnelles algerisches Passspiel in die Spitze, GEFÄHRLICHE Nähe zum deutschen Kasten. Und damit zu Neuer. Und der? Unsere Nummer 1 sprintete regelmäßig meterweit aus dem eigenen Sechzehner hinaus, köpfte Bälle weg, verhinderte todsichere Torchancen.
Beim ersten Mal sorgte dieses Verhalten beim Public-Viewing-Publikum für ein bewunderndes Raunen und Szenenapplaus. Spätestens beim dritten Mal wurde allen klar: Der Typ gibt den Libero. Manuel Neuer. Unser Torwart. Abgefahren. Und anders als die meisten seiner Mannschaftskameraden erfüllte er seine Doppelaufgabe meisterhaft. Allen, die jetzt von zu viel Risiko reden, sei gesagt: Der Manu kann das. Vertraut ihm. Und ganz ehrlich … wenn ein Gegenspieler mit dem Ball und einem deutschen Defensivmann im Schlepptau (!) auf unser Tor zustürmt, wäre alles andere grob fahrlässig. Neuer drückt das Risiko eines Gegentreffers von geschätzten 90 Prozent auf MAXIMAL 50. Außerdem hat das Ganze auch taktische Ursachen. Wenn unsere Viererkette im Spiel nach vorne mitarbeitet, ergeben sich hinten automatisch Räume. Die kann der Manu zwar nicht dicht machen, aber er kommt dann ganz einfach angeflogen und ändert per Kopfball die Spielrichtung. Im Idealfall hat er schon erkannt, dass vorne jemand startet (gestern war es Schürrle) und bedient ihn mit einem präzisen Pass über 3/4 des Platzes. Technisch versiert und zweikampfstark ist er also auch noch, was bereits Forderungen für seinen Einsatz als Verteidiger laut werden ließ. Für diesen Ansatz spricht die Tatsache, dass Neuers maximale Geschwindigkeit bei seinen wenigen Sprints laut ran.de höher war als der Höchstwert des brasilianischen Stürmers Fred während des gesamten Spiels gegen Kroatien.
Weidenfeller zwischen den Pfosten und Neuer in der Abwehrkette? Naja, das ist dann vielleicht doch etwas sachfremd. Fest steht, dass Manuel Neuer einmal mehr gezeigt hat, über wieviel Spielverständnis, Flexibilität und fußballerische Fähigkeiten er verfügt. Gefällt uns, dieser neue Neuer!

Manuel Neuers Bewegungsschema im Spiel gegen Algerien

Manuel Neuers Bewegungsschema im Spiel gegen Algerien

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Pool/Getty Images; twitter.com/GaryCurneen

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